Manuskripte

SWR3 Worte

Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen,
gleich dem süßen Frühlingsmorgen, den ich mit ganzem Herzen genieße. […]
Wenn ich im hohen Gras am fallenden Bache liege, […] und das Wimmeln der kleinen Welt zwischen den Halmen […] näher an meinem Herzen fühle, dann spüre ich die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, und das Wehen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält.

Johann Wolfgang von Goethe
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Von Teresa von Avila, der Ordensgründerin im 16. Jahrhundert, wird erzählt:

Einmal aß Teresa mit einem Priester ein reiches und gutes Essen. Als sie bei der besonders guten und süßen Nachspeise waren, da sprach der Priester mit vergrämtem Gewissen: Wie schwach und verführbar ist der Mensch und wie lenkt ihn seine Gaumenlust von den geistlichen Dingen ab.
Teresa aber sagte heiter: Wenn dieses Essen und diese Süßspeise schon so gut ist, wie viel herrlicher und süßer wird unser Gott sein.


Fulbert Steffensky
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Unser Kind ist noch schwarz-weiß. So sehe ich es wenigstens auf den Ultraschallbildern in der Arztpraxis. In einigen Wochen wird es geboren. Dann wird es seine eigene Farbe bekommen und anfangen, die Welt für sich zu erobern. Ich bin fast ein wenig neidisch auf Dich, Sohn, - so viel lässt sich hier entdecken, und du hast all das noch vor dir.
Ich wünsche mir, dass ich deinen Weg mitgehen kann. […]
Kindern gehört das Reich Gottes, sagt Jesus. Kommen wir diesem Reich nah, wenn wir uns unbedarft auf Entdeckungsreise machen? Ich will versuchen, dir mit Geborgenheit den Rücken zu stärken. Vielleicht nimmst du mich mit auf den Weg voller Neugier, zurück zu den Wundern dieser Welt.

Iris Macke, Theologin und werdende Mutterhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=3388
Wer sich selbst nur als Macher gerechtfertigt sieht,
kann nicht mit Situationen fertig werden, in denen er nichts mehr machen kann, in denen er an seine Grenzen stößt.

Kann der Macher machtlos sein? […]

Wer immer nur als Macher lebt,
bei dem verkümmert die Begabung, das Dasein anzunehmen,
Grenzen zuzugeben und das Leben auch in seiner Gebrochenheit als sinnvoll zu betrachten.

Fulbert Steffensky
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Ich kenne zum Glück viele Momente in meinem Leben,
in denen mein herzhaftes Lachen mich verwandelt hat.
Was gibt es Befreienderes als durch ein Lachen von seiner Schwere,
seiner Müdigkeit, seinem Blockiertsein, seinem Gefangensein in sich selber, erlöst zu werden?
Welche Wohltat breitet sich für mich selber und für meine Mitmenschen aus, wenn ich über mich selber lachen kann!
Herzhaft lachen können, nährt meine Hoffnung und mein Vertrauen in das Leben.

Pierre Stutz
schweitzer, katholischer Theologe und Autor
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Wenn es so etwas wie Zukunftsmusik gibt,
dann war sie damals, dann ist sie am Ostermorgen an der Zeit:
zur Begrüßung des neuen Menschen,
über den der Tod nicht mehr herrscht.

Das [ist …] eine Musik für die ganze Schöpfung!
Für jede seufzende Kreatur, so dass alle Welt einstimmen
und groß und klein, - und sei es unter Tränen –
wirklich jauchzen kann;
Ja so, dass selbst die stummen Dinge und die groben Klötze
mitsummen und mitbrummen müssen:
Ein neuer Mensch ist da, geheimnisvoll uns allen weit voraus, aber doch eben da!

Eberhard Jüngel, Evangelischer Theologe
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Als die drei Frauen am Ostermorgen zu dem Grab kamen,
in dem der tote Jesus lag, fragten sie sich:
Wer wälzt uns den Stein von der Öffnung des Grabes?

Der Tod war, das wussten sie, eine endgültige Sache. Das Grab und der schwere Stein davor waren der Beweis.

Aber das Grab war nicht, wie sie meinten, das Ende. Es verwandelte sich. Sie hörten die Worte: Er lebt!

Und das Grab war plötzlich eine offene Stelle, durch die sie in eine andere Wirklichkeit sehen konnten.


Jörg Zink
Evangelischer Theologe und Publizist

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