Manuskripte

SWR3 Worte

Heute vor 65 Jahren endete der zweite Weltkrieg. Was haben wir daraus zu lernen? Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident in seiner berühmten Rede:

Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden. Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit - für niemanden und kein Land!
Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren....
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

 aus www.spiegel.de vom  27.4.2010
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,354568,00.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8210

In seiner berühmten Rede zum Kriegsende Mai 1945 erinnert der einstige Bundespräsident Richard von Weizsäcker an das Leid, das er zweite Weltkrieg über Europa gebracht hat. Und er meint:

Den vielleicht größten Teil dessen, was den Menschen aufgeladen war, haben die Frauen der Völker getragen.
Ihr Leiden, ihre Entsagung und ihre stille Kraft vergisst die Weltgeschichte nur allzu leicht. Sie haben gebangt und gearbeitet, menschliches Leben getragen und beschützt.
Sie haben getrauert um gefallene Väter und Söhne, Männer, Brüder und Freunde. ...
Am Ende des Krieges haben sie als erste ...Hand angelegt,... die Trümmerfrauen in Berlin und überall.

Wenn die Völker an den Zerstörungen...den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten innerlich nicht zerbrachen....dann verdanken wir es zuerst unseren Frauen.

 aus www.spiegel.de vom 27.4.2010
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,354568,00.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8209

Vor einem Monat wurde der Plakatkünstler Klaus Staeck aus Heidelberg mit einem Stern auf dem Walk of fame der Satire in Mainz ausgezeichnet.
Auf die Frage, was ihn derzeit in der Politik bewegt, erinnert er an ein Plakat, das er gemacht hat.

Dieses Plakat vom Bankersclub in Frankfurt mit dem schönen Satz
- wir machen mit ihrem Geld was wir wollen-

das könnte natürlich das Plakat zur Krise gewesen sein, ist aber 12 Jahre alt.

Das sind Dinge, die einen zornig machen, nicht nur traurig, zornig.

Wenn man sich das wirklich vor Augen führt, dass da Milliarden versenkt worden sind, das Geld von Steuerzahlern, die wirklich noch Steuern zahlen…geholt wird und sie weitermachen.

Dass die Leerverkäufe alle weitergehen, dass die Wetten weitergehen, dann ist das so ungeheuerlich, dass man sagt: Donnerwetter was hält eine Demokratie eigentlich alles aus.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8208

Ich würde so gerne etwas Zärtliches schreiben. Kaum Fühlbares,
etwas, das man gerade noch spüren kann.
Wie man den Blick eines lieben Menschen auf der Haut spürt.

Dank
auch wenn er nur ganz kurz und im Vorübergehen gedacht ist.

Schlichtheit
schlichte Menschen vergrößern einen Raum, wenn sie durch die Tür treten.

Kinder spürt man
auch die leisesten Kinder,
bei denen man immer das Gefühl hat
man müßte den Mund halten, denn sie wissen schon lange alles.
Herzlichkeit
vor allem Herzlichkeit.
Ich kenne Menschen, die dich mit einer Selbstverständlichkeit in ihre Herzen aufnehmen,
daß dir schwindlig wird.

Konstantin Wecker
Ich will noch eine ganze Menge leben; Ehrenwirt Verlag München

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8207

Ich wünsche dir nicht,
daß du ein Mensch seist,
rechtwinklig an Leib und Seele,
glatt und senkrecht wie eine Pappel
oder elegant wie eine Zypresse.

Aber das wünsche ich dir,
daß du mit allem,
was krumm an dir ist,
an einem guten Platz leben darfst
und im Licht des Himmels,

daß auch,
was nicht gedeihen konnte,
gelten darf
und auch
das Knorrige
und das Unfertige
an dir
und deinem Werk
in der Gnade Gottes
Schutz finden.

Jörg Zink
Mehr als 3 Wünsche, Kreuz Verlag Stuttgart 2003

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8206

Was ist das Wichtigste in der Erziehung von Kindern?
Der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther meint:

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Die Pflanzen wachsen dann am besten, wenn man sie in die Sonne stellt, wenn man sie düngt und wenn man sie einigermaßen von Unkraut frei hält.
Das wäre die Aufgabe, die man hat. ...

Und so ist das mit Kindern. Das Kind ist nicht etwas, was wir päppeln müssen. Das hat genug Kraft und bekommt genug Lebensenergie mit auf die Welt.

Fast ist es so, dass wir sagen müssen, dass wir die Potentiale, mit denen wir auf die Welt kommen, nicht kaputt machen.

Denn überlegen Sie mal, wo Ihre ursprüngliche kindliche Neugier, Ihre Begeisterungsfähigkeit, Ihre Lebenslust und Ihre Gestaltungskraft geblieben sind! Das ist ja alles nicht mehr so doll bei vielen Erwachsenen verglichen mit dem Zustand, den man da mal hatte.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8205

Gestern Abend ging ich- bitte frag nicht, warum- in die Kirche im Dorf,
hockte mich bibbernd zwischen die alten Leute in eine der engen Bänke
und bewegte die Lippen, als hätte ich mitzureden.
Es war ganz leicht.

Schon nach dem ersten Gebet
- wir beteten auch für dich-
wuchs mir die Maske des Guten übers Gesicht.

Vorne pickte der alte Pfarrer,
ohne eine Lösung zu fordern,
wie ein schwarzer Vogel lustlos im Evangelium,
schien aber nichts zu finden, uns zu verführen.
...
Nach einer Stunde war alles vorbei.

Draußen lag ein unerwartet helles Licht über dem See,
und ein Wind kam auf, der mich die Unterseite der Blätter sehen ließ.

Spiegelungen, biblische Texte und moderne Lyrik, Piano Verlag Zürich 2004

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8204