Manuskripte

SWR3 Worte


„Vision“ heißt der neue Kinofilm über die Nonne Hildegard von Bingen.
Margarethe von Trotta hat diesen Film gemacht
und sagt über den Sinn des Lebens und den Tod:

„Ich versuche, mich auf den Tod vorzubereiten.
Wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann, stelle ich mir oft vor:
So, jetzt kommt der Tod.
Er tritt wie auf mittelalterlichen Bildern mit der Sense ins Zimmer und sagt:
Jetzt bist du dran.
Wie würde ich reagieren?
Ich hoffe, dass ich damit einverstanden wäre.
Auf jeden Fall möchte ich dem Tod bewusst begegnen. Viele sagen ja:
Am liebsten ein Herzinfarkt oder ein Unfall und gar nichts spüren.
Aber dieser Übergang ist das Letzte, was man im Leben erleben kann –
und das will ich mir nicht entgehen lassen.“

Margarethe von Trotta im Gespräch mit Dirk von Nayhauß;
in: Chrismon 9/2009, Düsseldorf, S. 50.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7231
„Vision“ heißt der neue Kinofilm über die Nonne Hildegard von Bingen.
Margarethe von Trotta hat diesen Film gemacht
und sagt über den Sinn des Lebens und das Thema Abtreibung:

„Das Leben hat einen Sinn – momentweise wie ein Morgen am Meer.
Ich bin froh, solche Momente erleben zu können.
Und das kann ich nur, weil meine Mutter nicht die Möglichkeit hatte,
mich abzutreiben.
Ich selber habe abgetrieben, und heute frage ich mich, ob das richtig war.
Damals habe ich gedacht: Es ist richtig.
Wir glaubten, es finanziell nicht schaffen zu können.
Aber wir haben uns was vorgemacht:
Bei armen Menschen kommen auch Kinder zur Welt.
Heute sage ich mir: Es war falsch.
Wenn ich daran denke, dass man mich das alles nicht hätte erleben lassen, was ich erlebt habe – das wäre ein Verlust.“

Margarethe von Trotta im Gespräch mit Dirk von Nayhauß;
in: Chrismon 9/2009, Düsseldorf, S. 50.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7230

Sasha Waltz ist Choreographin und leitet ein Tanztheater.
Sie sagt:

„Der Körper hat eine direkte Koppelung zur Seele.
In Deutschland werden die Menschen
meistens wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben – ist das Zufall?
Der Rücken trägt uns. Die Wirbelsäule ist die Kraft,
die vom Boden in den Himmel wächst: die Lebensachse.
Alle Pflanzen haben diese Kraft, die nach oben strebt.
Wenn zu viel Kraft entgegenwirkt, kann der Mensch das nicht tragen.
Es gibt ein schönes Bild dafür: der Körper als Tempel des Heiligen Geistes.“

„Der Körper macht komische Sachen“ –
Sasha Waltz im Gespräch mit Mareike Fallet und Nils Husmann;
in: Chrismon 10/2009, Düsseldorf, S. 64

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7229

Der amerikanische Schriftsteller Colum McCann
hat seinen Freund beim Sterben begleitet:

„Ich war bei ihm in der letzten Woche, bevor er starb.
Er hatte eine kleine Tafel,
weil er nichts mehr hören und nicht mehr sprechen konnte.
Und über einem Auge hatte er einen Verband.
Ich schrieb ihm auf die Tafel: Wann gehen wir wieder einmal tanzen?
Und er antwortete und schrieb: Wie immer samstags.
Aber nächsten Samstag werde ich schon oben mit Jesus Christus tanzen.
Und am nächsten Morgen wird alles verziehen sein.“

„Wir brennen alle von innen“ –
Colum McCann im Gespräch mit Katharina von der Leyen;
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 41/2009 vom 11.10.09, S. 29.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7228

Nathalie Todenhöfer ist 24 Jahre alt. Sie leidet an Multipler Sklerose,
einer Nervenkrankheit, die zu Muskelschwund führt.
Nathalie sagt:

„Multiple Sklerose ist das Schlimmste, was mir passieren konnte.
Ich wünschte, ich hätte es nicht.
Wenn ich einen Schub kriege, spüre ich meine linke Körperhälfte gar nicht.
Ich habe Schmerzen, kann mich nicht mehr bewegen,
dann verschwinden Muskeln, doch nur auf der linken Seite.
Aber meine Schwester hat im Kongo gelebt;
die hat so schlimme Sachen gesehen,
da brauche ich mich nicht zu fragen, ob der liebe Gott mich übersehen hat.
Wir haben alle unseren Packen zu tragen.
Ich habe diese Krankheit; ich habe sie akzeptiert.“

Nathalie Todenhöfer im Gespräch mit Mareike Fallet und Nils Husmann;
in: Chrismon 10/2009, Düsseldorf, S. 64f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7227

„Vision“ heißt der neue Kinofilm über die Nonne Hildegard von Bingen.
Margarethe von Trotta hat diesen Film gemacht
und sagt über ihren eigenen Glauben:

„Die Morgenstimmung ist ja immer mit Hoffnung verbunden,
dieses sanfte Morgenlicht, wo der Tag noch ein Versprechen ist,
da fühle ich mich glücklich.
Wenn Menschen krank sind, die ich liebe,
stelle ich in einer Kirche Kerzen auf und bete über das Kerzenlicht zu Gott.
Man sehnt sich nach jemandem, der einen beschützt.
Ich glaube tatsächlich, dass es Schutzengel gibt.
Ich habe zu oft gemerkt, dass ich an etwas gehindert worden bin,
das mich absolut ins Unglück gestürzt hätte.“

Margarethe von Trotta im Gespräch mit Dirk von Nayhauß;
in: Chrismon 9/2009, Düsseldorf, S. 50.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7226

Sasha Waltz ist Choreographin und leitet ein Tanztheater.
Sie sagt über den Sinn des Lebens:

„Der Mensch entwickelt sich durch Schmerz und Bewusstheit.
Leben beginnt im Schmerz. Die Geburt meiner Kinder, diese Koppelung
von Schmerz und Lebensbeginn war eine Bewusstseinserweiterung.
Schmerzen sind Momente, in denen wir anfangen können,
noch stärker darauf zu hören, wie es tief in uns aussieht.
Der Körper hat eine direkte Koppelung zur Seele.
In unserer Gesellschaft ist immer die Rede von
Wellness, Schönheit und Jugend,
aber an dieser Stelle müsste Bewusstheit stehen.“

„Der Körper macht komische Sachen“ –
Sasha Waltz im Gespräch mit Mareike Fallet und Nils Husmann;
in: Chrismon 10/2009, Düsseldorf, S. 64

https://www.kirche-im-swr.de/?m=7225