Manuskripte

SWR3 Worte

Von der Sonne lernen zu wärmen,

von den Wolken lernen leicht zu schweben,

vom Wind lernen Anstöße zu geben,

von den Vögeln lernen Höhe zu gewinnen,

von den Bäumen lernen standhaft zu sein.

 

Von den Blumen das Leuchten lernen

Von den Steinen das Bleiben,

von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen

von den Blättern im Herbst das Fallenlassen

vom Sturm die Leidenschaft

 

Vom Regen lernen sich zu verströmen,

von der Erde mütterlich zu sein,

vom Mond sich zu verändern,

von den Sternen lernen einer von vielen zu sein

von den Jahreszeiten lernen dass das Leben immer von neuem beginnt...

 

Leben lernen - von Ute Latendorf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8623

Steht nicht an meinem Grab und weint, ich bin nicht hier, ich schlafe nicht.

Ich bin eine der tausend wogenden Wellen des Sees,

ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.

Wenn ihr erwacht in der Stille am Morgen, dann bin ich für Euch verborgen.

Ich bin ein Vogel im Flug, leise wie ein Luftzug,

ich bin das sanfte Licht der Sterne in der Nacht.

Steht nicht an meinem Grab und weint, ich bin nicht hier, ich schlafe nicht.

 

Steht nicht an meinem Grab und weint - Verfasser unbekannt

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8622

geboren: frei

Adresse: bei sich selbst daheim

Nationalität: Kosmopolit

Flagge: n icht nach jedem Wind

Tätigkeit: selbstständig

Familienstand: einander eine Hilfe sein

Religion: mit Gott auf du und du

Erscheinungsbild: innere Größe

Passfoto: Gottebenbild

Fiskalische Bemerkungen:  Steuerparadies

 

Meldebogen für die Bewohner von Eden - von Andreas Knapp

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8621

Wenn das Meer all seine Kräfte anstrengt, so kann es das Bild des Himmels gerade nicht spiegeln; auch nur die mindeste Bewegung so spiegelt es den Himmel nicht rein; doch wenn es still wird und tief, senkt sich das Bild des Himmels in sein Nichts.

von Sören Kierkegaard

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8620

Die Wolken schweben zwischen Gottes Himmel und der armen Erde als schöne Gleichnisse aller Menschensehnsucht ...
Sie sind das ewige Sinnbild alles Wanderns, alles Suchens, Verlangens und Heimbegehrens. Und so wie die Wolken zwischen Erde und Himmel furchtsam und sehnend und trotzig hängen, so hängen furchtsam und sehnend und trotzig die Seelen der Menschen zwischen Zeit und Ewigkeit 

Über die Schönheit und Schwermut der Wolken  - von Hermann Hesse

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8619

Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; aber sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen... Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum. 

Bäume von Hermann Hesse

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8618

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
 die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
 und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.

Ziehende Landschaft  von Hilde Domin

 

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