Manuskripte

SWR3 Worte

Aufatmen – am Ende einer Nacht, die schwer wie Blei
Am Ende einer Woche die mich nicht wollte,
sondern nur mein Schaffen und Funktionieren,
morgens in Ruhe das Prusten der Kaffeemaschine,
den Duft frischer Brötchen, glänzend gelbe Butter
und einfach aufatmen.

"Aufatmen" von Bernhard Mönkebüscher
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5964
Könntest du
Kameramann
das nächste mal
wenn du den Hunger filmst
und auf die Fliegen zoomst - an den Augen des äthiopischen Kindes
könntest du dann
deine Kamera sinken lassen
und statt dessen
die Fliegen vertreiben?

Danke.

"Bitte an den Kameramann" von Franz Hohler
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5963
Er ließ mich gehen. Einfach so. Und ich, nichts wie weg. Das Geld in der Tasche. Das donnernde Leben vor mir. Ich tanzte auf allen Hochzeiten, nahm alles mit, Feste, Feiern, Frauen. Trieb mich herum wo was los war.
Bis nichts mehr los war und keiner mehr da war und ich ganz leer war.
Ich kam auf den Hund. Tiefer ging’s nicht.
Ich ging zurück. Zu ihm. Stellte mir vor was er sagen würde: „Du hast Dein Leben verspielt, Du musst es Dir wieder verdienen. Bewähre Dich!“
Er stand an der Tür, als hätte er auf mich gewartet und lief mir entgegen, und fiel mir um den Hals und weinte vor Freude. Und „- nein sag nichts. Lass uns ein Fest feiern. Du bist da – das allein zählt!“

"Verloren und wiedergefunden" von Hildegard Nies
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5962
Die Flut hat tausend Seesterne an den Strand geworfen. Ein Mädchen hebt die Seesterne auf und wirft sie zurück ins Wasser.
„Warum tust Du das?“, fragt ein Mann, „es sind so viele, die meisten werden umkommen. Es hat keinen Zweck, nur einige zu retten.“
Das Mädchen sagt, einen Seestern in der Hand haltend: „Das stimmt wohl, für die meisten hat es keinen Zweck, aber für diesen Seestern sehr wohl“ und wirft ihn zurück ins Meer.

Quelle: Für jeden neuen Tag – Gedanken, Geschichten, Gebete. Heft 38. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5961
Kürzlich, als ich auf dem Bahnhof von Bonn auf meinen Zug wartete, stürzte sich ein Kellner aus dem Bahnhofsrestaurant, schaute sich hastig nach allen Seiten um und rannte dann zwischen den Reisenden, Koffern und Gepäckkulis durch, bis er eine Frau mit einem Rucksack eingeholt hatte, die ein Kind an der Hand führte. Der Kellner drückte dem Kind den Stoffseehund, den er bei sich trug in den Arm und ging nachher wieder ins Restaurant hinein, langsamer als er herausgekommen war.
Als ich am selben Abend im Radio die Meldungen über Finanzkrisen, Selbstmordattentate und Armee-Einsätzen gegen Demonstrationen hörte, merkte ich plötzlich wie sehr ich die Nachricht vom Kellner vermisste, der dem Kind seinen vergessenen Stoffseehund zurück gebracht hatte.

"Gute Nachrichten" von Franz Hohler
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5960
Schon eine halbe Stunde verfolgt ein Polizist den Dieb. Endlich kann der Dieb nicht mehr und lässt sich auf eine Bank fallen. Schnaufend stoppt der Polizist und setzt sich ebenfalls. Nach einer Weile schaut der Dieb zum Polizisten hinüber: „Na packen wir’s wieder?“

Quelle: Für jeden neuen Tag – Gedanken, Geschichten, Gebete. Heft 38https://www.kirche-im-swr.de/?m=5959
Die Theologin Dorothee Sölle über den Sonntag als Ruhetag:

Du sollst Dich selbst unterbrechen. Zwischen arbeiten und konsumieren soll Stille sein und Freude,
zwischen Aufräumen und Vorbereiten sollst Du es in Dir singen hören, Gottes altes Lied von den sechs Tagen und dem einen, der anders ist.
Zwischen Wegschaffen und Vorplanen sollst Du Dich erinnern an diesen ersten Morgen, deinen und aller Anfang, als die Sonne aufging ohne Zweck und Du nicht berechnet wurdest in der Zeit,
die niemandem gehört, außer dem Ewigen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5958