Manuskripte

SWR3 Worte

Angesichts der Angriffe auf Migranten in der Pfalz und in Sachsen
einige Gedanken darüber, wie das geht: Reagieren auf eine Bedrohung,
Widerstehen und nicht Zusehen:

... Werden Sie sich klar zu welchem persönlichen Risiko
sie bereit sind.
Es ist besser sofort Hilfe zu holen,
als sich nicht entscheiden zu können und gar nichts zu tun

... Panik und Hektik vermeiden. Keine hastigen Bewegungen
die reflexartige Reaktionen hervorrufen könnten.
Die eigene Ruhe wirkt auch auf andere entspannend.

... Falls Sie selbst angegriffen werden,
verhalten Sie sich nicht als Opfer
flehen sie nicht und seien sie nicht unterwürfig.
Zeigen und sagen Sie deutlich was Sie wollen.

... Halten Sie Kontakt zum Gegner!
Stellen Sie Blickkontakt her
und versuchen Sie mit dem Angreifer zu reden.
Teilen Sie das Offensichtliche mit.
Sprechen Sie ruhig, laut und deutlich.
Hören Sie zu, was der Angreifer sagt.
Daraus könne Sie nächste Schritte ableiten.

... Vermeiden Sie möglichst, den Angreifer zu berühren.
Das ist in der Regel eine Grenzverletzung
die weitere Aggressionen hervorruft.
Anders ist es nur, wenn die Helfer in der Überzahl oder stärker sind.

... Sprechen Sie die Umstehenden nicht allgemein um Hilfe an,
sondern einzelne Personen.
Viele sind bereit zu helfen, wenn man sie persönlich anspricht.
Auch Zögerliche leicht am Arm zu fassen,
kann sie zum Mithelfen bewegen.

Themenheft 2001, ...denn er ist wie Du... Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Deutscher Kooordienierungsrat e.V., S.128https://www.kirche-im-swr.de/?m=1987
Der 16jährige Markus schreibt an seinen Schutzengel:

„Lieber Schutzengel,
ich habe gehört, dass ein Engel ein Wesen ist, das in sich das Licht der Liebe aufnimmt, es aber nicht für sich behält, sondern an jemanden weitergibt.
Da frage ich mich: Gibt es auf der Welt Menschen ohne Egoismus,
die euch Engel nahe kommen?
Wenn es sie gibt, dann können es nur sehr wenige sein.
Ich würde nicht von mir behaupten, dass ich von mir selbst frei bin.“

Markus (nicht näher bekannt)
In: Uwe Wolff: Kinderbriefe an den Schutzengel. Gütersloh (Gütersloher Verlagshaus) 2006, S. 32.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1985
Heute vor 15 Jahren wurde Maria Jepsen, die erste lutherische Bischöfin der Welt, in ihr Amt eingeführt.

Zum Thema religiöse Kompetenz von Frauen sagt sie:
“Gott hat uns genauso gemacht wie die Männer, nicht geringer und nicht defizitärer. Die Männer haben kein besonderes Extraorgan in sich oder an sich, das ihnen einen besseren Kontakt zu Gott ermöglicht. Frauen haben genauso religiöse Kompetenz wie Männer.
Wir können lesen, denken, fühlen, handeln, lehren, …, singen, tanzen und beten; Fehler machen und Fehler unterlassen – genau wie die Männer, und still sein und schweigen auch.
Wir mussten unsere religiöse Kompetenz zwar freikämpfen, aber nicht erlernen. Wir haben sie seit Geburt von Gott mitbekommen.“

Maria Jepsen
In: Vortrag auf dem Internationalen Kongress zur Rolle buddhistischer Frauen im Sangha. Audimax der Universität Hamburg am 20. Juli 2007. Internetseiten der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche, www.nordelbien.de/nordelbien/nor.abisz.bischoefe/bischoefe.jepsen
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1986
Und wenn die Stunde es gönnt und mein Herz guter Dinge ist,
leg ich mich lang ins feuchte Gras
oder klettere den nächsten tüchtigen Stamm hinauf, wiege mich im Geäst … und trete traumwandelnd als ein stiller Gast in den seligen Garten meiner Jugendzeit.
Das gelingt so selten und ist so köstlich, einmal sich wieder dort hinüber zu schwingen und die klare Morgenluft der ersten Jugend zu atmen
und noch einmal, für Augenblicke, die Welt so zu sehen, wie sie aus Gottes Händen kam
und wie wir sie in Kinderzeiten gesehen haben, da in uns selber das Wunder der Kraft und der Schönheit sich entfaltete.

Hermann Hesse
In: Hermann Hesse: Bäume. Betrachtungen und Gedichte. Frankfurt (Insel) 1984, S. 26.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1988
Nach 18 Monaten Gefängnis schreibt Dietrich Bonhoeffer kurz vor seinem Tod 1944 aus seiner Zelle:

Neben dem nährenden Weizenfeld,
welches die Menschen ehrfürchtig bauen und pflegen …
lassen die Menschen doch auch die schöne Kornblume blüh’n.
Keiner hat sie gepflanzt, keiner begossen,
schutzlos wächst sie in Freiheit und in heiterer Zuversicht,
dass man das Leben unter dem weiten Himmel ihr gönne.
Neben dem Nötigen,… neben der Arbeit … will auch das Freie leben und der Sonne entgegen wachsen.
Nicht nur die reife Frucht auch Blüten sind schön. …
Beide sind uns gegeben.
Kostbarste, seltenste Blüte, - der Freiheit des spielenden, wagenden und vertrauenden Geistes in glücklicher Stund entsprungen.

Dietrich Bonhoeffer: Der Freund. In: Von guten Mächten. Gebete und Gedichte. Interpretiert von Johann Christoph Hampe. (Kaiser Taschenbücher) München, 9. Aufl. 1994, S. 26f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1984
Wir lauschen sehnsuchtsvoll den monotonen Worten aus den Lautsprechern der Flughäfen dieser Welt
und hören träumend all die Namen
von den „je ferner, desto lieber“ – Orten
und glauben, dass es uns dort mehr als hier gefällt. …
Doch, solange Leben bei Dir nur in der Pause ist,
kommst Du aus dem Kreislauf nicht heraus.
Solang Du in Dir selber nicht zu Hause bist,
bist Du nirgendwo zu Haus.

Peter Horton, Textdichter und Gitarrist
In: Wer andern nie ein Feuer macht. Texte und Chansons. (Kindler Verlag) München 1983, S.10.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1983
Gott, ich freue mich zu leben.
In dieser frühen Stunde regt sich die ganze Natur, um dem neuen Tag zu begegnen.
Ich bin fasziniert von der Fruchtbarkeit der Erde und der Schönheit des Himmels. …
Ich mag die Laute der Natur und die Gespräche meiner Familie und Freunde; Ich mag das Schwatzen kleiner Kinder und die Lieder und das Gelächter junger Menschen.
Ich mag die Art, wie Frauen und Männer Heime gebaut haben, um zusammen zu sein, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.
Gib mir den Mut, Gott, an diesem ruhigen Ort den Dingen ins Auge zu schauen, denen ich ins Auge schauen sollte,
bevor ich hinausgehe, meinen Mitmenschen ins Auge zu schauen.

Rita Snowden, (1907-1999)methodistische Theologin aus Auckland
Oh, Gott, ich freue mich zu leben. Gebet am Morgen. In: Die tägliche Erfindung der Zärtlichkeit. Gebete und Poesie von Frauen aus aller Welt. Hrsg. von Sybille Fritsch und Bärbel von Wartenberg-Potter. Gütersloh (GTB Siebenstern) 1986, S. 21. Zuerst in Rita Snowden: A Woman’s Book of Prayer. Collins (Fount Paperbacks) 1968.

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