Manuskripte

SWR3 Worte

Ich glaube an Gott
der die welt nicht fertig geschaffen hat
wie ein ding das immer so bleiben muss
der nicht nach ewigen gesetzen regiert
die unabänderlich gelten
nicht nach natürlichen ordnungen
von armen und reichen
sachverständigen und uniformierten
herrschenden und ausgelieferten
ich glaube an gott
der den widerspruch des lebendigen will
und die veränderung aller zustände
durch unsere arbeit
durch unsere politik


Ich glaube an den geist
der mit jesus in die welt gekommen ist
an die gemeinschaft der völker
und unsere verantwortung für das was aus unserer erde wird
ein tal voller jammer hunger und gewalt
oder die stadt gottes
ich glaube an den gerechten frieden
der herstellbar ist
an die möglichkeit sinnvollen lebens
für alle menschen
an die zukunft dieser welt
amen

Dorothee Sölle

Dorothee Sölle, Ich will nicht auf tausend Messern gehen. Gedichte, München dtv, 3.Aufl. 2002
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4263
Tief zermürbt vom Weltgeschehen
flog ich südwärts und ans Meer,
wollte mich nicht mehr verstehen,
trug an Selbstmitleid so schwer.

Hatte selbst vom Musizieren
ausnahmslos die Schnauze voll,
ängstigte mich vor Klavieren
pflegte meine Menschheitsgroll.

Doch kaum war ich angekommen
lag ein Rhythmus überm Land,
und der machte mich benommen
hat sich bei mir eingebrannt.

Ein paar Musikanten spielten
selbstvergessen nur für sich.
Ohne es genau zu wollen,
zielten sie genau auf mich.

All die unerhörten Klänge,
dieses Frohsein, diese Lust,
all das weckt in mir Gesänge
dich ich lang nicht mehr gewusst.

Diese unverstellte Freude,
dieses unverblümte Sein,
alles, was ich jetzt vergeude,
hol ich nie mehr wieder ein.

Selbstverloren hingegossen-
alles in mir tanzt und singt.
Zeit und Raum sind längst verflossen
weil es wieder in mir klingt.

Konstantin Wecker
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4262
Überall in Europa sitzen Menschen im Gefängnis,
weil sie fliehen mussten aus ihrer Heimat und nicht zurückkönnen,
so wie dieser Algerier in Basel:

„Es gibt hundertprozentig keine Chance,
dass ich nach meiner Entlassung nach Algerien zurückkehre...
Probleme mit den Islamisten und dem Geheimdienst...“

Weit mehr aber mache ihm im Moment
das System zu schaffen dem der Abschiebekandidat ausgeliefert ist.

„Wie Tom und Jerry spielen die Aufseher mit uns Katz und Maus.
Man verliert die Haare und die Nerven.
Das ist eine Katastrophe,
weil wir keine Kriminellen sind.
Das Leben im Abschiebegefängnis ist
wie in einer psychiatrischen Anstalt.
Es macht krank und kaputt, weil vieles verboten ist,
ich bin wie tot.
Inhuman, barbarisch und ungerecht ist dieses Gesetz.“

Publik Forum, Juni 2008, S. 17, Publik Forum Verlagsgesellschaft, Oberursel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=4261
Selig, die ihre Vorurteile überwinden,
denn sie werden die Versöhnung erleben.

Selig, die auf ihr Prestige verzichten,
denn an Freunden wird es ihnen nicht mangeln.

Selig, die Niederlagen verkraften können,
denn sie werden Menschenbrücken bauen.

Selig die zuerst mit sich selbst zu Gericht gehen,
bevor sie andere richten,
denn sie dürfen auf Gottes Segen hoffen.

Guido Hügen

Frankfurter Seligpreisungen, Guido Hügen OSB, Sinndeuter, S. 27 f, Georgsverlag, Neuss 2007
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4260
Selig, die mit den Augen des anderen sehen können
Und seine Nöte mittragen,
denn sie werden Frieden schaffen.

Selig, die willig sind, den ersten Schritt zu tun,
denn sie werden mehr Offenheit finden
als sie für möglich halten.

Selig, die dem Nächsten zuhören können
auch wenn er anderer Meinung ist,
denn sie werden Kompromisse fördern.

Selig, die Kranke, Alte und Behinderte besuchen,
denn sie werden niemals einsam sein.

Guido Hügen

Frankfurter Seligpreisungen, Guido Hügen OSB, Sinndeuter, S. 27 f, Georgsverlag, Neuss 2007
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4259
Elie Wiesel überlebte das Konzentrationslager Auschwitz
er sagt:

Manchmal müssen wir eingreifen.
Wenn Menschenleben oder die Menschenwürde in Gefahr sind,
zählen nationale Grenzen und Gefühle nicht mehr.
Wenn Männer oder Frauen
aufgrund ihrer Rasse, Religion
oder politischen Ansichten verfolgt werden,
muss dieser Ort unverzüglich
in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rücken.

Olympia als Chance nutzen. Hg.: Gesellschaft für bedrohte Völker, GfbV, Frühjahr 2008
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4258
Gott, schweige doch nicht
Gott, bleib nicht so still und ruhig!
Denn du wirst in Frage gestellt,
und die nichts von dir wissen wollen,
treiben ihre Witze mit uns und deinem Namen.
Alles hat sich gegen uns verschworen
und immer neue Anfechtungen treten auf.
Die neuen Seuchen verbinden sich mit der schwerfälligen Bürokratie.
Es ist als hätten sich die Kräfte der Dämonie verbunden
mit den Sachzwängen der Ökonomie,
als wäre die Inflation die Schwester der Depression.
Gott, schweige nicht!
Gott bleib nicht so lange still und ruhig.
Wir werden erkennen und singen,
wenn die Phantasien wieder aufblühen.
Wir werden wieder hoffen und tanzen,
wenn unsere Träume uns auflachen lassen
und wir das Leben mitnehmen in den wachen Morgen.

Gottesdienstbuch in gerechter Sprache. Gebete, Lesungen Fürbitten und Segenssprüche für die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, Hg.: E. Domay und H. Köhler, Gütersloh 2003
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4257