Manuskripte

SWR3 Worte

"Morgens holte sie die rot bemalten Eier aus dem Keller. Nun will sie sie am Mandelbaum im Vorgarten aufhängen. [...] Sie liebt dieses Ritual des Eieraufhängens und lässt sich Zeit dabei. [...]
[...]  Der Karsamstag ist ihr von den Tagen der Karwoche der liebste. Er ist so friedlich. Wenn sie daran denkt, dass dies in der Bibel der Tag war, an dem Jesus im Grab ruhte, dann empfindet sie diese Ruhe nach und fühlt sich dann selbst wie nach einer Beerdigung: zwar traurig, aber auch ruhig.
Sie unterbricht für einen Moment ihr Tun, setzt sich auf die Treppe vor dem Haus und geht ihren Gedanken nach. [...]
Wie gut, dass heute Karsamstag ist. Sie bleibt noch eine Weile in der Frühlingssonne sitzen, dann erhebt sie sich und hängt das letzte Ei am Mandelbaum auf. Ein Nachbar kommt den Weg entlang und grüßt sie freundlich: „Na, alles bereit für Ostern?" Sie lächelt zurück: „Ja, jetzt kann Ostern kommen."

Jutta Schlesselmann, Pfarrerin und Organistin in Hildesheim
Karwoche
In: http://www.e-karwoche.de/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10487

'Ach, sie sind Christ - interessant; was macht man denn da so?' Eine direkte Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist.
Denn was "machen" Christen [...]? Christ - das ist ja kein Beruf, so wie man Tischler oder Lehrerin ist [...], und es ist auch kein Hobby, dem ich am Wochenende nachgehe.
Christ-sein, das ist ja eher eine Lebenshaltung, das betrifft meinen Glauben, meine Hoffnung und Ängste, mein festes Vertrauen darauf, dass mit Jesus Christus Gott zu den Menschen gekommen ist. [...]
Es begann mit dem Kind in der Krippe im Stall von Bethlehem, dessen Geburt Christen an Weihnachen feiern. Und es endete nicht mit dem Tod Jesu am Kreuz in Jerusalem", an den Christen am heutigen Karfreitag denken.
"Der Glaube an Jesu Auferweckung von den Toten macht Christen zu 'Protestleuten gegen den Tod' (Christoph Blumhardt- nur fürs Netz), zu Menschen, die das Leben bejahen."

Rainer Kiefer, von der evangelischen Kirche in Hannover
Christentum
In: http://www.e-christentum.de/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10486

Heute ist Gründonnerstag. Sein Name kommt von "greinen", was im Mittelalter so viel wie Weinen hieß.
Was ist das Besondere an diesem Tag?

"Dieser Tag vor Karfreitag hat es in sich: Am Vorabend seiner Kreuzigung wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße und sie feiern das letzte gemeinsame Mahl mit Brot und Wein. [...]
Dann betet Jesus im Garten Gethsemane, intensiv und voll Todesangst: 'Vater, wenn's möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.' Mutterseelenallein ringt Jesus um sein Schicksal, während seine Jünger schlafen.
Schließlich kommt es zu Verrat und Verhaftung: Judas gibt Jesus einen Kuss als Erkennungszeichen für die Soldaten [...].
Eine bittere Nacht und tatsächlich ein Gründonnerstag - ein Tag zum Greinen."

Das Magazin "andere Zeiten"
Gründonnerstag
Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr, 7. Jg, Heft 1 /2006

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10485

Sind Menschen mit Gottvertrauen einfach nur naiv?
Christian Nürnberger, Publizist und Ehemann von Petra Gerster meint:

"Die Frage nach Gott, Auferstehung und den letzten Dingen ist offen und bleibt offen.
Die Kirche kann Gott nicht beweisen, die Wissenschaft kann ihn nicht widerlegen. Wer als Wissenschaftler meint, es trotzdem tun zu können, verlässt die Grenzen seiner Zuständigkeit, argumentiert nicht mehr als Wissenschaftler, sondern als Agnostiker oder Atheist, und das ist kein wissenschaftlicher Beweis, sondern auch wieder nur ein Glaube. Die Hoffnung, Gott werde am Ende aller Tage ein paar Überraschungen für uns parat haben, widerspricht daher nicht der Vernunft. Diese Hoffnung bleibt. Wer sie hegt, braucht sie sich von niemandem zerreden zu lassen."

Christian Nürnberger
Die Frage nach Gott
In: Die Bibel. Was man wirklich wissen muss, (Rowohlt) Berlin

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Wenn es ganz dicke kommt - worauf soll man vertrauen?
Der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch meint:

"Ich setze auf die Liebe,
wenn Sturm mich in die Knie zwingt
und Angst in meinen Schläfen buchstabiert,
ein dunkler Abend mir die Sinne trübt. [...]

Ich setze auf die Liebe,
das ist das Thema, den Hass aus der Welt zu vertreiben. [...]
Die einen sagen, es läge am Geld.
die anderen sagen, es wäre die Welt, sie läg' in den falschen Händen.

Jeder weiß es besser, woran es liegt,
doch es hat noch niemand den Hass besiegt, ohne ihn selbst zu beenden.

Er kann mir sagen, was er will [...)
und mir erklären, was er muss:
Aber ich setze auf die Liebe! Schluss!

Hans-Dieter Hüsch
Ich setze auf die Liebe
In: Hans-Dieter Hüsch: Das Schwere leicht gesagt. Freiburg (Herder), 1994

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10483

"Ein paar Mal geschüttelt hat sich die Erde - und ihre Flutwelle riss viele tausend Japaner in den Tod: Babys und Hochbetagte, Erwachsene... Vielleicht schwammen sie noch ein paar Meter, bis sie im eiskalten Wasser von einem Trümmerteil erschlagen wurden.
Grausam ist das. [...]
Und was können wir tun?
Beten. Beten für die Verstorbenen und für die Überlebenden, die traumatisiert vor dem Nichts stehen. [...]
Und Helfen - zum Beten gehört das Helfen. Die Japaner brauchen jetzt Hilfe und Spenden.
Beten, Helfen und ein Drittes: Atomkraftwerke abschaffen. [...]
Mit Beten, Helfen und dem Umstieg auf ungefährlichere Energien können wir der japanischen Sintflut vielleicht einen Hauch von Sinn und Hoffnung verleihen."

Frank Nie, Krankenhausseelsorger in Erlangen
Erdbeben
In: http://www.e-erdbeben.de

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Was sind die ungeheuerlichsten Geheimnisse?
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer sieht das so:

"Nicht der fernste Stern ist das größte Geheimnis, sondern gerade im Gegenteil, je näher uns etwas kommt, je besser wir etwas wissen, desto geheimnisvoller wird es uns.
Nicht der fernste Mensch ist uns das größte Geheimnis, sondern gerade der nächste. Und sein Geheimnis wird uns dadurch nicht geringer, dass wir immer mehr von ihm wissen; sondern in seiner Nähe wird er uns immer geheimnisvoller.
Es ist die letzte Tiefe alles Geheimnisvollen, wenn zwei Menschen einander so nahe kommen, dass sie einander lieben. Dass der andere mir so nahe ist, das ist das größte Geheimnis!"

Dietrich Bonhoeffer
Gott lebt im Geheimnis.
In: London 1933-1935. Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 13, Gütersloher Verlagshaus

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10481