Manuskripte

SWR3 Worte

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat das Vater Unser neu übersetzt. Seine Version heißt so:

Unser Vater im Himmel! / Groß ist dein Name und heilig. / Dein Reich kommt, wenn dein Wille geschieht, / auch auf Erden. / Gib uns das, was wir brauchen. / Vergib uns, wenn wir Böses tun und gutes unterlassen. / So wie auch wir denen verzeihen wollen, / die an uns schuldig geworden sind. / Und mach uns frei, wenn es Zeit ist, / von den Übeln dieser Welt.

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Heute ist „Weltgebetstag der Frauen". Die Texte zu diesem weltumspannenden Gebet stammen dieses Jahr von Frauen aus Chile. 

Gott, wir bitten dich, dass du um deiner großen Liebe willen die Gebete der Völker erhörst, die zu dir rufen. Wir beten, dass mit deiner Hilfe wieder eine solidarische Gemeinschaft entstehen kann, deren Hoffnung sich in konkreten Taten ausdrückt. Wir beten, dass es uns gelingt, zuversichtlich und mit Freude zu leben, auch in verzweifelten Situationen. O Gott, hilf uns, dir zu vertrauen und dein Angesicht in denen zu erkennen, die dich am meisten brauchen.

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Heute beginnt an vielen Orten die Fasnacht mit Umzügen und Narrentreiben.  Im Alten Testament schreibt der Prophet Maleachi seinen frommen Zeitgenossen: 

Für euch aber (...) wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, wie Kälber, die aus dem Stall kommen.

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 Raffael ist ein Gefangener der JVA Herford. Er hat im Internet ein Gedicht über die Zeit veröffentlicht. 

Um den Wert eines Jahrhunderts zu erfahren, frage einen Menschen der 1901 geboren ist. Um den Wert eines Monats zu erfahren, frage die Mutter, die ihr Kind zu früh zur Welt gebracht hat. Um den Wert einer Woche zu erfahren, frage den Herausgeber einer Wochenzeitschrift. Um den Wert einer Stunde zu erfahren, frage die Verliebten, die darauf warten, sich zu sehen. Um den Wert einer Minute zu erfahren, frage jemanden, der den Zug verpasst hat. Um den Wert einer Sekunde zu erfahren, frage jemanden, der zum ersten Mal im Knast sitzt. Um den Wert der Zeit zu erfahren, vertraue Gott und verschwende nicht dein Leben.

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Eines Tages stritten der Wind und die Sonne miteinander, wer von ihnen mehr Macht über die Menschen habe. „Siehst du diesen Mann da unten?", fragte der Wind. „Ich werde ihm binnen einer Minute Hut und Mantel entreißen." Der Wind legte kräftig los. Aber je heftiger er pfiff, desto fester drückte der Mann Hut und Mantel an sich. Da gab der Wind schließlich auf. Dann war die Sonne an der Reihe. Sie begann freundlich zu lächeln und zu strahlen. Und es wurde so warm, dass der Mann von sich aus bald Hut und Mantel auszog. 

Nach einer Fabel von Aesop

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Ich ging in den Zoo. (...) Dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich dachte: „Wo ist eigentlich deine Taille? Die Flügel zu klein. Du kannst nicht fliegen. Und vor allem: hat der Schöpfer bei dir die Knie vergessen?" Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.
Dann ging ich eine kleine Treppe hinunter und sah durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein" Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht, und ich spürte: jetzt hatte er Mitleid mit mir. Er war in seinem Element. (...). Pinguine sind hervorragend geeignet im Wasser zu schwimmen, zu jagen, zu spielen (...). Und ich dachte: Fehlkonstruktion!
Der Pinguin erinnert mich an zwei Dinge: erstens: wie schnell ich Urteile fälle (...), und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, damit das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.

 Eckart von Hirschhausen: die Pinguin-Geschichte

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Die Tannen, die den Weg säumten, waren schwer beladen mit Schnee. Ab und zu fiel etwas davon runter. Dann rieselte es noch eine Weile weiß glitzernd (...). Alles, was er hörte, war das Karzen ihrer Schuhe. Als Andrea plötzlich einmal stehen blieb und auf ihn wartete, blieb er auch stehen. Da erst hörte er die Stille. Es war eine Stille, die alles verschlang. Eine Stille, die mit jeder Sekunde mächtiger wurde. Noch nie war ihm bewusst geworden, wie unbarmherzig sein ganzes Leben mit Lärm gefüllt war. (...) Dem Hupen des Verkehrs (...), dem Geschepper in den Küchen, (...) dem Schrillen der Trams, (...) dem Geschwätz seiner Gedanken. Nun plötzlich diese Stille. Wie ein Kleinod. Wie ein Luxusartikel. 

Aus dem Roman „Der Koch" von Martin Suter.

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