Manuskripte

SWR3 Worte

Wenn es Herbst wird
Und ich ins Heim gehe,
um das Laub zu fegen,
werden die Alten
sehr aufgeregt und bitten,
die Blätter
hier nicht
und da nicht
aus dem Gras
zu kämmen,

die Schneeglöckchen darunter
würden sonst erfrieren.

Die Alten tun etwas
für ihre Hoffnung
und stecken mir
fünf Euro zu. 

Salli Sallmann: Altenheim

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Ein sehr geiziger Mann pflegte sein Gold unter einem Baum in seinem Garten zu verstecken. Jede Woche ging er einmal zu dem Baum, grub das Gold aus und betrachtete es stundenlang.
Eines Tages aber fand er nur ein leeres Loch. Der Mann heulte vor Kummer so laut, dass die Nachbarn zusammenliefen... Als sie erfuhren, was dem Mann passiert war, fragte einer: „Hast du das Gold denn zu etwas gebraucht?" - „Nein", heulte der Geizhals, „ich habe es mir ... nur jede Woche einmal angesehen."
„Dann", sagte der Nachbar, „wenn du das Gold nicht direkt gebraucht hast, kannst du doch genau so gut jede Woche herkommen und das Loch anschauen."

Antony di Mello, Genauso gut

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Im ersten Schnee
der früh fiel
dieses Jahr
spielen drei Jungen
Krieg.
Pengpeng
rufen sie
fallen und
stehen gleich wieder auf.

Den Schnee von den
Kleidern schüttelnd
fragt einer von ihnen:
Wie spielt man
eigentlich
Frieden?

Axel Kutsch: Eine ernste Frage

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Der alte Dorflehrer war gestorben. „Er war altmodisch", sagten die einen. „Er fuhr mit dem Fahrrad, auch bei Regen. Er stellte viele Fragen und schüttelte oft den Kopf." „Er war ganz modern", sagten die anderen. „Mir hat er geholfen, meinen alten Käfer zu reparieren. Und ich habe ihm das ‚Computern' beigebracht." „Er war eigenartig", meinten die anderen. „Wir müssen hinter die Dinge schauen, war sein Lieblingsspruch." ...

„Aber wisst ihr", fragte jemand in der Runde, „weshalb er fast jeden Morgen bei Sonnenaufgang zum alten Baum vor seinem Haus ging, dort ein wenig verweilte, ehe er wieder ins Haus zurückkehrte? ... Er hat gesagt: Ich will lernen, das Gras wachsen zu hören. Alles was lebt, singt seinem Schöpfer ein Loblied. Es dauert lange, bis man dieses Lied lernt."

Der alte Lehrer - Gottes Loblied lernen

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In der Dienstagsstraße
die übliche Leere des Morgens.
Hinter dem Schild
»Links abbiegen verboten«
keine Hinweise
für die Existenz Gottes.

Die Ampel allerdings
wechselt auf Grün.
Immerhin etwas. 

Bodo Kirchner: Geradeaus

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Stolze Ansage von Hans: Er erzählt, dass er seit fünf Monaten keine Zigarette und kein Bier mehr angerührt hat. „Das schaffst du nie, Hans!", hat ein Kumpel gesagt. - „Und ob ich das schaffe, hab ich gesagt, die letzte Kippe ausgedrückt und einfach aufgehört." - „Und was ist anders als vorher?", frage ich. „Das kann ich dir sagen: Sonst hab ich morgens schon am Frühstückstisch eine nach der anderen gequalmt, dazu sechs Tassen Kaffee. Nach einer Stunde hab ich gedacht: Oh nee, Hans, jetzt sitzt du immer noch hier und hast schon 'nen dicken Brummkopf.
Und jetzt bin ich immer ganz schnell mit allem fertig - schwuppdiwupp - und frisch rasiert und eine Tasse Kaffee und dann ab in den neuen Morgen. Dann sag ich meinem Herrgott Danke und sag ihm auch, er soll mich noch ordentlich lange leben lassen."

Kirstin Faupel-Drevs: „Und ob ich das schaffe..."

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Darum iss dein Brot und trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! So hat es Gott für die Menschen vorgesehen und so gefällt es ihm. Nimm das Leben als ein Fest: Trag immer frisch gewaschene Kleider und salbe dein Haupt mit duftendem Öl! Genieße jeden Tag mit der Frau, die du liebst, solange das Leben dauert, das Gott dir unter der Sonne geschenkt hat.
Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz. Denn du bist unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt.

Die Bibel - im Buch des Predigers: Genieße dein Leben - Gott will es

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