Manuskripte

SWR3 Worte

Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie einfach da sind.
Manche Menschen wissen nicht, wie gut es tut, sie nur zu sehen.
Manche Menschen wissen nicht, wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.
Manche Menschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind.
Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.

Paul Celan, in: Krass, konkret, katholisch: Beten, Verlag Haus Altenberg 2004, 34

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Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin.
Nur für heute werde ich nicht danach streben, die anderen zu kritisieren oder zu verbessern – nur mich selbst.
Nur für heute werde ich glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass Gott für mich da ist. Als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
Ich will mich nicht entmutigen lassen durch den Gedanken, ich müsse dies alles mein ganzes Leben durchhalten. Heute ist mir gegeben, das Gute während zwölf Stunden zu wirken.

Papst Johannes XXIII., in: Krass, konkret, katholisch: Beten, Verlag Haus Altenberg 2004, 52
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Halte dich an Gott wie der Vogel, der doch nicht aufhört zu singen, auch wenn er spürt, dass der Ast nachgibt, weil er weiß, dass er Flügel hat.

Johannes Don Bosco, in: Krass, konkret, katholisch: Beten, Verlag Haus Altenberg 2004, 57
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Braucht die Wirtschaft eine neue Ethik? Ich glaube, sie braucht überhaupt eine Ethik, nicht einmal eine neue Ethik. Wir wissen von der kirchlichen Soziallehre her: Eigentum verpflichtet. Es ist noch nicht in gleicher Weise bewusst: Auch Kapital verpflichtet. Wer Geld besitzt, hat eine Verpflichtung auch dem gegenüber, der wenig Geld oder gar keines besitzt. Und darum ist es nicht gleichgültig, wie ich etwa mit dem Kapital, das ich auf der Bank habe, oder wie die Bank mit dem Kapital umgeht.

Erzbischof Robert Zollitsch im „Interview der Woche“ auf SWR2 am 16.2.2008

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Das Interessante am Glauben ist ja, dass es ein höchst intimer Zustand ist – zumindest in unseren Breitengraden. Und wir sollten alles tun, damit es auch so bleibt. Denn das wäre mein persönliches Credo, wenn ich auch mal was bekennen darf: Sex und Religion gehen keinen etwas an, außer diejenigen, mit denen man das Vergnügen an derlei teilt.
Deshalb verbietet sich auch die Kritik am Vergnügen anderer, wenn sie denn ihres unaufdringlich mit ihresgleichen ausüben. Die Heuchelei, Bigotterie, Gewalttätigkeit, sexuelle Repression und Machtausübung jeglicher Art, ... werden bestimmt in allen Religionen praktiziert. Sie sind aber beileibe nicht deren Erfindung, sondern das, was man gemeinhin die Geißeln der Menschheit nennt.

Renée Zucker, Einen Spaß macht er sich, in: TAZmag vom 16./17.2.2008, VII (zum neuen Buch des Religionskritikers Christopher Hitchens)


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Im Nachhinein können wir feststellen, dass uns in besonders schwierigen und unerträglichen Situationen, die wir so schnell wie möglich aus unserem Leben zu bannen versuchten, einige der größten Segnungen unseres Lebens zuteil geworden sind. Zuweilen enthalten unsere schlimmsten Schmerzen für uns ein Geschenk, das sehr lange nicht ans Licht kommt. Der Segen ist ganz vom Aufgewühltsein, der Verwirrung, dem Schmerz und dem verzweifelten Ringen verdeckt. Zeitweise sind wir nicht in der Lage, diesen Segen wahrzunehmen, weil wir noch zu verletzt, zu wütend, zu traurig, zu überwältigt sind. Erst viel später kann es geschehen, die Gabe zu erkennen, die uns aus dem heraus zuteil wurde, was wir für den endgültigen Untergang unseres Glücks hielten.

Joyce Rupp, in: Ulrich Sander (Hg.), Begleitet von guten Mächten. Segensworte für ein ganzes Leben (Sonderband 2004), Herder: Freiburg 2004, 93
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Segen heißt: Ich empfange, was ich nicht erarbeitet habe. Ich muss mich nicht mit mir und meiner Leistung begnügen. Ich darf mehr erhoffen. Das schenkt Gelassenheit. Das nimmt mir den Druck und Krampf, mich selbst durch meine Leistung rechtfertigen zu müssen. Gesegnet sein heißt, aus der schöpferischen Kraft Gottes leben und diese Kraft wirksam werden zu lassen.

Franz Kamphaus, in: Ulrich Sander (Hg.), Begleitet von guten Mächten. Segensworte für ein ganzes Leben (Sonderband 2004), Herder: Freiburg 2004, 26


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