Manuskripte

SWR3 Worte

Eine Grunderfahrung des Lebens ist, dass wir die tiefsten Fragen nicht schlüssig beantworten oder gar lösen können. Wir müssen sie offen lassen. In der dunklen Offenheit, die ihnen eigen ist, sollen wir versuchen, ein sinnvolles Leben zu führen. Glauben heißt dann: sinnvoll leben angesichts einer für immer offen bleibenden Frage. Es ist die Frage nach dem Woher, Warum und Wohin. Darauf gibt es hier keine letzte Antwort. Dass kann einen richtig ratlos und verzweifelt machen. Aber es ist so.

 Michael Albus, Esoterik, in: Hirschberg Nr. 4 (2010), Hg. vom Bund Neudeutschland - KMF e.V., S. 259

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Seit ich mich mit Filmemachen beschäftige, habe ich gemerkt: Es funktioniert nicht mehr, diese klassischen Geschichten zu erzählen. Zumindest ist es nicht mehr spannend. Es muss damit zusammenhängen, dass in unserer Gesellschaft die herkömmlichen traditionellen Gefüge und damit auch die impliziten Antworten auf bestimmte Lebensfragen so nicht mehr funktionieren. Jeder kann Recht oder nicht Recht haben. Jeder zimmert sich sein eigenes Leben zusammen. Beziehungsmuster funktionieren nicht mehr, jeder muss sich das selbst zurecht schneiden und bastelt sich sein Ding. Das ist toll, denn man hat viele Möglichkeiten, aber es ist auch furchtbar verunsichernd und anstrengend, wenn alles gilt oder nichts. Vielleicht ist die Rückkehr zur Religion auch diese Suche danach, nach Sicherheiten. 

Jessica Hausner über ihren neuen Film „Lourdes", in: Filmdienst. Das Film-Magazin, Verlag Deutsche Zeitung: Bonn, Heft-Nr. 5 (2010), S. 12

 

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In der Präambel der schweizerischen Verfassung aus dem Jahr 1999 steht ein wunderbarer Satz: "Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen." Das ist nicht nur ein wunderbarer, sondern auch ein mutiger Satz, weil diese Stärke gern an ganz anderen Faktoren bemessen wird. (...)
Ein starker Staat ist der Staat, der Heimat ist auch für die, die nicht mit dem silbernen Löffel auf die Welt gekommen sind, der Heimat ist für die, denen es dreckig geht, weil sie arbeitslos sind. Ein solcher Staat heißt Sozialstaat. Er sorgt dafür, dass Deutschland Heimat bleibt für alle Altbürger und Heimat wird für alle Neubürger. Das nennt man Integration, und das ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Integration ist all das, was Heimat schafft.

Heribert Prantl, Heimat Sozialstaat, in: Sueddeutsche.de vom 23.02.2010

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„Verkauft Banken, kauft Käse", so die Devise eines Wall-Street-Brokers. Das Kalkül ist zynisch: Wachsende Weltbevölkerung, Klimawandel, Urbanisierung sowie eine steigende Nachfrage nach Futtermitteln und Agrarsprit werden unweigerlich zu steigenden Preisen für Ackerflächen und damit zu satten Gewinnen führen. Je mehr Hunger auf der Welt, desto größer die Gewinne, lautet die Formel.

 Gerhard Klas, Ackerland in Bankenhand, in: Publik-Forum Nr. 3 (2010), S. 13

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Hoffnung gehört zum Christsein dazu: dass der kleinste Anfang sinnvoll ist. Für uns erscheint manches im Leben sehr bruchstückhaft. Manchmal haben wir den Eindruck, vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Da ist mir der Glaube wichtig, dass Gott die Scherben, manchmal sind es vielleicht Mosaiksteine, zu einem Ganzen zusammenfügt. Er macht heil, was wir nicht zusammenbekommen.

 Reinhard Höppner, Spuren im Leben hinterlassen, in: Publik-Forum Nr. 5 (2010), Dossier S. 110

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Für mich hat Christsein auch etwas mit Freiheit zu tun. Nicht so sein müssen wie die anderen. Das hängst vielleicht auch mit unserer DDR-Biografie zusammen. Christen waren in der Schulklasse immer in der Minderheit. ... Schon damals habe ich gelernt, dass Christsein nie unpolitisch ist. Spiritualität und Weltverantwortung gehören untrennbar zusammen. Das Christsein muss Spuren hinterlassen in unserem Leben. Es macht Mut zu ungewöhnlichen Entscheidungen. Ich muss mir die Frage stellen, was Gott mir für Gaben gegeben hat, die ich zum Wohl aller einsetzen kann.

 Reinhard Höppner, Spuren im Leben hinterlassen, in: Publik-Forum Nr. 5 (2010), Dossier S. 10

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Natürlich gehören auch Zweifel zum Glauben wie Fragen. Mir machen eher Leute Angst, die keine Zweifel haben, die immer wissen, wie die Bibel zu verstehen ist. Ich glaube beispielsweise, dass Gott viel weniger moralisch ist, als viele meinen. Wir dürfen Fehler machen. Da halte ich es mit Dietrich Bonhoeffer, der gemeint hat, dass Gott auch noch aus unseren Fehlern und vermeintlichen Guttaten etwas Gutes erwachsen lassen kann. 

Renate Höppner, Spuren im Leben hinterlassen, in: Publik-Forum Nr. 5 (2010), Dossier S. 10.

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