Manuskripte

SWR3 Worte

Zuhören fällt sehr schwer, denn es gehört viel innere Festigkeit dazu, sich nicht stets durch kluge Reden, Argumente, Bemerkungen oder Erklärungen beweisen zu müssen. Gute Zuhörer fühlen sich nicht mehr gedrängt zu erkennen zu geben, dass sie auch da sind. Sie sind frei und bereit zu empfangen, zu begrüßen und aufzunehmen. Zuhören ist viel mehr als einem anderen zu reden zu gestatten, währenddessen man selbst auf eine Gelegenheit der Erwiderung wartet. Zuhören bedeutet, anderen unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken und sie in unserem Inneren zu begrüßen. Das Schöne des Zuhörens zeigt sich darin, dass diejenigen, denen zugehört wird, mehr und mehr das Gefühl erhalten, akzeptiert zu sein, die eigenen Worte ernster zu nehmen und dabei ihr wahres Ich zu entdecken. Zuhören ist eine Art geistliche Gastfreundschaft, durch die wir Fremde einladen Freunde zu werden, ihr inneres Ich besser kennen zu lernen und es sogar zu wagen, mit uns zu schweigen.

Zuhören (als geistliche Gastfreundschaft) - von Henri Nouwen
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Heute ist Welternährungstag. Dazu ein paar Fakten:

Weltweit hungern über 850 Millionen Menschen. (Stündlich sterben 1000 Menschen an Hunger und seinen Folgen.) Hunger fällt nicht immer gleich auf. Unterernährte sind oft dünn, aber nicht abgemagert – der Körper gleicht die unzureichende Ernährung dadurch aus, dass Aktivitäten eingeschränkt werden oder das Wachstum verlangsamt wird. Die Betroffenen sind dann anfällig für Krankheiten, dauernd müde und unkonzentriert. Kinder werden teilnahmslos, Mütter gebären untergewichtige Kinder. Chronisch Hungernden fehlt deshalb oft die Kraft, sich selbst aus Armut und Unterernährung zu befreien.

Aus: Tatort Eine Welt - von Karl-Albrecht Immel und Klaus Tränkle
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Wenn wir miteinander sprechen, so meist darüber was sich getan hat, wir gerade tun oder zu tun gedenken. Oft sagen wir „Na, was gibt’s Neues?“ , und erwarten, dass wir einander Näheres aus unserem Alltag berichten. Doch möchten wir manchmal auch gern etwas anderes hören: dass uns jemand sagt: „Ich habe heute schon an Dich gedacht“ oder „Ich habe Dich vermisst“, „Es wäre schön, Du wärst immer hier“ oder gar „Ich hab Dich wirklich gern.“ Wenn es auch nicht immer leicht fallen mag dies auszusprechen, so können solche Worte doch unsere Beziehungen zueinander vertiefen. Jemandem „Ich hab Dich gern“ zu sagen, mit welchen Worten auch immer, wird stets eine gute Nachricht sein. Niemand wird es in den Sinn kommen darauf zu antworten: „Schön, ich wusste das schon, Du brauchtest es mir nicht noch einmal zu sagen!“ Worte der Bestätigung, der Zuneigung und Liebe sind wie Brot. Wir brauchen sie Tag für Tag. Sie halten uns innerlich am Leben.

Worte, die uns ernähren – von Henri Nouwen
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Wünschen wir uns nicht manchmal woanders zu sein als da wo wir sind, oder ein anderer zu sein als der wir sind? Wir neigen dazu uns selbst immer wieder mit anderen zu vergleichen, und fragen uns warum wir nicht so reich, so intelligent, so bescheiden, so großzügig oder auch so fromm und gläubig wie der eine oder die andere sind. Solche Vergleiche wecken ein Gefühl von Schuld, Scham oder Neid. Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass das wozu wir berufen sind, dort verborgen ist, wo wir sind und in dem wer wir sind. Wir sind einzigartige, nicht austauschbare menschliche Wesen. Jeder einzelne hat eine Berufung etwas im Leben zu verwirklichen, was kein anderer sonst vermag, und es in der konkreten Situation des Hier und Heute zu vollbringen. Durch Vergleichen ob wir besser oder schlechter als andere sind, werden wir nie zu unserer Berufung finden. Wir sind gut genug das zu tun, was uns aufgetragen ist. Sei der, der Du bist!

Sei der, der Du bist - von Henri Nouwen
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Vertrauen ist die Grundlage des Lebens. Ohne Vertrauen kann kein Mensch existieren. Trapezartisten bieten dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Man könnte eine Trapezgruppe auch als eine wirkliche „Körperschaft“ absoluten gegenseitigen Vertrauens bezeichnen. Sie besteht aus Fliegern und Fängern. Die Flieger müssen sich auf die Fänger bedingungslos verlassen. Sie können die waghalsigsten zweifachen, dreifachen oder gar vierfachen Saltos frei in der Luft schlagen, doch wer den Atem der Zuschauer bei einem Hochtrapezakt zum Stocken bringt, das sind die Fänger, die die Flieger im richtigen Moment und zentimetergenau fassen und auffangen müssen. Vieles in unserem Leben gleicht einem Fliegen im freien Raum. Es ist wunderbar, frei wie ein Vogel in der Luft zu schweben. Wenn aber Einer nicht da ist, um uns im richtigen Augenblick aufzufangen, wird aus unserem Fliegen ein tiefes Fallen. Vertrauen wir dem großen Fänger.

Dem Fänger vertrauen von Henri Nouwen
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Sich in Geduld üben ist schwer. Geduld bedeutet nicht bloß warten bis etwas eintritt, worauf wir keinen Einfluss haben: die pünktliche Ankunft eines Zuges, das Ende einer Regenperiode, die Rückkehr eines Freundes, die Lösung eines Konflikts. Geduld ist kein passives Abwarten, bis irgend jemand irgend etwas tut. Geduld verlangt von uns, den jetzigen Augenblick voll und ganz zu leben, sich auf diesen Augenblick uneingeschränkt einzulassen, das Hier und Jetzt auszuschöpfen, dort zu sein wo wir eben sind. Wenn wir ungeduldig sind, versuchen wir von dort wo wir gerade sind, zu fliehen. Wir verhalten uns so, als würde das was wichtig ist, erst morgen, nächste Woche oder irgendwann einmal geschehen. Üben wir uns in Geduld, und vertrauen wir darauf, dass der Schatz, nach dem wir suchen in dem Boden vergraben ist, auf dem wir stehen.

Den Augenblick ausschöpfen von Henri Nouwen
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Beten ist die Brücke zwischen unserem bewussten und unbewussten Leben. Oft liegt ein tiefer Graben zwischen unseren Gedanken, Worten und Taten und den vielen Bildern, die in unseren Tag- und Nachtträumen aufleben. Beten bedeutet diesen Graben zu überbrücken, diese zwei Seiten unseres Lebens miteinander zu verbinden. Indem wir uns an den Ort begeben, an dem Gott wohnt. Beten ist „Seelenarbeit“, denn unsere Seele ist jener heilige Mittelpunkt, an dem alles eins und Gott uns ganz nahe ist.

Innere Brücken bauen von Henri Nouwen
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