Manuskripte

SWR3 Worte

Kurt Rainer Klein pilgert gern. Eines seiner Gebete für unterwegs heißt:

"Gott,
gib mir achtsame Augen,
die das Unscheinbare erkennen.
Gib mir offene Ohren,
die das Leise hören
und eine feine Nase,
die das Milde wahrnimmt. [...]

Gib mir empfindsame Füße,
die das Mögliche ertasten -  
und einen wachen Geist,
der die Freude liebt."

Kurt Rainer Klein, Gib mir achtsame Augen
In: Du bist unser Weg. Gebete, Meditationen und Impulse für unterwegs. Das Pilger-Werkbuch
http://www.diakonie-wuerttemberg.de/aktion-und-spende/diakonie-pilgerweg/texte-zum-pilgern/gott-gib-mir-achtsame-augen/

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Der Schauspieler Bruno Ganz über den Freitod:

Menschen reisen zum Sterben in die Schweiz - das hat für mich einen durchaus touristischen Aspekt. Und ich kann einerseits nichts dagegen sagen, wenn es jemand nicht mehr aushält, wenn er sterben will. Ich denke, es muss möglich und erlaubt sein, dass solchen Menschen geholfen wird. [...]
Ich bin da aber gespalten und ambivalent, denn andererseits ist immer noch viel christliche Erziehung in mir, die das ablehnt. Und eine Scheu, deren Ursprung mir verborgen ist, wehrt sich auch dagegen. [...] Wir leben in Großstädten, entfernen uns von der Natur, werden virtuell, schaffen Gott ab. Es ist sehr selbstherrlich, dass wir glauben, wir könnten alles kontrollieren, bestimmen und beherrschen.

Bruno Ganz, Das besondere Gespräch: Ich laufe gern. Aber nicht über rote Teppiche. Interview mit Antje Liebsch
In: Brigitte Woman. Das Magazin für Frauen über 40, Heft 2/2011

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Der amerikanische Liedermacher Woody Guthrie würde heute seinen 99. Geburtstag feiern. In einem seiner Lieder hat er beschrieben, was Gott uns Menschen verspricht:

"Ich habe Euch nicht den Himmel auf Erden versprochen.
Kein Leben ohne Arbeit, ohne Anstrengung und ohne Tod.
 [...]
Was ich Euch aber versprochen habe, ist Kraft für diesen Tag! -
Und Ruhe, Rast und mein Licht auf Eurem Weg.
Ich gebe euch meine Wahrheit [...] und meine Hilfe von oben steht Euch bei!"

Woody Guthrie, God's Promise
In: http://www.woodyguthrie.org/Lyrics/Gods_Promise.htm, Übersetzung Anke Edelbrock

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Tina Theune ist Pfarrerstochter und Fußball-Ex-Bundestrainerin des Frauen-Nationalteams. 2003 wurde die deutsche Elf mit ihr Weltmeister. Dabei hob der Deutsche Fußballbund erst 1970 das Verbot des Frauenfußballs auf.
Tina Theune erinnert sich:

"Meine Eltern waren begeistere Fußballanhänger. [...] So hatte ich auf meinem Geburtstagstisch mal einen neuen Ball oder auch mal einen Trainingsanzug. Auf Fragen von besorgten Gemeindemitgliedern, ob mein Vater es denn gut fände, dass seine Tochter als Pfarrerskind Fußball spiele, sagte er einmal: 'Wieso, Mädchen haben doch auch zwei Beine!"

Tina Theune, "Mädchen haben doch auch zwei Beine"
In: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr. Heft 2/2011, S.5.

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Was ist eigentlich das Besondere an einem Gebet? Der Theologe Fullbert Steffensky dazu:

"Das Gebet ist der höchste Ort der Passivität, der Verzicht darauf, sein eigener Liebhaber und Schönfinder zu sein. Es ist die Passivität, die sich nicht wehrt gegen den Blick, der uns schön und reich findet. Im Gebet weiß ich, dass ich nicht mein Selbsterbauer und mein Selbstrechtfertiger bin. [...] Vielleicht können wir uns selber nur ertragen und mit uns selber auskommen, indem wir im Gebet wegschwimmen in den Blick der Güte. Vielleicht können wir nur dann ruhig, stark und lebensgewiss sein, wenn wir nicht gezwungen sind, nur wir selber zu sein; wenn wir wissen, dass wir die sind, als die wir angesehen werden."

Fulbert Steffensky, Angesehen
In: Der andere Advent 2010/11, hrsg. von Andere Zeiten e.V. Initiativen zum Kirchenjahr (www.anderezeiten.de) Text vom 04.12.10.

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Naomi Hill engagiert sich in Erlangen und Nürnberg für internationale Studierende und Migranten. Wie schmerzhaft Vorurteile sind, hat sie selbst erlebt:

"Ich [...] bin in den USA geboren, aber meine Mutter ist Deutsche. Als ich 6 Jahre alt war, sind wir nach Deutschland umgezogen. Obwohl mein Name mich eindeutig als Ausländerin outet, habe ich mich nie so gefühlt. Im Gegenteil, ich hatte viele Vorteile, weil ich verschiedene Weltanschauungen gleich als Kind mitbekommen habe. [...]
Doch als ich während des Studiums  [...] eine Wohnung suchte, bekam ich es nicht nur vom Hörensagen, sondern persönlich ganz handfest mit Vorurteilen zu tun. Auf eine  [...]  Zeitungsanzeige hin rief ich an, um mich nach der Wohnung zu erkundigen. Natürlich meldete ich mich mit meinem Namen: Naomi Hill; schließlich gehört das doch zum guten Ton. Darauf bekam ich zu hören: „Wir wollen keine Ausländer."
Das hat mich sehr geschockt und tief gesessen. [...] Vorurteile können ganz schön wehtun!"

Naomi Hill, Vorurteile
In: http://www.e-vorurteil.de

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"Die Zehn Gebote sind in alle Sprachen der Welt übersetzt. Diese Sprachen haben Wörter für „Himmel" und  „Erde", für „Bildnis" und für „Gott". Nur ein Wort ist hier unübersetzbar, das ist „Sabbat", der Ruhetag, der Feiertag nach sechs Arbeitstagen - vielleicht das größte Geschenk des jüdischen Volkes an die Menschheit."

Dorothee Sölle, evangelische Theologin  

Dorothee Sölle, Der siebte Tag
In: Den Rhythmus des Lebens spüren. Inspirierter Alltag

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