Manuskripte

SWR3 Worte

13JAN2007
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Der Schriftsteller Kurt Tucholsky hätte diese Woche Geburtstag. 1930 hat er seine „Ratschläge für einen schlechten Redner“ aufgeschrieben:

„Kümmere dich nicht darum, ob die Wellen, die von dir ins Publikum laufen, auch zurückkommen — das sind Kinkerlitzchen.
Sprich unbekümmert um die Wirkung, um die Leute, um die Luft im Saale; immer sprich, mein Guter. Gott wird es dir lohnen.
Wenn einer spricht, müssen die andern zuhören — das ist deine Gelegenheit! Missbrauche sie.“
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12JAN2007
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Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, ist der Welt damit nicht gedient. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du dich herabsetzt, damit deine Mitmenschen sich nicht verunsichert fühlen. Uns allen ist es bestimmt, zu strahlen wie die Kinder.
Und wenn wir unser Licht leuchten lassen, geben wir anderen unwillkürlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Marianne Williamson, US-amerikanische Autorin und Predigerin in ihrem Buch: Rückkehr zu Liebe.
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11JAN2007
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Heute vor 5 Jahren trafen die ersten Häftlinge im US- Gefangenenlager Guantanamo Bay ein. An Guantanamo entzündet sich immer noch die Diskussion, ob dem Staat das Recht eingeräumt werden soll, Folter anzudrohen oder anzuwenden.
Dazu schreibt die Menschenrechtsorganisation amnesty international:


"Wenn der Staat einen Menschen foltert, nimmt er ihm seine Würde. Der Gefolterte wird zu einem Objekt gemacht, das keinerlei Möglichkeiten mehr hat, die eigenen Rechte wahrzunehmen. Die Praxis der Folter kann nicht vom Rest der Gesellschaft getrennt werden;, sie erniedrigt nicht nur ihre Opfer. Sie erniedrigt auch diejenigen, die sie anwenden, die von ihr profitieren, und sie ist der eklatanteste Widerspruch zur Gerechtigkeit, eben jenem Ideal, auf das der Staat seine Autorität zu gründen bestrebt ist.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=406
10JAN2007
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Joachim Ringelnatz spielt in seinem Gedicht "Was dann?" mit dem Gedanken, was nach unserem Tod sein wird.

Wo wird es bleiben,
Was mit dem letzten Hauch entweicht?
Wie Winde werden wir treiben –
Vielleicht!

Werden wir reinigend wehen?
Und kennen jedes Menschen Gesicht.
Und jeder darf durch uns gehen.
Erkennt aber uns nicht.

Ach, sehen wir die dann wieder,
Die vor uns gestorben sind?
Wir, dann ungreifbarer Wind?
Richten wir auf und nieder
Die andern, die nach uns leben?

Wie weit wohl Gottes Gnade reicht.
Uns alles zu vergeben?
Vielleicht? – Vielleicht!
https://www.kirche-im-swr.de/?m=405
09JAN2007
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Wenn man jemanden liebt,
so liebt man ihn nicht die ganze Zeit,
nicht Stunde um Stunde,
auf die ganz gleiche Weise.

Und doch ist es genau das,
was die meisten von uns fordern.
Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens,
der Liebe, der Beziehung.

Wir jubeln der steigenden Flut entgegen,
und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe.
Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren.
Wir verlangen Beständigkeit,
Haltbarkeit und Fortdauer;
Und die einzige mögliche Fortdauer des Lebens
wie der Liebe liegt im Wachstum.
Im täglichen Auf und Ab.

Die amerikanische Schriftstellerin und Flugpionierin Anne Morrow Lindbergh
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08JAN2007
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Oft habe ich beobachten können, daß verbissenes Arbeiten nicht hilft. Wer es aber fertig bringt, einen spielerischen Arbeitstil zu entwickeln, der wird viel weniger angestrengt und kommt schneller ans Ziel.
Ich möchte so arbeiten können, daß ich mich seelisch und körperlich nicht verkrampfe, sondern gelassen bleibe und die Freude am Tun nicht einbüße.

Der Theologe Otto Betz in: Muß Arbeit eine Qual sein?

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07JAN2007
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Der chinesische Mandarin Kao-Tai, der in einer Zeitreise ins heutige München gereist ist, berichtet über seine Erlebnisse mit den modernen Europäern, die er „die Großnasen“ nennt.
„Die Großnasen kennen keinen Kreislauf. Die Großnasen glauben verbissen daran, dass alles sich ständig ändern muß, und selbst die Vernünftigeren sind nicht davon abzubringen, dass das Neue immer zwangsläufig besser ist als das Alte.
Fortschritt – sie schreiten fort. Sie schreiten fort - von allem.
Die Großnasen werden weiter fortschreiten, und nur mit Grauen kann man daran denken, wohin sie es in weiteren tausend Jahren gebracht haben werden.“

Der Schriftsteller Herbert Rosendorfer in seinem Roman: Briefe in die chinesische Vergangenheit
https://www.kirche-im-swr.de/?m=402