Manuskripte

SWR3 Worte

In der „Birthlerbehörde", die Dokumente aus der DDR-Zeit aufbewahrt und bearbeitet, wurde ein Aktenstück gefunden mit dem Titel: „Verordnung zum Schutz des Sozialismus vor heidnischem Spuk und christlichem Mummenschanz." Tatsächlich sollte versucht werden, die Durchführung des Weihnachtsfestes zu verbieten.

Walter Ulbricht hatte erklärt, er wolle nicht länger mitansehen, „wie - Zitat - erwachsene Menschen ein grünes Kroppzeug in ihre Stube schleifen, dort mit Stanniol und Krimskrams behängen und einen Götzendienst davor tun". Dieser „unwürdige Spuk" müsse ein Ende haben.

Und Jesus, dieser - so Ulbricht - „junge Mann ohne festen Wohnsitz", habe sein Land aus egoistischen Motiven verlassen, einem solchen Republikflüchtling müsse man nicht huldigen. So wurde in der DDR ab November der Handel auf Mangelwirtschaft umgestellt, die Fortwirtschaft durfte keine Bäume fällen und in der „Operation Federvieh" wurde versucht, in Polen das „Gänsefleisch" rar zu machen.

aus: Margot Käßmann: Wenn die Dunkelheit leuchtet. Auf Weihnachten zugehen. Kreuz-Verlag, Freiburg 2010, S. 19

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Ein Traum von ZDF-Sprecherin Marietta Slomka:

Ich habe einen Traum. Ich halte die Welt der schlechten Nachrichten einfach an. Aus den Studiolautsprechern kommt eine Durchsage des Regisseurs: „Das heute-journal fällt aus. Es gibt nichts, was wir zu vermelden brauchten. Wir senden stattdessen ein Schwarzbild. Schönen Feierabend."

Ich zappe durch zwei deutsche Nachrichtenkanäle. Auf n-tv läuft nur das Wetter. N24 wiederholt Tierdokumentationen aus den sechziger Jahren. Auf einem Laufband steht: „Es gibt gerade nichts Neues." (...)

RTL vermeldet unter dem Signet „Breaking News": „Ruhe vor dem Sturm: Geheimnisvoller Frieden erschüttert die Welt. Tausende Reporter bald ohne Arbeit?" (...)

Die Nachrichtenagenturen überbieten sich mit immer neuen Deutungen der plötzlich gewaltlosen Weltlage. Am nächsten Morgen legt man uns die Zuschauerzahlen auf den Tisch: Es waren die höchsten Einschaltquoten aller Zeiten.

gefunden auf: http://www.zeit.de/2004/18/Traum_2fSlomka

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Wir Menschen haben die Sehnsucht, immer wieder an Urerfahrungen anzuknüpfen. Weihnachten ist für mich das Fest dieser Urerfahrung. Dazu zählt die Geborgenheit im Mutterschoß. Das Getragensein und Gehaltensein von den Kräften der Liebe und des Vertrauens.

Gott hat mit meinem Leben einen Anfang gemacht. Er hat mit der Erde einen Anfang gemacht. Diesen Anfang immer wieder neu zu erleben und damit dem Leben wieder eine neue Chance zu geben - das ist Weihnachten.

Worte von Schwester Gisela Ibele
aus: Ulrich Sander (Hg.): Unterwegs zum Licht. Weihnachtliche Worte und Weisen. Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2010, S. 40

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Licht, Frieden, Freude hängen nicht am Christbaum. Sie kommen nicht über dich mit etwas sentimentaler Musik. Weihnachtsmärkte, Wunschträume in Geschenkverpackung können kein einziges leeres Herz mit Glück erfüllen. In Armut und Kälte und in tiefer Verlassenheit ist einer in die Welt zu allen Menschen gekommen, der mit seinem ganzen Leben Licht und Wärme sein wollte. An einem Kreuz hat der die Welt wieder verlassen.

Wenn du offen bist für das Geheimnis dieses Menschen, offen wie ein Kind, wirst du Licht empfangen und Wärme fühlen. Ich wünsche dir in diesen Tagen Licht und Wärme im Herzen, um Menschen aus der Kälte zu holen und ein paar Sterne im Dunkel anzuzünden.

Worte des belgischen Theologen Phil Bosmans
aus: Ulrich Sander (Hg.): Unterwegs zum Licht. Weihnachtliche Worte und Weisen. Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2010, S. 69

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Advent heißt: Es kommt uns der entgegen, der uns gezeigt hat, Gott sei nicht in irgendeiner Ferne, sondern nah bei uns wie ein Mensch, der uns besucht, so nah wie ein Bruder, der mit uns lebt und leidet, so nah wie ein Mensch, der uns liebt.

Der, der kommt, geht unseren Weg mit uns, und sei der Weg noch so schwierig, und sei es über diesem Weg noch so dunkel, und sei er noch so weiß. Er zeigt uns ein Ziel, ein großes Ziel und ein schönes, bis zu dem Punkt, an dem uns aufgeht: Nun ist alles gut. Es hat alles seinen Sinn gehabt.

Worte des Theologen Jörg Zink
aus: Ulrich Sander (Hg.): Unterwegs zum Licht. Weihnachtliche Worte und Weisen. Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2010, S. 24

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(...) wir Menschen brauchen die Nacht und den Tag und den Wechsel dazwischen. Beides hat seine Zeit. Ebenso ist es mit Advent und Weihnachten. Wir können nicht das ganze Jahr Weihnachten feiern, und wer sich bereits im Spätsommer mit Christstollen und Weihnachtsdekoration versorgt, wird sich bis Weihnachten daran wahrscheinlich Lust und Laune verdorben haben.

Weihnachten hat, wie alle wirklich wichtigen Dinge im Leben, seine besondere Zeit.

Worte des Theologen Ulrich Sander
aus: Ulrich Sander (Hg.): Unterwegs zum Licht. Weihnachtliche Worte und Weisen. Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2010, S. 5

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Das ist der wahre Kern von Advent und Weihnachten: die Dunkelheit wahrnehmen, im persönlichen Leben, im Umfeld, in der Stadt, in dieser Welt. Und die Sehnsucht wach halten, dass es anders sein könnte, heller, kreativer, lebensfroh, ja lebenssatt.

Im Advent buchstabieren wir diese Sehnsucht als Warten. An Weihnachten zünden wir Lichter an, damit die Hoffnung in der Dunkelheit spürbar, erfahrbar wird: Licht scheint in der Finsternis.

Margot Käßmann
aus: Ulrich Sander (Hg.): Unterwegs zum Licht. Weihnachtliche Worte und Weisen. Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2010, S. 19

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