Manuskripte

SWR3 Worte



Die Welt entdeckt auch gerade, dass wir nicht nur zur gegenseitigen Abhängigkeit der Menschen untereinander geschaffen sind; wir finden heraus, dass wir auch von der so genannten unbelebten Natur abhängig sind. Wenn Afrikaner früher sagten: „Behandle den Baum nicht so, das tut ihm weh“, dann lachten die anderen: „Ach, die sind so ungebildet, sie sind halt primitiv.“ Wie wunderbar, dass sie jetzt entdecken, dass wir Recht hatten, dass der Baum sehr wohl Schmerz empfindet und dass, wer einen Baum verletzt, in gewisser Weise sich selbst verletzt.

Desmond Tutu: Gott hat einen Traum.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=1925
Afrika hat der Welt etwas zu geben, das sie dringend braucht: die Mahnung, dass wir mehr sind als die Summe unserer Teile, die Mahnung, dass strikter Individualismus uns schwächer macht. Die Welt muss die grundlegende Lektion lernen, dass wir zur Harmonie geschaffen sind, zu[r …] gegenseitiger Abhängigkeit. Wenn es uns jemals wahrhaft gut gehen soll, dann nur zusammen[….], schwarz und weiß, reich und arm, Christ, Moslem, Hindu, Buddhist und Jude.

Desmond Tutu: Gott hat einen Traum
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1924
„Ja, Jesus, ich akzeptiere, dass du das Leben der Welt bist, aber wir Frauen werden von den Männern unterdrückt. Die Männer fragen: ‚Kann eine Frau etwa auch zum Priesterdienst in der Kirche zugelassen werden?’ O Jesus, warum sind dir die Männer lieber? Deine Kirche ist männlich dominiert. Nach der Hochzeit muss ich meinen Namen ändern und den des Mannes annehmen. Er glaubt, dass ich minderwertig bin. Er akzeptiert mich nur aus Mitleid. Ja, Jesus, du Leben der Welt, mach das Leben für uns Frauen besser.“

Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger von 1984 und afrikanischer Erzbischof, hat diese Bitte zusammen mit anderen Gebeten veröffentlicht. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1923
08AUG2007
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Heute wird in Augsburg das Hohe Friedensfest gefeiert. Katholiken und Protestanten erinnern sich an diesem Tag seit über 450 Jahren an die deutschen Religionskriege und an deren Ende. Ein Rezept, diesen Frieden zwischen Religionen und Konfessionen weiter zu erhalten und auszubauen, mag Hanns Dieter Hüsch liefern in seinem Gedicht „Anstoss zum Frieden“.
[…]

Ich bin für Dich
Und nicht gegen Dich
Ich bin mit Dir
Und nicht vor Dir oder nach Dir
Ich bin neben Dir
Und nicht über Dir
Ich bin bei Dir
Auch wenn Du gegen mich bist

Viele sagen, das sei ihnen unmöglich
Andere sagen, das entspräche nicht ihrem gesunden Menschenverstand.
[…]
Es ist unsere einzige Chance Weltfrieden zu machen
[…]

Hanns Dieter Hüsch: Anstoss zum Frieden.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1922
07AUG2007
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Eine Beschwerde, die der Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, in seinen gesammelten afrikanischen Gebeten veröffentlicht hat - ein südafrikanischer Ruf nach Leben:

Das Leben hier ist schrecklich, Jesus. Das ist nicht das volle Leben, das zu bringen du gekommen bist. Du bist schwach, Jesus. Wir hätten lieber einen stärkeren Jesus, der uns aus der Unterdrückung errettet, in die uns die weißen Buren zwingen. Sie sagen, dass wir schwarz sind und deshalb von ihnen getrennt leben müssen. Ja, Jesus, wir glauben, dass du der Sohn Gottes bist, aber du bist zu schwach. Bischof Desmond Tutu sagt, es sei alles nur eine Frage der Zeit. Ja, aber wann? Wann?https://www.kirche-im-swr.de/?m=1921
O, Jesus! Von dem habe ich schon gehört. Ihr sagt, er ist das Leben der Welt. Leben! Aber ich habe Hunger. Ich bin ganz leblos. Meine Mutter hat keine Milch mehr in ihren Brüsten. Sie ist krank und schwach. Ich habe gehört, dass ein paar Leute, „ Rotes Kreuz“ heißen die, Milchpulver schicken oder schon geschickt haben. Aber ich habe Hunger. Ich sterbe. Kann Jesus mir helfen, dass ich am Leben bleibe?

Erzbischof Desmond Tutu, Träger vieler Friedenspreise, hat diesen Hilferuf zusammen mit anderen afrikanischen Gebeten veröffentlicht.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1920
05AUG2007
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Der Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat in einem Buch afrikanische Gebete zusammengestellt, Gebete, die ihm ans Herz gewachsen sind. Das folgende stammt aus Mensa, Äthiopien und ist eine Bitte an den Mond:

Sei du für uns ein Mond der Freude und des Glücks. Mach den Jungen stark und bewahre die Kraft des Mannes, lass die schwangere Frau gebären und die Frau, die bereits geboren hat, ihr Kind stillen. Lass den Fremden seine Reise vollenden und die, die zu Hause bleiben, sicher in ihren Häusern wohnen. Lass die Herden, die zum Grasen auf die Weiden ziehen, glücklich zurückkehren. Sei du ein Mond der Ernte und der Kälber. Sei du ein Mond des Aufbaus und der guten Gesundheit.


Meine afrikanischen Gebete, herausgegeben von Desmond Tutu
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1919