Manuskripte

SWR3 Worte

Heute um 11 Uhr überträgt die ARD einen Trauergottesdienst für die Opfer der Loveparade- Katastrophe. Der evangelische Präses Nikolaus Schneider wird die Predigt halten. Er meint:

Mein Glaube und meine theologische Überzeugung verbieten es mir, in diesem Unglück einen Fingerzeig Gottes gegen die Loveparade zu sehen... Und schon gar nicht kann ich die Todesfälle als göttliche Bestrafung für Teilnehmer verstehen.

Wo aber war Gott in Duisburg? ... Bei allem Erschrecken und Fragen bin ich ganz gewiss:

Gott hatte die Menschen nicht verlassen, die in der Massenpanik um ihr Leben gefürchtet und gekämpft haben.

Er war auch bei denen, die ihr Leben verloren haben.

Und Gott ist jetzt bei all denen, die Trauer tragen um geliebte Menschen.

Er wird auch die nicht verlassen, die Fehler gemacht haben bei ihrem Planen und Entscheiden...

Und Gott wird auch uns festhalten, deren Herzen jetzt so voll sind von Fragen und Zweifeln gegenüber Gottes Wirken am letzten Samstag in Duisburg.

Aus: Rheinische Post vom 27. Juli 2010

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Viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind in diesen Tage weltweit auf Freizeiten und Zeltlagern unterwegs. Vor 103 Jahren fand das erste Pfadfinderlager in England statt. Der Gründer, Robert Baden-Powell, über das Lebensglück:

"Ich glaube, Gott hat uns in diese Welt gestellt, um darin glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. Das Glück ist nicht die Folge von Reichtum oder Erfolg im Beruf und noch weniger von Nachsicht gegen sich selbst. Ein wichtiger Schritt zum Glück besteht darin, dass Ihr Euch nützlich erweist und des Lebens froh werdet [...]
Das Studium der Natur wird Euch all die Schönheiten und Wunder zeigen, mit denen Gott die Welt ausgestattet hat. Euch zur Freude. [...]
Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht."

Robert Baden-Powell
Abschiedbrief
In: http://www.scout-o-wiki.de/index.php/Abschiedsbrief_an_die_Pfadfinder_der_Welt

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Gelassener möchte ich werden
aus tiefem Herzen lachen können -  auch über mich selber -
weil Du mich zur Lebensfreude anstiftest.

Gelassener möchte ich werden
mich mit meinen Schattenseiten annehmen,
damit ich mich nicht zu sehr mit andern vergleiche,
sondern meine Gaben zur Entfaltung bringe.

Gelassener möchte ich werden,
vertrauen können auf meine Spontaneität, auf meine Lebenskraft,
die Du, Gott, in mir angelegt hast.

Pierre Stutz, Schweitzer Theologe
In: Alltagsrituale. Wege zur inneren Quelle. München (Kösel) 1998

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Die Theologin Dorothee Sölle über kirchliche Sexualfeindlichkeit:

In der christlichen Tradition wurde die so genannte Fleischeslust verworfen, anstatt sie als einen Weg zu sehen, auf dem wir uns selbst und Gott erkennen. Zwischen der Verherrlichung der christlichen Liebe und der gleichzeitigen Verdammung ihres elementarsten Ausdrucks herrscht ein schreiender Widerspruch. [...] Es gilt, die Sexualität als Zeichen der Gegenwart Gottes unter uns zu preisen.

Dorothee Sölle
In: Lieben und Arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, Stuttgart (Kreuz-Verlag) 1985

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Ich ging weit den Strand entlang, vom weichen Rhythmus der Wellen getragen, die Sonne auf meinem Rücken, den Wind und den salzigen Sprühregen des Gischtes im Haar. Und dann nach Hause, durchnässt, beglückt, taumelnd und bis zum Rand mit der Einsamkeit des Tages angefüllt:
voll wie der Mond, ehe die Nacht von seinem Glanz gekostet hat;
voll wie ein Becher, ehe die Lippen ihn berühren.
Es ist das Gefühl der Fülle in mir, das in den biblischen Psalmen mit den Worten "Mein Becher läuft über" beschrieben wird.
Gott, lass niemanden kommen - bete ich plötzlich - ich könnte mich verströmen.

Anne Morrow Lindbergh,
Schriftstellerin, Ehefrau von Charles Lindbergh
Ich ging weit den Strand entlang
In: Muscheln in meiner Hand. München (Piper Verlag) 1955.

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Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. Als der Tourist das sieht, fragt er überrascht: „Und wo sind Ihre Möbel?" „Wo sind denn Ihre?" erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise."
Der Mönch lächelt: „Wir auch."

Titel: Geschenkt. In: Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten, Hrsg. vom Andere-Zeiten-Team.

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Wozu kann es führen, wenn wir von unserem Nächsten nur Schlechtes denken? Dazu eine Geschichte des Psychotherapeuten Paul Watzlawick, der heute 89 Jahre alt würde:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar ihm den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er ihn nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt? [...]
Wenn jemand von ihm ein Werkzeug borgen wollte, er gäbe es ihm sofort. Und warum sein Nachbar nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ausschlagen? [...]
Jetzt reicht's ihm aber wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er "Guten Morgen" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Sie können Ihren Hammer behalten, Sie Rüpel!"

Paul Watzlawick
In: Anleitung zum Unglücklichsein. München (Piper) 1983

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