Manuskripte

SWR3 Worte

Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen, da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck in ihrer Gunst. Allein bei Freunden lässt man frei sich gehen. Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt sich eine Laune. Und so verletzen wir am ersten die, die wir am zärtlichsten lieben.

„Bei Freunden“ von Johann Wolfgang v. Goethe https://www.kirche-im-swr.de/?m=2824
Wie wohltuend ist ein Mensch, der zuhören kann. Deshalb wird ihm auch viel Sympathie
entgegen gebracht. Wer zuhören kann hört hin, auf das was der andere sagt, hört sich ein in das, was ihm fremd scheint.
Er kommt nicht gleich mit Einwänden, Kritik oder Vorschlägen. Er nimmt zunächst nur auf, was der andere sagt, nimmt ihn mit inneren offenen Armen auf. Und der andere fühlt sich angenommen.
Wer zuhören kann entbindet in dem, der spricht nicht selten gute Erinnerungen und neue Einsichten, befreiende Selbstkritik und ermutigende Selbsterfahrungen, und manches andere mehr.
Wer zuhören kann, gibt dem anderen Zeit und Raum und für die Dauer des Gesprächs auch Heimat.

„Zuhören können“ von Uwe Böchelmeier https://www.kirche-im-swr.de/?m=2823
Am späten Abend gehen zwei Eheleute müde nach des Tages Arbeit ins Schlafzimmer, entkleiden sich, ziehen Schlafwäsche an und legen sich ins Bett. Beide haben jedoch vergessen das Licht auszuschalten und wälzen sich nun in ihren Betten, da sie im Hellen nicht einschlafen können. Nach zwei Stunden sagt die Frau zu ihrem Mann: „Ich glaube mein Lieber, es wäre doch gut das Licht auszuschalten, aber ich bin zu müde um aufzustehn.“ „Das habe ich mir schon lange gedacht“, erwiderte der Ehemann, aber ich war zu müde es dir zu sagen.“

aus „Sonne für die Seele“ von Norbert Lechleitnerhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=2822
Ein Generaldirektor befand sich im Wartezimmer der Entbindungsabteilung eines Krankenhauses. Während andere erwartungsvolle Väter nervös in Zeitschriften blätterten oder im Gang hin und herliefen, saß er an einem Tisch bis an die Ohren in einem Berg Schriftstücke vertieft, die er seiner dicken Aktentasche entnommen hatte. Nach ein paar Stunden kam eine Schwester zu ihm. „Es ist ein Junge, Herr Direktor!“ „Fragen Sie ihn, was er will“, sagte er, ohne von seiner Arbeit aufzublicken.

Quelle: „Zusammenwachsen - Gedanken, Geschichten, Gebete“; herausgegeben von Waldemar Wolf/Renate Spennhoff; 1980; Katholisches Bibelwerk Stuttgart; S. 110https://www.kirche-im-swr.de/?m=2821
Lass uns wieder lernen den Augenblick zu genießen, zu nehmen was ist mit beiden Händen, hier und jetzt zu leben. Bevor wir das Leben verbracht haben mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft und den Erinnerungen an die gute alte Zeit.

Leben hier und jetzt - von Jochen Marisshttps://www.kirche-im-swr.de/?m=2832



Man soll das Jahr nicht mit Programmen beladen wie ein krankes Pferd.
Wenn man es allzu sehr beschwert, bricht es zu guter Letzt zusammen.
Je üppiger die Pläne blühen, umso verzwickter wird die Tat.
Man nimmt sich vor sich zu bemühen und schließlich hat man den Salat. Es nützt nicht viel sich rot zu schämen. Es nützt nichts, und es schadet bloß, sich tausend Dinge vorzunehmen.
Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=2820
Vielen Dank für die Wolken, vielen Dank für das wohltemperierte Klavier und – warum nicht für die warmen Winterstiefel. Vielen Dank für mein sonderbares Gehirn und für allerhand andere verborgene Organe, für die Luft und natürlich für den Bordeaux. Herzlichen Dank dafür, dass mir das Feuerzeug nicht ausgeht und die Begierde und das Bedauern, das inständige Bedauern. Vielen Dank für die 4 Jahreszeiten, für die Zahl e und für das Koffein. Und natürlich für die Erdbeeren auf dem Teller, gemalt von Chardin sowie für den Schlaf, für den Schlaf ganz besonders und, damit ich es nicht vergesse – für den Anfang und für das Ende. Und die paar Minuten dazwischen inständigen Dank, meinetwegen für die Wühlmäuse draußen im Garten auch.

„Dank“ von Hans Magnus Enzensbergerhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=2833