Manuskripte

SWR3 Worte

Ein (renommierter) Gerechtigkeitsgrundsatz lautet, dass die Interessen der am wenigsten Begünstigten vorrangig zu berücksichtigen sind. Aber Gerechtigkeit ist kein göttlicher Plan. Jede Gesellschaft muss sich darüber verständigen, wie sie gemäß ihren normativen Überzeugungen auf eine bestimmte Situation reagiert. Die Politiker sind dabei zu reagieren. Endlich.

Friedhelm Hengsbach, in: Süddeutsche.de vom 13.07.09

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Für mich ist Gerechtigkeit zuerst eine Gleichheitsvermutung. Nicht die Gleichheit der Einkommen und Vermögen, sondern die wechselseitige Anerkennung der anderen Person als Gleiche. Demgegenüber sind die Differenzen der Einkommen zweitrangig. Sie sollten jedoch in persönlichen Eigenschaften gründen, und nicht im Einkommen und Bildungsstand der Eltern oder in den informellen Beziehungsnetzen geschlossener Eliten.

Friedhelm Hengsbach, in: Süddeutsche.de vom 13.07.09
https://www.kirche-im-swr.de/?m=6427
Herr, meine Uhr hat mich erschreckt.
Mein Blick fiel auf den Sekundenzeiger.
Mit leisem Ticken rechnet er die Sekunden meines Lebens ab.
Herr, sie machen mir Angst,
die unzähligen Augenblicke meines Lebens,
die ich vertan und verdorben habe.
Denn keiner kehrt zurück,
dass ich ihn besser leben könnte.
Ein Wort im rechten Augenblick,
ein schweigendes Zuhören zur rechten Zeit,
ein Händedruck, ein Geschenk, ein Gebet, -
sie können das ganze Leben ändern.
Das Richtige im rechten Augenblick zu erkennen
und aus Liebe zu tun,
das, Herr, erbitte ich von dir.

Paul Roth, zit. nach: Krass, konkret, katholisch: Beten – das Gebetbuch, Verlag Haus Altenberg 2004, S. 117
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Von Gott denke, wie der Glaube es lehrt,
vom Nächsten, wie die Liebe es verlangt,
und von dir demütig, wie die Bescheidenheit es fordert.
Von Gott sprich mit Verehrung,
vom Nächsten so, wie du wünschst, dass man von dir spreche.
Von dir selber sprich bescheiden oder schweige.

Johannes Don Bosco, zit. nach: Krass, konkret, katholisch: Beten – das Gebetbuch, Verlag Haus Altenberg 2004, S. 53

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Jesus lebte nicht in einer Traumwelt. Die Kenntnis der Innenseite, des Menschenherzens, der Bereiche des Bewussten und Unbewussten war bei ihm verbunden mit einer illusionslosen Sicht der Außenseite. Er wusste, was Menschen einander antun können, wie mitleidlos sie immer dann miteinander umgehen, wenn es um Geld geht, wie hart Neid, Konkurrenz- und Karrieredenken Menschen machen können. In diesem konkreten Alltag wollte er Mut machen und die Überzeugung vermitteln: Nicht unabänderliche Mechanismen bestimmen das Dasein; Veränderung ist möglich.

Herbert Vorgrimler, Jesus – Gottes und des Menschen Sohn, Herder: Freiburg 1984, S. 13
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Wer mit dem steten Bewusstsein des eigenen Ungenügens arbeitet (und das tun die meisten), der möchte schneller sein. Da die meisten Wirtschaftsprozesse aber längst hochgradig optimiert sind, kann man kaum noch schneller werden, sondern höchstens "Zeit verdichten", also alles auf einmal machen. Und zwar permanent.
Kein Wunder, dass immer mehr Menschen Klosteraufenthalte, Schweige-Retreats oder Meditationswochen in Entschleunigungsoasen buchen; dass an Flughäfen und Bahnhöfen, in Einkaufszentren und Freizeitparks, in Fußballstadien und auf Messegeländen "Räume der Stille" gebaut werden: ... Die Stille wird für immer mehr Menschen zu einem tiefen Bedürfnis.

Alex Rühle, Jenseits der Stille, in: Süddeutsche Zeitung vom 20.06.09
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Wo wir den anderen Menschen mit Namen begrüßen, bekommt diese gute Welt mehr Tiefe und eine größere Dauer. Dann nämlich verbinden wir die gegenwärtige Begegnung mit dem, was wir früher schon miteinander erlebt und erfahren haben. Wir rufen unsere gemeinsame Geschichte in Erinnerung und machen sie so zur Gegenwart. Wenn wir also der „guten Welt“ Dauer verleihen wollen, dann lohnt es sich, uns die Namen der Mitmenschen zu merken und sie mit Namen anzusprechen.

Josef Epping, Grüßt einander, in: Christ in der Gegenwart Nr. 25/2009 vom 21.06.09, S. 281
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