Manuskripte

SWR3 Worte

Von einer Nachbarin nach dem Grund seines Fastens gefragt, sagte Herr P.: „Ein alter Arbeitskollege von mir musste aus seiner großen Wohnung umziehen in eine kleine; er sortierte vieles aus, was nicht unterzubringen war, und beschränkte sich auf das Schönste und Nützlichste.
Kurze Zeit später war es ihm möglich, zurückzuziehen. Niemals mehr habe ich eine geschmackvollere Einrichtung gesehen. Seitdem halte ich öfter Umzug.“

Siegfried Macht;
aus Hoffstürmer, Willi: Kurzgeschichten 5, 221; Kurzgeschichten für Gottesdienst, Schule und Gruppe. S. 30.

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Die Elternschaft ist eine riskante Lebensform, das wird oft übersehen. Man braucht Mut. Aber wir kriegen es hin, trotz aller Unzulänglichkeiten. Heutzutage stehen Eltern unter einem wahnsinnigen Druck. Sie sind ständig konfrontiert mit einer Armada von Besserwissern, mit Leuten, die Bücher schreiben, Vorträge halten und im Fernsehen Tipps geben. Aber man muss den Eltern auch mal sagen, dass sie nicht perfekt sein müssen. Hauptsache, sie sind mit Herz und Verstand bei der Sache.

Der Autor und Kolumnist Axel Hacke

Axel Hacke; Am Rande des Irrsinns ist man am besten; Galore, Volume 25, dialog GmbH, Dortmund, S. 82
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Glauben Sie, dass Menschen in den reichen Ländern der Welt echtes Hungergefühl überhaupt noch kennen?

Der Musiker Tom Waits sagt dazu:
Ich bezweifle es. Sie können heute überall essen. Im Auto, auf dem Weg zum Auto. Nehmen Sie die Highways, sie waren für die Beatnik-Poeten wie Lebensadern. Heute sind Highways eine asphaltierte Ausstellungsfläche für Fast Food-Ketten und Möbelhäuser. Wenn Sie heute etwas suchen müssen, dann den Ausweg.

Tom Waits; Wenn sie heute wirklich was suchen, dann den Ausgang
Galore, Volume 25, dialog GmbH, Dortmund, S. 52

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Bob Dylan hat mal erzählt, in seiner Stadt habe es nur einen einzigen Menschen mit einer zwölfsaitigen Gitarre gegeben. Den musste er erst einmal finden – und Sie können sich vorstellen, wie aufgeregt er war, als er ihn zum ersten mal besuchte. Er wird sich darauf vorbereitet haben, vielleicht hat er nachts von dieser zwölfsaitigen Gitarre geträumt. Sie war wie ein Mysterium. Wichtig ist, dass man Hunger auf etwas hat. An allen Wendenpunkten meines Lebens spürte ich großen Hunger. Es ist heute sehr einfach, ein Leben zu führen, ohne jemals ein Hungergefühl zu spüren. Man muss sich selber Hürden aufbauen, um das Essentielle des Lebens zu erfahren. Musik über meinen Computer abzuspielen ist etwas ganz anderes., als die Musik in sich einzusaugen oder sich vor den Spiegel zu stellen und den Sänger zu imitieren. Dann sind sie mehr als ein Konsument, der sich befüllen lässt.

Der Musiker Tom Waits

Tom Waits; Wenn sie was suchen, dann den Ausgang; Galore, Volume 25, dialog GmbH, Dortmund, S. 52
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Der Ausnahmemusiker Tom Waits

Jeder Teenager sitzt abends in seinem Jugendzimmer, geht die Typen in seiner Klasse durch und denkt sich: Ich hätte gerne die Haare von dem, den Musikgeschmack von ihm und die Intelligenz von einem dritten. Jeder Mensch bildet sich in dieser Phase selber aus Stücken von anderen Leuten. Wir sind alle kleine Frankensteins. Irgendwann muss man die große Leistung vollbringen, und sich trotz dieser Kombinationen als Individuum erkennen. Das geht aber nur, wenn man diesen Versatzstücken eigenes Leben und einen eigenen Geist einhaucht. Wenn ich auf der Straße entlang fahre, und wahllos Dinge vom Straßenrand aufpicke, habe ich nachher einen vollen Kofferraum – aber gehaltvoll ist es nicht. Ich muss mir schon überlegen, welche Bedeutung die Sachen haben, bevor ich sie aufnehme.“

Tom Waits; Wenn sie was suchen, dann den Ausgang; Galore, Volume 25, dialog GmbH, Dortmund, S. 52
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Der Modemacher Wolfgang Joop über Reichtum und Genuss:

„Du bist nicht unbedingt genussfähig dadurch, dass du reich bist. Viele reiche Menschen können sich nicht amüsieren. Ich kenne nichts Langweiligeres als Partys mit reichen Leuten, weil vieles so selbstverständlich ist, man freut sich auf nichts. Aber natürlich heult es sich besser auf einem Sofa als auf dem Asphalt.“

Wolfang Joop; Das Fastenlesebuch, Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik, S. 327
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Das wusste Gott offenbar schon bei der Schöpfung, so wie die Geschichte im Buch Mose erzählt ist „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von all seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.“
Mir gefällt daran, dass Gott selbst ruht und den Feiertag heiligt. Konfirmanden haben das einmal so gemalt: Gott in der Hängematte, Coladose in der Hand, lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Auch Gott braucht eine Atempause – und wir Menschen erst recht.“

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann

Margot Käßmann, Fastenkalender Sieben Wochen ohne, 2007 Edition Chrismon
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