Manuskripte

SWR3 Worte


In ihrer Beratung zur Work-Life-Balance erzählt Friederike Höher folgende Geschichte:

Ein Weiser wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen sein könne. Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: „Das tun wir doch auch, aber was machst Du darüber hinaus?“ Er antwortete: „Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Wieder sagen die anderen: „Das tun wir auch!“ er aber sagte: „Nein, das tut ihr nicht, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon; wenn ihr steht, dann geht ihr schon; Und wenn ihr geht, dann seid ihr schon am Ziel.“

Friederike Höher
In: Lila Blätter, Nr. 39, Juli 2009: Thema: Im Gleichgewicht bleiben. Balance Akte für ein gelingendes Leben. Magazin des Frauenreferates der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Heute kann ein neuer Anfang sein,
wenn wir ruhig werden,
uns selber zuhören, wahrnehmen, was wir wünschen und brauchen.

Heute kann ein neuer Anfang sein,
wenn wir aufeinander zugehen, uns zeigen, wie wir sind:
stark und verletzlich;
wenn wir die Wünsche darlegen,
unsere Bedürfnisse anmelden und zu unseren Grenzen stehen.

Heute wird ein neuer Anfang sein,
wenn wir in Liebe aufeinander zu gehen.

Max Feigenwinter
Neuanfang
In: Lass Dir Zeit. Eine Einladung zum Verweilen, Eschbach 20034


https://www.kirche-im-swr.de/?m=7753
„Latein-Kenntnisse sind manchmal ja doch nützlich. Ertragen heißt im Lateinischen tolerare und daher kommt das uns geläufige Wort Toleranz. Einander ertragen heißt also auch: Einander mit Toleranz begegnen, mit Interesse und Verständnis für die Verschiedenheit des oder der anderen. Und wenn das Ganze, wie es Paulus rät [Eph 4,2 AE: nur für das Netz], auch noch mit Liebe geschieht, dann kann die Verschiedenheit […] zu einem Reichtum werden. […] Es ist viel gewonnen, wenn wir in der Buntheit der Lebensformen einen Reichtum erkennen, den Gott uns Menschen eröffnet.“

Karla Wessel
Pfarrerin in Gelsenkirchen
In: Lila Blätter, Magazin des Frauenreferates der Evangelischen Kirche von Westfalen, Nr. 34/Februar 2007, S. 19.

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Gott ist Liebe, Liebe ist göttlich.
Gott wird gemartert, Liebe bekommt Fußtritte.
Die Liebe stirbt, Gott mit ihr. Umzubringen ist er aber nicht!
Die Auferstehung des wahren Menschen und wahren Gottes ist ein Zeichen für die Beständigkeit der Liebe.
Wahre Liebe braucht Menschen, die ihre […] Allmachtsgefühle und den Wunsch, andere auszubeuten, überwunden haben.
Liebe braucht Menschen, die bescheiden und zuversichtlich an ihre gottgegebenen eigenen Kräfte glauben und diese für sich und andere einsetzen.

Susanne Breit-Kessler
Evangelische Regionalbischöfin in Bayern
In: E-wie Evangelisch, http://www.e-lieben.de

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Was ist das Wichtigste in unserem Leben?
Paulus, der viele Teile des Neuen Testaments geschrieben hat, setzt große Stücke auf die Liebe:

“Und wenn ich […] alles Verborgene weiß und alle Erkenntnis habe und alles Vertrauen […] und bin ohne Liebe, dann bin ich nichts.
Und wenn ich alles, was ich kann und habe, für andere aufwende und mein Leben aufs Spiel setze […] und bin ohne Liebe, dann hat alles keinen Sinn.

Die Liebe hat einen langen Atem und sie ist zuverlässig.
Sie ist nicht eifersüchtig,
sie spielt sich nicht auf, um andere zu beherrschen.
Die Liebe handelt nicht respektlos anderen gegenüber.
Sie ist nicht egoistisch,
sie wird nicht jähzornig und nachtragend.
Wo Unrecht geschieht, freut sie sich nicht, vielmehr freut sie sich mit anderen an der Wahrheit.
Sie kann schweigen und vertrauen, sie hofft mit Ausdauer und Widerstandskraft. […]
Setzt alles auf die Liebe.“

Paulus
Hohelied der Liebe
In: 1. Kor 13, 2-8 u. 14,1a (Bibel in gerechter Sprache)

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Die Autorin Elke Heidenreich lässt uns augenzwinkernd an ihren Erfahrungen mit der Nächstenliebe teilhaben:

Neulich im Flugzeug. Er sitzt neben mir. Er kommt aber erst, als ich schon sitze und will dann auf den Fensterplatz. Er ist sehr, sehr dick und quetscht sich mühsam durch. […]
Kaum sitzt er, muss er, „ ’tschudigung!“, noch mal aufstehen, denn er hat ja oben in seinem Mantel die Brille vergessen. Das Gepäckfach muss dafür nochmals aus- und umgeräumt werden. Aber dann wird die Brille gefunden und er zwängt sich wieder zurück auf den Fensterplatz. […]
Ja, ich will immer versuchen, die Menschen zu lieben,
aber manchmal ist es eben verdammt schwierig.

Elke Heidenreich
Nervige Mitmenschen
In: Also… Die letzten Kolumnen aus »Brigitte«


https://www.kirche-im-swr.de/?m=7749

Sag doch mal was Liebes.
Irgendwem. Einfach so. Unverhofft.
Dass das blaukarierte Kleid deiner Nachbarin vortrefflich sitzt.
Die Witze deines Großonkels tagaufhellend sind.
Lob Deinen Jüngsten über den grünen Klee.
Bestaune den Duschbariton Deines Göttergatten.
Erheb die Himbeertorte Deines Bäckers zur Leib- und Magenspeise.
Na los! Lass Dir was einfallen!
Drei Lobeshymnen oder fünf einfache Komplimente sind drin!
Mindestens.
Weil heute Sonntag ist.

Susanne Niemeyer
Gut
In: sonntags. Erfindung der Freiheit. Andere Zeiten e.V. Hamburg 2009

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