Manuskripte

SWR3 Worte

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz!
Ich frag mich, ob du das kannst.
Es gäbe keinen Grund für Habgier oder Hunger,
und alle Menschen wären Brüder.

Stell dir vor, alle Menschen teilten sich die Welt [...]
und es gäbe keine Länder, [...] nichts wofür man
morden oder sterben müsste. [...]

Stell dir vor, alle Menschen lebten in Frieden.

Du sagst vielleicht, dass ich ein Träumer bin -
aber ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst Du Dich mit uns zusammen tun,
und die Welt wird wie eine Eintracht sein.

John Lennon, der heute 70 Jahre alt geworden wäre.

Titel: Imagine

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Volle Terminkalender und hektische Arbeitstage, die gab es auch schon früher. Bernhard von Clairvaux hatte im 12. Jahrhundert folgenden Tipp für einen viel beschäftigten Freund:

"Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest. [...]

Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, da dem Du nicht landen wolltest.

Du fragst, an welchen Punkt?

An den Punkt, wo das Herz hart wird. Das soll nicht sein, deshalb denke nach:

Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selbst?  Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann er gut sein? Deshalb: gönne Dich Dir selbst."

 

Autor: Bernhard von Clairvaux (12. Jahrhundert)

Zitiert nach: Margot Kässmann, In der Mitte des Lebens, (Herder) Freiburg im Breisgau

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Der 16jährige Benjamin Lebert und sein gleichaltriger Freund Janosch im Zwiegespräch über Gott:

"Gott will, dass wir leben. Und das tun wir auch. Ob wir das dann richtig oder falsch getan haben, das soll er schließlich selbst entscheiden, wenn wir mal vor ihm stehen!"

"Werden wir das denn?", fragte Benjamin.

"Irgendwann sicher", entgegnete Janosch. "Und ich glaube, dann hole ich mir ein Autogramm von ihm."

"Du willst Dir ein Autogramm von Gott holen?" fragte Benjamin.

"Klar, da kommt man ja sonst nicht so oft dazu!"

"Du bist wahnsinnig", entgegnete Benjamin. "Meinst Du wirklich, Gott gibt Dir ein Autogramm?"

Janosch antwortete mit dem Brustton der Überzeugung:
"Klar, so viel Zeit hat er! Außerdem, glaube ich, hat er keine Starallüren!"

 

Autor: Benjamin Lebert

In: Crazy, Köln (Kiepenheuer & Witsch), 1999, S. 121f.

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Was ist wichtiger, das Gesetz oder der Mensch?

Jesus heilte Kranke - am Sabbat.
Seine Kritiker sagten: Am Sabbat!?
Das darfst Du nicht!

Das Gesetz sagt, das ist verboten!

Jesus sagt:
Was ist wichtiger, das Gesetz oder der Mensch?
Ich helfe dem Menschen.

Das ist das Wichtigste!

Seid nicht so starr mit Eurem Gesetz!

Dietrich Steinwede, Religionspädagoge

 

Titel: Jesus und der Sabbat, (vgl. Neues Testament: Matthäus 12, 9-14)

In: Jesus aus Nazareth. Ein Sachbilderbuch für Kinder. Lahr, Düsseldorf

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Heute vor 64 Jahren wurde in Deutschland die erste Nummer der Telefonseelsorge geschaltet. Eine der wichtigsten Aufgaben der Telefonseelsorge - zuhören

"Hinhören auf das, was dem anderen weh tut.

Zu verstehen versuchen, was er auf dem Herzen hat. [...]

Wer einen anderen begleitet und ihm zuhört, wird bisweilen, von seinem Gegenüber unbemerkt, selbst zum Wesentlichen geführt.

Zuhören, immer wieder zuhören - wer sich ein Leben lang in Einfühlung übt, vermag die Menschen, die sich ihm anvertrauen, mit wenigen Worten zu begreifen.

Wer auf diese Weise hinhört, wird erkennen, dass der Mensch zugleich Unzulänglichkeiten und Ausstrahlung, Abgründigkeit und Erfüllung in sich hat."

Frére Roger

 

Titel: Zuhören

In: Gott kann nur lieben. Erfahrungen und Begegnungen. Freiburg (Herder) 2002.

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Wir haben früher immer sehr viele Geschenke bekommen, und zu Weihnachten  waren die Materialschlachten im Wohnzimmer zu gange.

Dann musste man immer allen Tanten "Danke" sagen. Das war furchtbar. [...] Zu der Zeit habe ich nicht wirklich oft ein aufrichtiges Gefühl von  Dankbarkeit empfunden. [...]

Dass ich angefangen habe, wirklich Dankbarkeit zu spüren, die spontan und originär ist, hat für mich auch etwas damit zu tun gehabt, überhaupt meinen eigenen Weg zu finden.

Das zu finden, was mir wichtig ist und mich dafür einzusetzen, was ich wichtig finde. Und dann zu entdecken, es gibt Dinge, für die ich dankbar sein kann, es gibt Menschen, für die ich dankbar sein kann.

Wenn ich mich dankbar fühle, bin ich reich.

Wenn ich dankbar bin für etwas, das ich bekommen hab, sei es nun materiell oder immateriell, Zuneigung zum Beispiel auch, wow, auf einmal fühl ich mich beschenkt, ich fühl mich reich und rund.

Und die Welt ist in Ordnung. Und das tut gut.

 

Autorin: Agnes P. zitiert von Ingrid Strobl

Titel: Wie heißt das Zauberwort? Über andressierte und echte Dankbarkeit

In: SWR 2 Leben, Sendung am 23.4.09

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"Zehn Jahre vor ihrem Tod hatte meine Frau einen dramatischen Zusammenbruch. Wir haben Wochen um ihr Leben gebangt. Dann erholte sie sich, langsam und vollständig.

Sie und ich haben gelernt, dass das Leben Frist und Geschenk ist. Dies gab unseren Tagen eine neue Intensität. [...] Dass ein neuer Morgen kam, war nicht mehr selbstverständlich, [...] nicht das Brot auf dem Tisch und der Wein im Krug. Nicht mehr selbstverständlich war, dass wir zusammen weiter leben durften.

Der Alltag hatte einen neuen Glanz. Wir haben die Bäume anders gesehen, wir haben unsere Liebe intensiver erfahren [...] und die Gaben des Lebens als unverdienbare kennen gelernt. Die Dankbarkeit verdoppelte die Schönheit des Lebens. [...]

Das Erntedankfest ist eine Gelegenheit für alle, neu zu lernen, dass das Leben durch Dank und Teilen liebenswürdig wird."

Autor: Fulbert Steffensky

Titel: Nachtigall und Honigspeise

In: Andere Zeiten. Magazin zum Kirchenjahr 3/2008. Hrsg. von Andere Zeiten e.V., Initiative zum Kirchenjahr, Fischers Allee 18, 22763 Hamburg, S. 5.

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