Manuskripte

SWR3 Worte

Wolfram Weimer, Journalist und Chefredakteur der Politzeitschrift Cicero, meint:

Ich sehe, dass andere Religionen ganz stolz sind auf ihre Tradition und Kultur sind. Und das respektiere ich und finde das gut und finde, dass wir Christen das auch könnten.
Wir haben eine wunderbare Tradition, wir haben einen tollen Glauben, wir haben schöne Kirchen, wir haben wunderbare Landschaften, ich freu mich zB über Bergkreuze im Schwarzwald und in den Alpen und finde nicht, dass die abgeschafft werden sollten, sondern die sollten ruhig erneuert werden.

Und das Schöne an unserem Glauben ist, dass gesagt ist: die Liebe ist stärker als der Hass, du sollst deinen Nächsten lieben und das Gute ein Stück besser machen.

Und deswegen: manche sind stolz, reich zu sein andere sind stolz, deutsche zu sein, ich bin stolz, ein Christ zu sein.

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Und wie ist das jetzt mit Reichtum und Wohlstand? Dazu erzählt Jesus ein Gleichnis:

Ein reicher Mann besaß eine blühende Landwirtschaft. Eine Erweiterung des Betriebes wurde fällig und bei den Vorüberlegungen fiel auf, dass nicht genügend Scheunen vorhanden waren. Da beschloss er:

Ich werde die bestehenden Scheunen abreißen und größere bauen, in denen ich die Getreideernte sammeln und alle meine Güter unterbringen kann. Und dann, so dachte der Reiche bei sich, werde ich zu mir selbst sagen können:
Du hast viele Vorräte für viele Jahre. Genieße die freie Zeit, iß und trink und stürze dich in die Freuden des Lebens. Doch da sagte Gott zu ihm: Du närrischer Mensch, noch heute Nacht werde ich dein Leben von dir zurückfordern. Wem soll dann gehören, was du so groß organisiert hast?

So ergeht es dem, der für sich selbst Schätze aufhäuft, aber vor Gott mit leeren Händen dastehen wird, weil er sich um einen Schatz im Himmel nicht gekümmert hat.“
(Luk. 12, 16-21)

Das Neue Testament, Berger/ Nord, Inselverlag, 6. Aufl. 2003, S.473
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Was sollen wir tun, wenn uns Unrecht widerfahren ist, gegen das wir uns mit Mitteln des Rechtes nicht wehren können? Der Apostel Paulus meint:

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.
(5.Mose 32,35)
Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln
(Spr. 25,21.)

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
(Röm. 12,19-21)

Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1985
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Wolfram Weimer, Journalist und Chefredakteur einer renommierten Zeitschrift, hat sich intensiv mit der Rückkehr der Religion im öffentlichen Leben beschäftigt. Er sagt:

Wir dachten am Anfang, dass die Rückkehr zur Religion damit was zu tun hat, dass die Menschen ganz arm sind oder verzweifelt oder Angst haben. Das stimmt aber nur in den seltensten Fällen. Viele Menschen haben das ganz oft, dass sie sagen: Moment, das kann nicht alles sein. Es gibt noch eine andere Dimension.
Und manchmal haben das ganze Länder und ganze Völker und ganze Kontinente und das ist im Moment der Fall. Dass ganze Kulturen sich fragen: Moment mal, was soll das? Wer sind wir?
Was macht uns aus? Was ist uns heilig? Was ist uns heilig?
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Der Schauspieler Ben Becker, religionslos aufgewachsener Jude, tritt zur Zeit auf großen Bühnen auf mit der Bibel. Auf die Frage, wie er Jesus findet, sagt er:

Der ist mir schon sehr sehr nah. Vor dem verneige ich mich auch, das hört man auch, dass ich in den Typen verliebt bin. Dass das ein ganz Großer für mich ist.
Will mal sagen: für jeden von uns hing dieser Mann an dem beschissenen Kreuz.
Das geht mir schon sehr unter die Haut, was man mit dem gemacht hat und was er gemacht hat. Was für ein mutiger Revolutionär der Typ war.
Das war ja kein Blumenkind, der ging ja nicht rum und hat gesagt: habt euch lieb. Der hat auf den Tisch gehauen, Tempelreinigung ist ja nicht ohne. Da möcht ich mal sehen, wenn das jemand heutzutage macht hier bei unsrer kapitalistischen industrialisierten Gesellschaft und so aufräumt.

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In welcher Zeit leben wir?

Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung,
der großen Männer und der klein karierten Seelen.

Es ist die Zeit der Wegwerfwindeln und der Wegwerfmoral…
Es ist die Zeit der Pillen, die alles können:
sie erregen uns, sie beruhigen uns, sie töten uns.

Vergesst nicht, mehr Zeit denen zu schenken, die Ihr liebt,
weil sie nicht immer mit Euch sein werden.

Geht Hand in Hand und schätzt die Augenblicke,
wo Ihr zusammen seid,
denn eines Tages wird dieser Mensch
nicht mehr neben Euch sein.

Findet Zeit Euch zu lieben,
findet Zeit miteinander zu sprechen,
findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt
miteinander zu teilen,

- denn das Leben wird nicht gemessen
an der Anzahl der Atemzüge,
sondern an der Anzahl der Augenblicke,
die uns des Atems berauben.

George Carlin, ein US-Schauspieler und Komiker anlässlich des Todes seiner Frau
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Gustav Heinemann, der ehemalige Bundespräsident hat einmal gesagt:

Wenn uns die Welt furchtsam machen will,
lasst uns ihr antworten:

Eure Herren gehen,
unser Herr aber kommt.

Gustav Heinemann (1989-1976), Jurist und Politiker, ehemaliger Bundespräsident
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