Manuskripte

SWR3 Worte

Tanja Jeschke über ihren Großvater, den Dichter Albrecht Goes:

Zuhören und Erzählen – das waren die Weisen, wie man mit meinem Großvater im Gespräch sein konnte.
Und zu erzählen gab es immer etwas, denn in seiner Gegenwart war es ganz ausgeschlossen, etwa zu meinen,
man hätte „nix Besonderes“ erlebt. Nein, mindestens eine kleine Begebenheit musste immer genau erzählt werden. […]
Manchmal kam er mit einer prall gefüllten Einkaufstasche heim und packte sie mit großzügiger Armbewegung aus: „Da“ sagte er, und stellte ein Cassis-Eis auf den Tisch, als sei es der Inbegriff des Wunderbaren. […]
Was redet die Menschheit eigentlich immer vom grauen, spärlich belichteten Dasein? Hier saßen wir bei Kerzen
und Cassis-Eis und hatten Leuchtendes zu erzählen.


Tanja Jeschke
Titel: Sieben Leben möchte ich haben. Albrecht Goes zum 100. Geburtstag.
In: Literaturblatt Baden-Württemberg 02/2008, 15. Jg., Stuttgart, S. Hirzel Verlag, S. 14f.
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Margarete Mitscherlich, Psychoanalytikerin und Feministin,
antwortete auf die Frage:

„Ich wurde evangelisch erzogen und habe abends immer gebetet.
Auch heute spreche ich noch mit Gott […]. Er ist für mich die Wahrheit. Jesus sagt doch im Johannesevangelium:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Vor allem sehe ich Gott nicht als Peron außerhalb von mir. […]
Für mich ist Gott ein Gefühl von Güte in mir, von Wahrheitsliebe und von Klugheit.“


Margarete Mitscherlich
In: chrismon. Das evangelische Magazin, 03/2008, S. 24.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4190
Heute vor 59 Jahren stürzte der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry mit seinem Flugzeug ab.
In seinem Buch „Der kleine Prinz“ blickt er kritisch auf die Weltsicht der Erwachsenen. Er schreibt:

„Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von
einem neuen Freund erzählt, befragen sie euch nie über das Wesentliche.
Sie fragen euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten?
Sammelt er Schmetterlinge?
Sie fragen euch: Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? […] Wie viel verdient sein Vater?
Dann erst glauben sie, ihn zu kennen.“


Antoine de Saint-Exupéry
In: Der kleine Prinz, Karl Rauch Verlag, 64. Aufl. 1999, S. 75.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4189
Wanderglück ist nicht käuflich. Nicht das Logo auf der Jacke ist entscheidend. Wesentlicher ist die
Durchlässigkeit für die Eindrücke von außen und – nicht zuletzt – die Offenheit für den Klang der inneren Stimme. […]
Mich interessiert die nach oben offene Skala der Möglichkeiten. Die fließenden Übergänge, wo das Wandererlebnis in neue Erfahrungen von Natur […] und von Spirituellem mündet:
- wo die Kunst des Wanderns übergeht in Lebenskunst […],
in Selbsterfahrung und Selbstsorge;
- wo beim Gehen das Tagträumen einsetzt – und die Sinnsuche.
Wandern macht Lust auf ein Leben, das weit ausgreift.

Ulrich Grober, freier Autor und Publizist


Ulrich Grober
Titel: Die blaue Blume suchen
In: Wanderwelten 01/2008, Wanderverlag inMOTION, Remagen, S. 13.
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Heute vor 103 Jahren wurde Dag Hammerskjöld geboren. Der spätere Generalsekretär der
Vereinten Nationen und Friedensnobelpreisträger schrieb 1941 in sein Tagebuch

„Du kannst nicht mit dem Tier in Dir spielen,
ohne ganz Tier zu werden.
Du kannst nicht mit der Lüge kokettieren,
ohne das Recht zur Wahrheit einzubüßen.
Du kannst Dich nicht auf Grausamkeiten einlassen,
ohne die Zartheit des Geistes zu verlieren.
Wer seinen Garten rein halten will,
darf keinen Fleck dem Unkraut überlassen.“


Dag Hammarskjöld
In: Zeichen am Weg. Das spirituelle Tagebuch des UN-Generalsekretärs. 1965,
Neuausgabe 2005 (Knaur Taschenbuch), München, S. 48.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4187
Wenn er zum Beispiel kurz vor einer Hinrichtung zwischen den Steinigern und der todgeweihten
Frau auf der Erde sitzt, in den Sand malt und die Kurznachricht absetzt:
„Wer von Euch sündenfrei ist, der kann den ersten Stein werfen“(Johannes-evangelium 8,7). 61 Zeichen retten das Leben einer Frau und die Menschlichkeit eines Dorfes.

Thomas Hirsch-Hüffell, Pastor in Hamburg


Thomas Hirsch-Hüffell
Titel: Simsen für die Seele,
In: Andere Zeiten Magazin 1/08, S. 5.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=4186
Mahatma Gandhi hat für Freiheit und Menschenwürde in Indien gekämpft.
Er hat täglich gebetet:

Ich will bei der Wahrheit bleiben.
Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen.
Ich will frei sein von Furcht.
Ich will keine Gewalt anwenden.
Ich will guten Willens sein gegen jedermann.


Mahatma Gandhi
In: Evangelisches Kirchengesangbuch.
Ausgabe für die Landeskirche in Württemberg.
Stuttgart 1996, S. 822.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=4185