Manuskripte

SWR3 Worte

Lass doch ... mal schauen, was verbindet! Nicht danach, was Trennung und Unterscheidung verursacht. Also, bei Christus sind alle Menschen gleichwertige, geliebte Kinder Gottes, die dazu aufgerufen sind, die Schöpfung Gottes zu bewahren und zu beschützen. Es geht um die Liebe zu Gott, zum Nächsten, zum Selbst. Es geht um die Feindesliebe. Es geht um das Verbot zu töten. Es geht darum, sich nicht von Feinden unterbuttern zu lassen, sondern Feinde zu segnen, für sie zu beten ... Diplomatie -  nicht Krieg ... Und ich denke, dass viele dieser christlichen Leitsätze auch bei anderen Religionen vorhanden sind. 

Nina Hagen, „Ich kann lieben nur ...", zit. aus in Publik-Forum Nr. 1 (2011) vom 14.01.2011

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Was ist zu tun, wenn du nicht davon loskommen kannst, dich mit anderen zu messen, und dabei immer das Gefühl hast, dass sie die eigentlich wichtigen Leute sind, während du niemand bist oder noch weniger als das? ... In der Meditation können wir die Bestätigung erfahren, dass wir nicht von anderen Menschen, sondern von Gott geschaffen sind, und dass wir nicht danach beurteilt werden, ob wir den Vergleich mit anderen bestehen, sondern ob wir den Willen Gottes erfüllen. Das ist nicht so leicht, wie es klingt, denn gerade in der Meditation werden wir uns dessen schmerzlich bewusst, wie sehr wir bereits das Opfer unseres eigenen Wettbewerbsdenkens geworden sind und wie sehr wir unsere Seele schon an die Wertschätzung anderer verkauft haben. 

Henri J.M. Nouwen, Ich hörte auf die Stille, Herder-Verlag: Freiburg 111978

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Ich frage mich, ob ich wirklich sorgfältig genug auf den Gott der Geschichte, auf den Gott meiner Geschichte gehört und ihn erkannt habe, [als er mich bei meinem Namen gerufen, das Brot gebrochen oder mich gebeten hat, nach einem fruchtlosen Tag meine Netze auszuwerfen.] Vielleicht habe ich viel zu schnell gelebt, zu ruhelos, zu fiebrig, und ich habe dabei vergessen, dem Aufmerksamkeit zu schenken, was hier und jetzt geschieht, direkt vor meiner Nase. Wie man die ganze Welt der Schönheit in einer einzigen Blume entdecken kann, so kann man auch die ... Gnade Gottes in einem einzigen Augenblick erleben. 

Henri J.M. Nouwen, Ich hörte auf die Stille, Herder-Verlag: Freiburg 111978

 

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Habe ich mein Leben wirklich gelebt, oder wurde es für mich gelebt? War wirklich ich es, der die Entscheidungen getroffen hat, die mich schließlich hierher geführt haben, oder wurde ich einfach vom Strom dahin getragen, von traurigen ebenso wie von glücklichen Ereignissen? ... Ich glaube nicht, dass mein Leben nur eine lange Reihe zufällig miteinander verketteter Vorfälle und Ereignisse ist und dass ich nicht viel mehr als ein passives Opfer dieser Zufälligkeiten bin. Nein, ich glaube, dass nichts zufällig ist, sondern das Gott an mir durch die Ereignisse meines Lebens wie ein Töpfer geformt hat. 

Henri J.M. Nouwen, Ich hörte auf die Stille, Herder-Verlag: Freiburg 111978

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Umwege erhöhen ... nicht nur die Ortskenntnis. Sie sind vielmehr für den Fortgang der Menschheitsgeschichte genauso wichtig wie die großen Tugend-Langweiler: Korrektheit, Rationalität und Zuverlässigkeit. Anders gesagt: Wenn wir uns nicht gelegentlich verirren, dann haben wir uns nicht genug bewegt. 

Florian Illies, Manche Menschen zeigen ihre Größe erst im Scheitern, in: ZEITMagazin Nr. 01/2011 vom 30.12.2010

 

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2010 ist vorbei... Dieses Jahr ist das beste in meinem Leben ... Ich habe so viele Wünsche für 2011 ... Bitte, Gott, bleibe bei mir und hilf mir, sie wahr zu machen. Letzter Eintrag auf der Facebook-Seite der 22-jährigen Maryouma Fekry, kurz bevor sie am Silvesterabend in Alexandria zur koptischen Mitternachtsmesse aufbrach, wo sie von einem religiösen Fanatiker ermordet wurde.

Zitiert aus: Jörg Lau, Verfolgte Christen, in: DIE ZEIT Nr. 02/2011 vom 05.01.2011

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Ob ich wirklich glücklich bin, fragte mich meine ehemalige Nachbarin. Wirklich glücklich? Monatelang lässt mich diese Frage nicht mehr los. Langsam wachse ich durch das Leben in Antwortversuche hinein. Ich bin glücklich, wenn ich frühmorgens staune über das Vogelgezwitscher. Glücklich bin ich, wenn ich nach völliger Verkrampfung endlich weinen kann. Ich bin glücklich, wenn ich zärtlich berührt werde, wie wenn es das erste Mal wäre. Glücklich bin ich, wenn ich durch eine Patenschaft einem Kind in Bolivien eine Ausbildung ermöglichen kann. Ich bin glücklich, wenn ich Worte finde für das Geheimnis unseres Lebens. Ob ich wirklich glücklich bin? 

Pierre  Stutz, Wirkliches Glück, in: Möge das Glück dich begleiten. Worte, die durchs Leben tragen, Herder: Freiburg 2005

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