Manuskripte

SWR3 Worte

„Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Mk 2,27). – Der Spruch Jesu ist zu einem geflügelten Wort geworden, das längst in einem erweiterten Sinne gebraucht wird. Der Satz kann auch als Prüfstein für Religiosität dienen: Sie muss den Menschen helfen und in ihrer Humanität voranbringen – andernfalls braucht man sie nicht, denn es gibt genug anderes, das die Menschen verunsichert.

Thomas Hieke, Der Kult ist für den Menschen da, in: Bibel und Kirche 64 (2009)
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Ob sich in einem Leben etwas ändert, hängt entscheidend davon ab, ob der erste Schritt an der richtigen Stelle gewagt wird. Das ist bei jedem ein anderer Ort. Niemand kann ihn uns sagen; aber niemand kennt ihn auch besser als wir selbst. Es ist die Stelle, wo schon lange ein verborgener Schmerz sitzt; schon lange, weil wir ihn immer wieder ignoriert haben, obwohl er, wie jeder Schmerz, ein Signal des Lebens ist.

Rolf Zerfaß, Menschliche Seelsorge. Für eine Spiritualität von Priestern und Laien im Gemeindedienst, Herder: Freiburg 1985
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Ich habe schon viel über das Gebet gelesen und geschrieben, aber wenn ich an einen ruhigen Ort gehe, um zu beten, wird mir immer wieder klar, dass trotz meines Bestrebens, Gott vieles zu sagen, die eigentliche „Gebets-Arbeit“ darin besteht, still zu werden und auf die Stimme zu hören, die Gutes über mich sagt. [Das klingt vielleicht nach Selbstbeschwichtigung, ist aber in Wirklichkeit ein mühsame Übung...]
Es bedarf wirklicher Anstrengung, die vielen Stimmen freundlich zurückzudrängen und zum Verstummen zu bringen, die mein Gutsein in Frage stellen, und darauf zu vertrauen, dass ich eine Stimme hören werde, die mich segnet.

Henri Nouwen, in: Begleitet von guten Mächten. Segensworte für ein ganzes Leben
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So fragil die Lehre von einem Gott auch sein mag, wenn Gott nicht ist, dann bleibt nur die absolute Leere. Dann fehlt dem Reden von der Würde des Menschen nicht nur die entscheidende Begründung, dann haben auch die Gewalttäter, die Frevler, die Spötter das letzte Wort, dann hat das Unrecht gesiegt. Wenn kein Gott ist, ist das Leben absurd.

Heinrich Missalla, Nichts muss so bleiben wie es ist. Mein katholisches Leben im 20. Jahrhundert, Publik-Forum: Oberursel 2009
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Jeden Tag zu leben als neu geschenkte Gegenwart, ohne Angst vor dem Morgen und Übermorgen, das Nächstliegende ernst zu nehmen und sich ihm zuzuwenden – das allein ist wichtig. Ich glaube nicht mehr wie in jungen Jahren, durch mein Engagement die Welt ... verändern zu können, doch auch jetzt noch kann ich etwas dazu beitragen, dass in meiner unmittelbaren Umgebung menschlich gelebt wird und die Hoffnung nicht stirbt.

Heinrich Missalla, Nichts muss so bleiben wie es ist. Mein katholisches Leben im 20. Jahrhundert, Publik-Forum: Oberursel 2009
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Für allgemeine Politikerschelte und Politikverdrossenheit besteht kein Grund. ... Wer von seinem Wahlrecht nicht Gebrauch macht, verzichtet auf die aktive Beeinflussung der Politik. Er übernimmt Mitverantwortung für den Fall, dass politische Kräfte auf die Gestaltung der Geschicke unseres Gemeinwesens einwirken, denen diese – aus welchen Gründen auch immer – nicht anvertraut werden können. Wahlenthaltung ist keine vernünftige und konstruktive Antwort auf tatsächliche oder vermeintliche Missstände.

Aus dem Aufruf der Deutschen Bischöfe zur Bundestagswahl am 27.09.2009
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