Manuskripte

SWR3 Worte

Entwurf für ein Osterlied von Rudolf Otto Wiemer
Die Erde ist schön, und es lebt sich leicht im Tal der Hoffnung.
Gebete werden erhört. Gott wohnt nah hinterm Zaun.
Die Zeitung weiß keine Zeile vom Turmbau. Das Messer findet den Mörder nicht. Er lacht mit Abel.
Nicht irr surrt die Fliege an tödlicher Scheibe. Alle Wege sind offen. Im Atlas fehlen die Grenzen.
Das Wort ist verstehbar. Wer ja sagt meint ja, und ich liebe bedeutet: jetzt und für ewig.
Der Zorn brennt langsam. Die Hand des Armen ist nie ohne Brot. Geschosse werden im Flug gestoppt.
Der Engel steht abends an Tor. Er hat gebräuchliche Namen und sagt wenn ich sterbe: Steh auf:
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Das könnte manchen Herren so passen,
wenn mit dem Tode alles beglichen, die Herrschaft der Herren die Knechtschaft der Knechte bestätigt wäre für immer.
Das könnte manchen Herren so passen,
wenn sie in Ewigkeit Herren blieben im teuren Privatgrab und ihre Knechte Knechte in billigen Reihengräbern.
Aber es kommt eine Auferstehung
die anders ganz anders wird als wir dachten.
Es kommt eine Auferstehung
die ist der Aufstand Gottes gegen die Herren
und den Herrn aller Herren: den Tod

Kurt Marti – Das könnte manchen Herren so passen
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„Haben Sie Hunger?“ „Ja“, sagte er. Sie ging zum regal, nahm ein Brot heraus, legte es auf den Tisch und fing an, in einer Schublade nach einem Messer zu suchen. „Schon gut“ sagte er, „man kann Brot brechen“. Er brach schnell eine große Kante von dem Brot ab. Sein Kinn zitterte, und er spürte, dass die Muskeln seines Mundes und seine Kiefer zuckten. Dann grub er die Zähne in die unebene, weich Bruchstelle und aß. Das Brot war alt, sicher vier oder fünf tage alt, vielleicht älter, einfaches Graubrot (mit einer rötlichen Pappemarke von irgendeiner Fabrik;) aber es schmeckte so süß. Während er mit der rechten Hand aß, hielt er mit der linken den Brotlaib fest, als könnte jemand kommen und ihn wegnehmen.

Brot - von Heinrich Böll


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Lieber Gott, ich stehe still und zwar nicht, weil ich das will,
sondern diese Ampel dort lässt mich im Moment nicht fort.
Sie ist rot und zeigt mir an, dass ich auch mal warten kann.
Das tu ich und Du, lieber Gott weißt, ich bin oft viel zu flott
Unterwegs mal da mal hier, mit den Gedanken nicht bei Dir.
Deshalb glaub ich einfach mal, die Ampel dort ist ein Signal.
Von Dir gesteuert irgendwie, und Deine Botschaft, die ist die:
„Ich bin dort oben, Du im Wagen, und Rot heißt sich Hallo zu sagen.“

Peter Hummel in „Routenplaner – Gebete nicht nur für LKW-
Fahrer“

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Boah, ein neues Fahrzeug, ein neuer 40-Tonner.
Herr, ich habe gelernt, bescheiden zu sein. Aber ich muß ehrlich sagen: Ich bin stolz auf meinen neuen Wagen. Er ist noch leiser als der alte, hat ein größeres Kühlfach. Mein Rücken tut mir weniger weh. Solch gute Voraussetzungen sind nicht selbstverständlich. Herr, ich danke Dir für meinen Arbeitgeber.
Möge ich mit dem neuen Fahrzeug anderen und mir selbst nur Gutes tun.

Aus dem Buch „Routenplaner – Gebete nicht nur für LKW-
Fahrer“


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Herr, ich bin Fahrerin eines LKW und tagtäglich unterwegs auf den Straßen dieser Welt. Es ist ein harter Job mit dem ich mein Geld verdiene. Und es gibt gute und weniger gute Zeiten.
Manchmal möchte ich alles hinschmeißen, besonders wenn ich tagelang unterwegs bin und kaum eine Pause haben, nicht richtig schlafen kann und mich allein fühle, meine Familie nur selten sehe und weit weg von zu Haus bin.
Steh mir bei und gib mir Kraft, meine Arbeit zu tun, denn so wie andere mir vertrauen, so vertraue ich auf Dich. Amen

Gabriele Kehres in dem Buch „Routenplaner – Gebete nicht nur für LKW-Fahrer“
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Verhältnisse verändern ist entweder ein mühsames oder ein gewaltsames Beginnen. Wer sich gegen die Gewalt entscheidet, muss die Mühsal wählen. Wer die Mühsal scheut, hat sich schon für die Gewalt entschieden.

Friedrich Schwanecke über die Veränderung der Verhältnisse

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