Manuskripte

SWR3 Worte

Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
so hab ich erstens den Gewinn,
dass ich so hübsch bescheiden bin.

Zum zweiten denken sich die Leut,
der Mensch ist lauter Redlichkeit.

Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen.

Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,
dass ich ein ganz famoses Haus.

Wilhelm Busch
Ullrich Heidenreich, dem Alltag eine Pause gönnen, Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 2003


https://www.kirche-im-swr.de/?m=550
Das Kind herrscht durch Hilflosigkeit. Es erzwingt Zuwendung. Es macht die Eltern zu Opfern seiner Unwiderstehlichkeit. Deshalb fürchten manche das Kind: es … entlarvt die Vorläufigkeitskultur und es liefert, was verloren war: die Aufforderung, Schutz und Liebe zu geben, Versprechen zu halten, verlässlich zu sein.

Gertrud Höhler
Gertrud Höhler, Jenseits der Gier, Econ, Berlin 2005

https://www.kirche-im-swr.de/?m=549
Jenseits der Gier, heißt der Buch der Unternehmensberaterin Gertrud Höhler. Sie schreibt:
Kinder sind das große Korrektiv, weil sie uns nicht im Kleinen, sondern im Großen fordern.
Kinder sind kein Schnelldurchgang. Sie sind die Generalattacke auf die Vorläufigkeitsstruktur, in der wir leben.
…Was die auswandernden Kinder mitnehmen, ist der Löwenanteil unseres Wertbesitzes. Nicht die silbernen Löffel, sondern die Tugenden, die Erwachsene nur von den Kindern zu lernen bereit sind. Sie sind es, die uns mehr zutrauen als wir uns selbst.
…..Die Mythen haben recht, wenn sie die Rettung immer wieder in die Hand der Kinder legen.

Gertrud Höhler, Jenseits der Gier, Econ, Berlin 2005
https://www.kirche-im-swr.de/?m=548
Nicht weniger Lust, aber Lust auf weniger.
Vom “bigger and more” zum “smaller and less”.
Die Todesstunde der Gier ist
die Geburtsstunde der Lust auf weniger.
Nicht mehr die verpassten,
sondern die passenden Gelegenheiten zählen.
Lust auf weniger ist Lust auf Abstand. Lust auf Unterscheidung.
Lust auf die andern, weil sie anders sind:
Partner für Achtung und Würde, für Stolz und Verbundenheit.

Gertrud Höhler
Gertrud Höhler, Jenseits der Gier, Econ, Berlin 2005
https://www.kirche-im-swr.de/?m=547
Schüttle den Staub der Allgemeinplätze aus deinen Kleidern,
kämme den Flitter billigen Beifalls
dir aus dem Haar,
reinige das Gesicht von der Schminke glatter Verbindlichkeit.
Hör nicht auf das Gelächter des Spotts
Nicht auf das Klingeln der Münzen-
Steig ein in die Barke der Wahrheit
Und steure gegen den Strom

Gretel Zottmann
Ullrich Heidenreich, dem Alltag eine Pause gönnen, Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 2003
https://www.kirche-im-swr.de/?m=546
Herr, segne dieses Chaos!
Segne dieses Montagshaus:
…Die Betten noch nicht gemacht, die Reste vom Brote richten auf dem Tisch, das Wohnzimmer unaufgeräumt.
Segne dieses Chaos und mich,
wenn ich ihm nun zu Leibe rücke.
Ein Montagshaus ist nicht so schlimm wie ein Montagsgehirn.
Das Haus hat Zeit. Aber meine Gedanken müssen gereinigt werden.
Ich wünschte, das ginge mit Schrubber und Besen, Geräte, mit denen ich umgehen kann.
Aber Denken ist schwer und unbequem…
Mit Schrubber und Besen kann ich hantieren,
zur Reinigung meiner Gedanken brauch ich deine Hilfe. Amen.

Jo Carr/ Imogene Sorley,
Ullrich Heidenreich, dem Alltag eine Pause gönnen, Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 2003

https://www.kirche-im-swr.de/?m=545
Die Sehnsucht lässt sich nicht …abspeisen. Sie verlangt immer ein Ganzes, vielleicht sogar das Unmögliche….
Beim Propheten Jesaja überschlagen sich die Bilder der Unmöglichkeit, die er dem Volk Israel in der Gefangenschaft an den Flüssen Babylons vormalt:
die Steppe wird blühen, die Blinden werden sehen, die Stummen werden sprechen, ewige Freude wird sein für alle…..Er sehnt sich nach Utopia, nach dem Land, das es noch nicht gibt….
Jeder Mensch der Sehnsucht ist ein Ausländer- überall.
Schön sind diese Menschen der Sehnsucht in ihrer Freiheit und in ihrer Skepsis den Heimaten gegenüber…sie kennen größere Lieder als die der Heimatkapellen.

Fulbert Steffensky
Vortrag Themenbereich 1: wie können wir glauben, Themenhalle Spiritualität; die große Sehnsucht

https://www.kirche-im-swr.de/?m=544