Manuskripte

SWR3 Worte


In diesem Winter finden in Baden-Württemberg an dreiundzwanzig Veranstaltungsorten Versperkirchen statt.
Morgen öffnet die Versperkirche in Stuttgart ihre Türen. Die Sängerin Pe Werner grüßt sie in einem ihrer Lieder:

Ein Mann am Straßenrand, ich stehle mich vorbei an ´ner bittenden Hand […]
ich zwinge Fuß vor Fuß, will weder hörn noch sehn […]
aber mein Herz bleibt stehn.
Ich stell mich taub, ich stell mich blind
haste durch´s Großstadtlabyrinth […]

Wo hört das auf, wo führt das hin
nichts als Goldgräber in Berlin
Goldgräber gibt es genug und nicht nur in Berlin.
Schön, dass es die Vesperkirche […] gibt und Menschen, die hinsehen und helfen. Danke!

Pe Werner
In: http://www.vesperkirche.de/cms/startseite/die-vesperkirche/prominente-gruessen-die-vesperkirche/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7464

Wann immer die frühen Christen im 2. und 3. Jahrhundert in eine Stadt gelangten, wurden die Machthaber unruhig. Heute liegen die Dinge anders. Die Gewalten und die Machthaber der meisten Städte werden keineswegs dadurch gestört, dass die Kirche existiert. Im Gegenteil: Oft werden sie dadurch beruhigt, wenn die Kirche schweigt oder sogar vernehmlich die Dinge gut heißt, wie sie nun einmal sind.
Ich wünsche mir die Zeit zurück, in der die Christen nicht lediglich ein Thermometer waren, welches die Ideen und Leitbilder der öffentlichen Meinung registriert, sondern ein Thermostat, der das Denken und Tun der Gesellschaft wandelt.

Martin Luther King, der heute 81 Jahre alt geworden wäre
In: Letter from Birmingham Jail, April 1963, abgedruckt in: Heinrich W. Grosse (Hg.), Martin Luther King: Schöpferischer Widerstand, Gütersloh, 1985

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7463

Ehrfurcht vor dem Menschen!

Wenn jemand ausschließlich den respektiert, der ihm gleicht, dann achtet er nur sich selbst und verneint zugleich die schöpferischen Gegensätze.

Zählt auch die zu den Eurigen, die anders sind als ihr.

Vielleicht eine merkwürdige Verwandtschaft?!
Sie gründet sich nicht auf das Vergangene, sondern auf das Künftige.
Nicht auf den Ausgangspunkt, sondern auf das Ziel.

Wir sind einer für den anderen Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zu wandern.

Nach Antoine de Saint-Exupéry
In: Bekenntnis einer Freundschaft, Düsseldorf 42002

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7462
Ein Tag bei meinen Großeltern begann für uns Enkelkinder morgens mit einem festen Ritual. Gegen halb sieben, während unsere Eltern noch schliefen, schlichen wir Kinder hinunter in die Küche. Dort hatte Oma schon Tee gekocht und Opa unsere Tassen aus dem Schrank geholt. … Jeder hatte eine Tasse mit besonderem Muster, die im Schrank auf uns wartete, bis wir zu Besuch kamen. Wir erzählten von unserem Alltag ... und die beiden berichteten oft von früheren Zeiten.
Wir fragten auch nach den eingerahmten Sprüchen neben den Fotos an der Wand. Es waren Psalmverse, die unseren Großeltern etwas bedeuteten. Wir staunten, wie viele Lieder und Texte die beiden auswendig konnten. …
Inzwischen sind wir Enkel von damals erwachsen. … Eine Tasse Tee genieße ich auch heute noch gerne. Oft denke ich dabei an meine Großeltern. Sie gehören für mich zu den Vätern und Müttern meines Glaubens.

Angelika Wiesel, Internet-Pastorin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
In: „e wie evangelisch“: http://www.e-grosseltern.de/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7461

Dein Reich komme! Wer diese Bitte ausspricht, dem geht es nicht um „mein Reich“, auch nicht um „unser Reich“, sondern um Gottes Reich.
Dein Reich komme! Wer so bittet, schaut auf, hat offene, gespannte und erwartungsvolle Augen für das, was wird und kommt, unabhängig davon, was uns den Horizont verdüstert. Gewiss, er sieht nicht darüber hinweg, aber er lässt sich nicht fatalistisch deprimieren, sondern motivieren, auf das Erhoffte zuzugehen. Für ihn gibt es höhere Güter als die Erhöhung des Bruttosozialproduktes, z.B. […] die Frage nach einer gerechten Verteilung, sowohl von Geld als auch von Arbeit.
Dein Reich komme – ein mutmachender Unterwegssatz, der mir sagt: Es gibt noch Hoffnung! Es gibt noch Offenheit.

Friedrich Schorlemmer, Wittenberger Pfarrer und Publizist
In: Die Bibel für Eilige, (LiCo Verlag) Bergisch-Gladbach 2003

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7460
„Brot am Haken“, so heißt die Aktion, die eine Hamburger Bäckerei bemerkenswert macht.
Wenn ein Kunde Geld übrig hat, zahlt er einen Kaffee, ein Stück Kuchen oder ein Brot mehr, als er haben will. Der Bäcker hängt dafür einen Gutschein an einen Haken über der Ladentheke. Den nimmt sich jemand der wenig Geld hat. Dann bekommt er Backwaren und Heißgetränke kostenlos. […]
Viele verlassen die Bäckerei mit einem Lächeln. Die einen geben gern. Einen Kaffee zu spenden, tut dem Geldbeutel nicht weh.
Und die Beschenkten freuen sich – auch darüber, dass sie anderen nicht egal sind.

Iris Macke, Theologin in Hamburg
In: Der andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 28. November 2009 bis 6. Januar 20010, Hamburg 2009, Text vom 08.12.09.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7459

Wenn der Lärm in mir überhand zu nehmen droht, dann tanke ich Stille auf. Ganz früh am Sonntagmorgen, wenn die Stadt noch ausschläft und vermeintlich mir allein gehört. Ich schnüre meine Laufschuhe und es geht los. Ich kann meine Schritte und meinen Atem hören.
Wenn ich nach einer Weile meinen Rhythmus gefunden habe, kommt manchmal das Geplapper des Gedankenkarussells für ein paar Momente zum Stillstand. Der Körper übernimmt, der Kopf wird leer, die Seele ruhig. Ich kann endlich loslassen. …
Vielleicht, denke ich manchmal, ist dies meine Art zu beten.

Misha Leuschen, freie Journalistin in Hamburg
In: sonntags. Erfindung der Freiheit. Andere Zeiten e.V. Hamburg 2009

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7458