Manuskripte

SWR3 Worte

„Wenn Gott alles segnen müsste, worum man ihn bittet, würde er sich, juristisch gesehen, der Beihilfe schuldig machen.“ Und ein geflügeltes Wort besagt: „Wenn Menschen Gott um etwas bitten, dann meistens, zwei und zwei möge nicht vier sein.“ Aber wir können auch davon ausgehen, dass Gott das Unmögliche eher verstehen und akzeptieren kann als wir Menschen.

Josef Griesbeck, Ankommen, Herder: Freiburg 1999, 40
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Der Monolog hat ausgedient und stellt in den allermeisten Bereichen keine taugliche Möglichkeit mehr dar, Gegebenheiten und Erfahrungen an andere weiter zu geben! ... Besonders die Christen mit ihren vielen Fragen nach dem Zeugnis Jesu und der Suche nach christlicher Lebensgestaltung sehnen sich nach für sie brauchbaren Antworten. Der Monolog lässt aber keine Fragen zu und von daher können im Prinzip auch keine Antworten gegeben werden.

Josef Griesbeck, Ankommen, Herder: Freiburg 1999, 26

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5465
Wenn ich mir die Mühe machen würde, an einem Tag alles aufzuschreiben, was an Lob ausgesprochen und wie viel Kritik ausgeteilt wird, würde ich sehr zum Nachdenken kommen. Dabei kann angenommen werden, dass zusätzlich „hinter dem Rücken“ vieles gesagt wird und das ist gewiß zum großen Teil das Gegenteil von Lob. Vieles, was die Menschen arbeiten, reden und unternehmen, dient nur dem Ziel, Lob und Anerkennung zu bekommen. Gerade weil das Loben einen wichtigen Lebenswert darstellt, sollen wir dies nicht so stiefmütterlich behandeln.

Josef Griesbeck, Ankommen, Herder: Freiburg 1999, 19
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5464
Gerechtigkeit darf kein Privileg für eine Minderheit der Weltbevölkerung sein. Techniken und Güter sind zu entwickeln, die den Wohlstand der Menschen heben und die Natur schonen. Man könnte Gerechtigkeit so definieren: dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen wir leben, vor denen gerechtfertigt werden können, die am schlechtesten gestellt sind.

Friedhelm Hengsbach, in: Publik Forum, Heft 2 (2009) vom 30.1.2009, 13
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5463
Sicher gehört zur Katholischen Soziallehre eine äußerst kritische Einstellung gegenüber dem Kapitalismus, wenn man sich auf die römische Sozialverkündigung der vergangenen Jahre beruft. Die Option der Kirche für die Schwächeren und Benachteiligten erwächst aus der Einsicht, dass Gerechtigkeit in erster Linie etwas mit moralischer Gleichheit zu tun hat und dass die real existierende Ungleichheit mit der Vorstellung einer demokratisch-egalitären Gesellschaft nicht übereinstimmt.

Friedhelm Hengsbach, in: Publik Forum, Heft 2 (2009) vom 30.1.2009, 13

https://www.kirche-im-swr.de/?m=5462
Die deutschen Armen sind relativ arm - und sie sind relativ arm dran: Sie haben die Anerkennung ihrer Bedürftigkeit verloren. Das ist das besonders Bittere an Hartz IV. Und deshalb tut sich die Politik so schwer damit, den Grundbedarf der Langzeitarbeitslosen an die seit zehn Jahre steigenden Preise anzupassen; die Kampagne gegen den Sozialstaat, der das soziale Netz als soziale Hängematte diskreditiert hat, wirkt nach. Der Staat, der sehr schnell ungeheuere Milliardenpakete für die Wirtschaft packen kann, tut sich schwer damit, den Armen seiner Gesellschaft das Existenzminimum zu sichern.

Heribert Prantl, in: Süddeutsche.de vom 28.01.2009
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5461
Ich will überhaupt kein Märtyrertum oder irgendein entsagungsvolles Heldenleben predigen: Aber mich erfüllt es mit echtem Glücksgefühl, wenn ich Menschen treffe, die etwas wirklich um der Sache willen tun – oder für andere. Das Leben wird viel interessanter, wenn man sich mit anderen befasst! Wer nicht nur die eigenen Interessen bedient, fühlt sich unweigerlich besser. Er bewirkt etwas, ist nicht nur ein Rädchen im Getriebe, das von anderen bedient wird. Ich vermute, genau dieses Rädchengefühl ist es, das heute viele Leute unglücklich und unzufrieden macht.

Gesine Schwan, Ich habe einen Traum, in: DIE ZEIT Nr. 34 vom 17.08.2006

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