Manuskripte

SWR3 Worte

Stell dir ein Stück Brot vor. Du mußt es dir gar nicht vorstellen, es ist genau hier in der Küche, auf dem Brotregal, in seiner Brotdose, neben dem Brotmesser. Das Brotmesser ist ein altes, das du auf einer Versteigerung erstanden hast; das Wort BROT ist in seinen Holzgriff geschnitzt. Du öffnest die Brotdose, schiebst die Verpackung zurück und schneidest dir eine Schnitte ab. Du streichst Butter darauf, dann Honig und dann klappst du es zusammen. Etwas Honig tropft auf deine Finger und du leckst ihn ab. Du brauchst ungefähr eine Minute, um das Brot zu essen.
Stell dir eine Hungersnot vor. Und jetzt stell dir ein Stück Brot vor. Beide Dinge sind real, aber du bist zufällig nur mit einem davon im selben Raum.

Margaret Atwood

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„Gott“ – „Es ist das beladenste aller Menschenworte. Keines ist so besudelt, so zerfetzt worden. Gerade deshalb darf ich darauf nicht verzichten. Wenn ich Gott im einsamsten Dunkel gegenüberstehe und nicht mehr „Er“ „Er“ sage, sondern „Du“, „Du“ seufze und dann hinzufüge „Gott“, dann ist es der wirkliche, der eine Lebendige, der Gott der Menschenkinder, der mich erhört.

Martin Buber
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Das Wörterbuch des Krieges ist von den Diplomaten, den Militärs und den Machthabern gemacht. Es sollte von denen richtig gestellt werden, die aus dem Krieg heimgekehrt sind, von den Witwen, den Waisen, den Ärzten und den Dichtern.

Arthur Schnitzler, Schriftsteller
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Am Freitag habe ich meinen Sohn zum Fußballspiel ins Nachbardorf begleitet. Mit Ausnahme von ein paar zu emotionalen und übermotivierten Zuschauern war es ein schönes Spiel, obwohl wir dieses Mal verloren haben. Nach dem Abpfiff kam mein Sohn weinend zu mir. Ich versuchte ihn zu beruhigen: Es war doch nur ein Spiel. Man kann nicht immer gewinnen. Mein Sohn aber sagte mir, dass er nicht wegen der Niederlage weinte, sondern wegen der Äußerung einer seiner Gegner: „Du bedepperter Afrikaner!“
Ich musste erst tief Luft holen. Mein Sohn meinte, er ist doch auch ein Deutscher. Seine Hautfarbe ist halt nur ein bisschen brauner als die der „puren Deutschen“.
Mein Sohn ist erst acht Jahre und spielt in einer F-Jugend-Mannschaft. Das sind doch alles noch Kinder. Wo kommen diese Vorurteile her? Ich kann es mir nicht vorstellen, dass irgendein Kind selbst auf so eine Idee käme, ohne dass die Erwachsenen es vorgelebt hätten.

Aus einem Leserbrief
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20FEB2007
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Gott, du kennst uns alle:
Du kennst die, die nichts haben. Und du kennst die, die alles haben, dicke Wagen, schöne Häuser und viel Geld. Du kennst die, die nicht genug zu essen haben. Und du kennst die, die halbe Teller voll essen wegschieben.
Wir alle sind deine Kinder. Wir alle brauchen dich. Wir brauchen deine Liebe, damit wir uns gegenseitig lieben können.
Gott, gib unseren Herzen einen Stoß. https://www.kirche-im-swr.de/?m=755
Ein alter Mann, der ahnte, dass er bald sterben würde, sagte: Wenn ich noch einmal zu leben hätte, dann würde ich mehr Fehler machen, ich würde nicht versuchen, so schrecklich perfekt zu sein, dann würde ich mich mehr entspannen und vieles nicht mehr so ernst nehmen, dann wäre ich ausgelassener und verrückter, ich würde mir nicht so viele Sorgen machen um mein Ansehen, dann würde ich mehr Blumen riechen, mehr Kinder umarmen und mehr Menschen sagen, dass ich sie liebe.
Ja, wenn ich noch einmal zu leben hätte, aber ich habe es nicht.

Pfarrer Wilhelm Olschewski

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18FEB2007
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Einmal erzählte Jesus folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So werde ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iß und trink, und freu dich des Lebens! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Aus dem Lukasevangelium
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