Manuskripte

SWR3 Worte

Wenn Jesus mit der Hölle droht, dann um im Weltbild seiner Zeit zu zeigen, in welcher Eiseskälte unseres Herzens, in welcher Flammenglut unserer Gier wir existieren. ... Man ist nicht glücklich und beneidenswert, man ist kein Mensch mehr, wenn man es dahin gebracht hat, ohne Skrupel zu genießen, dass man im Wettkampf aller gegen alle „gewonnen“ hat – um den Verlust der eignen Seele willen.

Eugen Drewermann, Gott – gütig oder zornig? in: Publik Forum 9/2008 vom 9.5.2008, 33f

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Es mag wohl sein, dass wir häufig genug uns außerstande zeigen, Menschen in ihren Verirrungen und Verwirrungen nachzugehen. Es überfordert uns. Wir kennen uns selbst nicht hinlänglich, wir kreisen zu sehr um uns selbst. Doch sollten wir auch Gott für derartig beschränkt halten, ohnmächtig und mit sich selbst beschäftigt?

Eugen Drewermann, Gott – gütig oder zornig? in: Publik Forum 9/2008 vom 9.5.2008, 33
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Die Kirche hat nur einen Sinn, wenn sie sich für die Welt einsetzt. Ihr Auftrag besteht nicht im Wohlbefinden ihrer Institutionen, sondern in der Verkündigung einer stets neuen Frohbotschaft für eine Gesellschaft, die sich ständig wandelt. Die Mission der Kirche besteht nicht darin, sich festzuklammern an das, was sie als ‚ihre’ Wahrheit betrachtet. Vielmehr soll sie die Kraft des Evangeliums entdecken, die ihr auf der Erde der Lebenden vorausgeht. Danach sollte sie beurteilt werden, auf diesem Gebiet wird etwas von ihr erwartet und findet sie ihren Sinn.

Aus einem Appell französischer Arbeiterpriester, zit. aus: CiG 22/2008, 239

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Wir wissen nicht, was das Ganze für einen Sinn hat, und suchen deshalb immer wieder nach Antworten. Es gibt aber keine Antworten. Also werden wir auch nie welche finden. So hat es Gott in seiner unendlichen Weisheit eingerichtet, damit das Leben grenzenlos spannend wird. Das Unbekannte gibt dem Leben Tiefe.

Paul Arden, Gott, Himmlisches, erklärt bei einer Taxifahrt, Stuttgart: Kreuz 2008 (Zit. aus: CiG 22/2008, 241)
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Wir leben in einer Welt, wo Sensitivität im Allgemeinen nicht gefördert wird. Was gefördert wird, ist Wettbewerb, immer das Beste zu tun, erfolgreich zu sein. Und wir verneinen, dass das dazu führt, dass man dauernd Angst hat, dass das nächste Mal, wenn man um die Ecke geht, dass man in dem Moment entweder auseinander fällt oder verliert oder versagen wird. Das ist denke ich, der tiefste Grund für das, was Freud nannte: castration anxiety. Er sah es nur im Sexuellen, Aber ich denke, das ist etwas viel Allgemeineres und Tieferes. Dass von der Gesellschaft selber gefördert wird, dass man andere runtermachen muss, um selber Selbstwert zu haben.

Arno Gruen, in: Wahnsinn Normalität – Arno Gruens Zivilisationskritik, SWR2-Wissen vom 7.5.2008
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An dieser globalen Ungerechtigkeit wird sich so lange nichts ändern, wie die Armen an den Entscheidungen keinen Anteil haben. Für die Vorstandsetagen der großen internationalen Konzerne, die längst mehr umsetzen als kleinere Staaten, zählen nur kaufkräftige Konsumenten, nicht Regionen ohne Käufer. ... Solange die wichtigsten Entscheidungen der Weltwirtschaft von rund dreißig Regierungen und sechzig Großkonzernen getroffen werden, wird es nicht gerechter.

Wolfgang Kessler, Ärmer als jede Kuh, in: Publik Forum Nr. 9 vom 9.5.2008, Dossier, S. VIIhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=4064
Das glaubt uns heute kaum noch jemand:
dass es Menschen gibt, die arbeiten, ohne für sich selbst verdienen zu wollen,
die verzichten, nur um anderen helfen zu können,
die Zeit und Nerven opfern, um andern Freude zu machen,
die nicht reich sein wollen, und sich trotzdem mit aller Kraft einsetzen –
und dann noch behaupten, dass sie die Kraft für all das
aus dem Gebet von Gott her erwarten.

Immanuel Jacobs, Israel - Land der Gegensätze. Gedanken und Meditationen zu Bildern, Jerusalem 1979, 165


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