Manuskripte

SWR3 Worte

Der Augenblick der Erleuchtung, der wahre Durchbruch im Leben eines Mönches – wie jedes anderen Menschen auch – tritt dann ein, wenn man zu begreifen beginnt, dass Gott einen trotz all unserer Fehler und Unzulänglichkeiten liebt. Das Mysterium Gottes ist, dass Er uns selbst dann noch liebt, wenn wir Seiner Liebe nicht würdig sind.

Kiran Nagarkar, Gottes kleiner Krieger
Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 2007, S. 388


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Auf wen wird eigentlich gehört, wenn eine Entscheidung zu fällen ist?
Alles eine Frage des Typs, meint Mauritius Wilde: Wenn Menschen in einer Gruppe aneinander geraten, spielt es eine entscheidende Rolle, wer wie gestrickt ist. Erbsenzähler und Draufgänger, Integrationsfiguren und Antreiber geraten dabei aneinander.
(Der Autor) … stellt dem Typ Unternehmer den Verwalter-Typ gegenüber. Anhand von Bibeltexten … zeigt er, wie die Apostelfürsten Petrus und Paulus für die Pole "Verwalter" (Petrus) und "Unternehmer" (Paulus) stehen und was sie dennoch verbunden hat. Denn darauf läuft die Typologie hinaus: Unternehmer und Verwalter brauchen und bedingen einander gegenseitig.

Mauritius Wilde: „Petrus und Paulus: Wer in Gruppen entscheidet“
Klappentext zum Buch – VierTürme-Verlag, Münsterschwarzach 2003

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Welch großer Trost, Herr,
zu wissen,
dass du keine Erfolge forderst,
keine Erträge eintreibst.
Aber du verlangst,
dass wir uns nicht schonen,
dass wir unser Bestes geben,
ohne Überheblichkeit,
ohne Eitelkeit,
ohne Stolz,
die alles zunichte machen.
Vielleicht zählt für dich
in unserem Leben
vor allem der Wunsch,
froh, gelassen, glücklich
zu dir zu gelangen
ohne den Ruhm des Siegers.
Dom Helder Camara – Ohne den Ruhm des Siegers

In deine Hände, Herr! Gedanken und Gebete. München-Zürich-Wien: Verlag Neue Stadt 1987
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Zum ersten Mal seit er beschlossen hatte, Mönch zu werden, war Lucens im Frieden mit sich selbst. In seinen unbeschwerten Momenten sagte er sich, dass ein Mensch sich an alles gewöhnen konnte, selbst an die Wüste…
Man konnte nichts anderes tun, als die optimalen Bedingungen zu schaffen und dann geduldig darauf warten, dass Gott sich einfand… Jetzt kam es mitunter vor, dass er, fast ohne sich dessen bewusst zu sein, spürte, wie er mit dem Heiligen Geist emporschwebte.
… Er hatte keine Visionen und keine weltbewegenden Einsichten. Was geschah, war zugleich erschreckend und befriedigend. Er fing an, das stumpfsinnige, ruhige Einerlei zu genießen. Er hatte es nicht mehr nötig, in einem Zustand ständiger Euphorie zu schweben.

Kiran Nagarkar, Gottes kleiner Krieger
Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 2007, S. 363/364

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Der Liedermacher Konstantin Wecker über Gott:
Ich habe lange gebraucht, um das Wort „Gott“ wieder ohne Scheu und Vorbehalte in den Mund nehmen zu können. Meine Beziehung zu Gott war - wie bei vielen jungen Menschen - zunächst geprägt von Abgrenzung, Revolte und Provokation. Ich trennte nicht sauber zwischen Gott und jenen Göttern oder Götzen, von denen ich in einem Liedtext wünschte, sie mögen zugrunde gehen, wenn wir „endlich gottlos“ würden. Ich machte Gott für Kriege, Erdbeben und Hunger, die Sexualmoral des Vatikans und die Politik der CSU verantwortlich - und für das schlimmste „Verbrechen“: die Tatsache, dass es so etwas wie Regeln und Grenzen gibt.
Aber von Anfang an sah ich Gott auch als denjenigen, der in mir sang, der in mir Melodien komponierte, Gedichte schrieb, atmete, lebte und liebte.
Konstantin Wecker im Nachwort zu dem Buch „Die Nachfolge Christi“

Thomas von Kempen, Klassiker des Christentums:
Die Nachfolge Christi, Verlag Rheinischer Merkur und Weltbild, 2007- hier zit. nach Rheinischer Merkur Nr. 17, 26.04.2007


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Ich kam an einer Kirche vorbei und dachte, ich könnte ja mal sehen, was der Herr so meint … Ich hab mich hingesetzt und eine halbe Stunde lang gebetet. Ich bin nach Haus und hab was gegessen, und dann kam der Herr und packte mich. Ein weißes, göttliches Licht legte sich auf mich, und ich war zweieinhalb Tage lang in Trance. Ich war in einem heiteren Zustand. Während der ganzen Zeit war die Seligkeit Jesu bei mir. Ich kam gar nicht auf die Idee, etwas zu essen oder auch nur ein Glas Wasser zu trinken. Ich wusste jetzt, was der Himmel war. Er war pure Ekstase. Der Herr hatte mir einen Vorgeschmack davon gewährt…
Dann war’s wieder weg. Und das war nur gut so. Es brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen machte mir klar, dass ich mich an die Arbeit machen musste.

Kiran Nagarkar, Gottes kleiner Krieger
Büchergilde Gutenberg, Frankfurt 2007

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Der Dichter Christian Morgenstern
lässt Johannes den Täufer das folgende über Jesus sagen:

Siehe! Das ist Gottes Lamm.
Dieser wird für unsre Sünde
Sterben an des Kreuzes Stamm,
dass er allen Völkern künde:
Gott nimmt ihr Geberst auf sich.
Dass fortan die Menschheit wisse:
Träger ihrer Finsternisse
Ist nicht nur ihr kleines Ich.
[Dass fortan die Menschheit wisse:
Träger ihrer Finsternisse
Ist nicht nur ihr kleines Ich.]
Christian Morgenstern: Der Täufer
geschrieben im Jahr 1908

Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel, München: Verlag Kösel 2001

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