Manuskripte

SWR3 Worte

Es war ein guter Tag, als in der Nacht das Kind nach Hause kam! […]
Als ich ihn wortlos an der Haustür in die Arme nahm und alle Sorgen und Qualen von mir abfielen!
Das bange-auf-die-Uhr-Sehen: Wo er sich jetzt noch rumtreibt?
Na, das wird ihm noch leidtun. […] Na, der kann was erleben! […]
Wo er nur so lange bleibt?
Auf seinen Schritt im Flur, ein Geräusch auf der Straße lauern.
Lass ihn nur heimkommen, egal, ich kann alles verzeihn: den Ärger, das Minutenzählen, das kummervolle Wachen.
Lass ihn nur heimkommen, lass ihm nichts zugestoßen sein! […]
Ich werde ihm keinen Vorwurf machen.

Reinhard Mey
Das war ein guter Tag
In: Reinhard Mey: Einhandsegler (CD), Maikäfer Musikverlag Berlin, 2000

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In einem Tübinger Gottesdienst erzählten kurdische und afghanische Mädchen von ihrem Leben in Deutschland

„Meine Eltern verstehen meine Probleme nicht, sie hatten eine andere Kindheit in einer anderen Kultur. Meine Eltern verstehen meine Bedürfnisse nicht. [...] Sie wissen wenig über mich.

Ich habe festgestellt, dass deutsche Mädchen alles mit ihren Müttern besprechen können. Man erzählt sich gegenseitig die Probleme; wir können mit unseren Eltern nicht über schwierige Angelegenheiten reden. [...]

Die Sprachschwierigkeiten unserer Eltern sind ein großes Problem: Wenn sie z.B. an einem Klassenfest teilnehmen, bekommen sie keinen Kontakt, weil sie sich nicht unterhalten können [...] und immer müssen wir für sie dolmetschen.
Manchmal denke ich, dass ich mehr für meine Eltern mache, als sie für mich. Eigentlich sind wir die Eltern und sie sind die Kinder.
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Gott schuf Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wandern, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sehen. Wie die alte Sonne doch täglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit Gottes alle Morgen neu (Klagelieder 3,23).
Die alte Treue Gottes allmorgendlich neu zu fassen, […] mit Gott täglich ein neues Leben […] beginnen zu dürfen, das ist das Geschenk, das Gott mit jedem neuen Morgen macht.

Dietrich Bonhoeffer
„Er weckt mich alle Morgen“
In: So will ich diese Tage mit euch leben. Dietrich Bonhoeffer Jahreslesebuch, hrsg. von Manfred Weber, Gütersloh 2005

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Heute ist Buß- und Bettag. Neben der Bitte um Vergebung geht es dabei auch um die Sehnsucht nach einem neuen Anfang.

Der Theologe Friedrich Schorlemmer sagt:
„Das Revolutionärste des Neuen Testaments ist das Gebot der Feindesliebe. […]
„Liebet Eure Feinde“, heißt es provokativ. Was meint das? Es geht um Überschreitung, um eine wunderbare Selbstüberschreitung. Ich werde leben können, wenn es mir gelingt, […] in ein anderes Verhältnis mit dem Feind zu treten. Deswegen werde ich den Feind nicht in einem emotionalen Sinn lieben können. Aber ich kann ihn achten, kann ihm seinen Feindcharakter nehmen und aufhören, ein menschliches Gegenüber auf das Feindsein zu reduzieren. […]
Feindesliebe, also Achtung des Lebensrechts des Gegners, ist die heilsame Unterbrechung unserer tödlichen Kreisläufe.“

Friedrich Schorlemmer
Selig sind die Verlierer.
Friedrich Schorlemmer im Gespräch mit Meinhard Schmidt-Degenhard, Zürich 1996

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Die Bibel sagt dazu:

„Gott wird bei den Menschen wohnen und sie werden Gottes Völker sein […]. Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen.
Trauer, Wehgeschrei und Schinderei wird nicht mehr sein.
Und auch der Tod wird nicht mehr sein.“

Die Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament

Johannesoffenbarung 21, 3b-4b,
nach: Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006

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Ich stelle mir den Tod so vor, dass sich der Mensch im Grab erstmal ein bisschen ausruht. Vielleicht war der Mensch ja vor seinem Tod ganz krank, dass er sich davon erstmal erholen muss.
Und dann hält Gott seine Hand aus dem Himmel zum Grab. Und die Frau oder der Mann stellt sich halt auf die Hand. Und dann hebt Gott den toten Menschen zu sich in sein Reich, in seinen Himmel.

Tod und Leben.
Begleit-CD zum Titel: „Mit Kindern in der Grundschule Hoffnung gestalten“
Produktion des Südwestfunks Stuttgart, Auer Verlag Donauwörth 2002
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Trauer heißt, etwas zu organisieren gegen die Kälte und gegen das Vergessen. […]

Deshalb bitte ich Dich, Gott:
Gib mir die Gabe der Tränen,
gib mir die Gabe der Sprache.

Reinige mich vom Schweigen
und gib mir die Wörter, den neben mir zu erreichen.

Wie kann ich reden, wenn ich vergessen habe, wie man weint? […]

Gib mir die Gabe der Tränen, Gott.
Gib mir die Gabe der Sprache.
Gib mir das Wasser des Lebens.

Dorothee Sölle
Trauerarbeit
In: Ich will nicht auf tausend Messern gehen. Gedichte. München 1986
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