Manuskripte

SWR3 Worte

Die Religion ist nicht verschwunden. Sie zu unterdrücken ist, als wollte man die Sexualität unterdrücken – ein sinnloses Unterfangen. ... Am Gottesglauben ist nicht alles wertvoll und verehrungswürdig ... Doch der Versuch, die Religion abzuschaffen, führt nur dazu, dass sie in grotesker und entstellter Form wiederauftaucht. Ein unkritischer Glaube an die Weltrevolution, an universale Demokratie beleidigt die Vernunft weit mehr als die Mysterien der Religion, und sehr lange wird er sich vermutlich nicht halten.

John Gray, Was führen die Atheisten im Schilde?, in: FAZ vom 29.03.08
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„Die freien Märkte in ihrer gegenwärtigen Form sind nicht geeignet, soziale Probleme zu lösen.“ Das sagt der Wirtschaftswissenschaftler und Friedens-Nobelpreisträger Muhammad Yunus: „Wenn man die profit-maximierende Brille abnimmt und zur sozialen Brille greift, sieht man die Welt in einer anderen Perspektive.“

in: Christ in der Gegenwart, Nr. 17/2008 vom 27.04.08, 178
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Mitunter beklagst du die vielen Irrtümer, die dir im Laufe deines Lebens unterlaufen sind. Aber vielleicht sind gerade sie es, die dich auf den richtigen Weg gebracht haben. Ich möchte dir jedenfalls Mut machen, deine angefangene Richtung nun auch zu Ende zu gehen.

Christa Spilling-Nöker, in: Auf all unseren Wegen. Worte, die begleiten, Herder: Freiburg 2008, 78

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Die Toleranz ist eine Haltung, die im Einklang steht mit dem christlichen Glauben, der nicht Besitz der Wahrheit, sondern Suche nach der Wahrheit ist, nicht das Verharren und Sich-Festklammern an einer Offenbarung, sondern Öffnung auf die Unendlichkeit Gottes hin.

Jacques Gaillot/Alice Gombault/Pierre de Locht, Ein Katechismus, der Freiheit atmet, Edition K. Haller: Küsnacht 2004, 32


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Die Autorität wird gemeinhin als „das Recht, zu befehlen und Gehorsam zu verlangen“ definiert. Man ist weit entfernt vom ursprünglichen Sinn des Wortes auctor, das „Gründer, Initiator“ bedeutete – eine viel reichere, mit Leben erfüllte Bedeutung. Eine Autorität sein heißt: zur Existenz, zur Entfaltung verhelfen, zum Wachstum und zur Verwirklichung einer Person oder einer Gruppe beitragen. Dazu braucht man keine Funktion, kein Mandat. Jeder kann das sein in seinem Umfeld, gegenüber den Menschen, mit denen er lebt, arbeitet, sich engagiert. Es handelt sich vor allem um die Art, wie jemand ist, um die menschliche Qualität.

Jacques Gaillot/Alice Gombault/Pierre de Locht, Ein Katechismus, der Freiheit atmet, Edition K. Haller: Küsnacht 2004, 149
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Trotz ihrer gewalttätigen Vergangenheit sind die Religionen dazu berufen, Frieden zu stiften, indem sie immer gewaltlose Alternativen aufzeigen. Shalom, Salam, Frieden: Wenn Juden, Moslems und Christen dieses Wort aussprechen, dann mit dem Wunsch, dass alle Glieder der menschlichen Familie so miteinander leben wie Kinder desselben Vaters. Der Friede ist dazu da, geteilt zu werden. Gott legt ihn in unsere Hände.

Jacques Gaillot/Alice Gombault/Pierre de Locht, Ein Katechismus, der Freiheit atmet, Edition K. Haller: Küsnacht 2004, 41

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Ein Rabbi sagte einmal zu einem kleinen Jungen: Wenn du mir zeigst, wo Gott ist, schenke ich dir einen Taler. Der Junge antwortete: Wenn du mir zeigst, wo er nicht ist, gebe ich dir zwei!

Martin Buber, zit. nach: Immanuel Jacobs, Israel - Land der Gegensätze. Gedanken und Meditationen zu Bildern, Jerusalem 1979, 41
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