Manuskripte

SWR3 Worte

Ein König, der alt geworden war, wollte einen seiner beiden Söhne zum Nachfolger bestimmen. Er stellte ihnen einen Aufgabe: Sie sollten die große Halle im Königspalast bis zum Abend mit etwas füllen, was sie mit 25 Silberstücken kaufen konnten.
Der Ältere kaufte für 5 Silberstücke Stroh und ließ damit die große Halle füllen. „Du kannst mich zu deinem Nachfolger machen, mein Bruder wird nichts mehr schaffen.“ Der Vater aber wollte bis zum Abend warten. Kurz vor Sonnenuntergang kam der jüngere Bruder. Der bat darum, das Stroh aus der Halle herauszuschaffen. Das geschah. Dann zündete er ein Licht an und stellte es in die Mitte der Halle. Es erfüllte den ganzen Raum bis in die letzte Ecke hinein. Der wurde der Nachfolger des Königs.

Udo Körner, Licht (Leicht gekürzt)
in: Dem Wort eine Tür öffnen, Grünewald, 1996, S. 66

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Wer mit drei Kindern in einem deutschen Lokal isst, wird ununterbrochen gemustert. Die Kiefer mahlen, die Gespräche verstummen, die Gesichter werden starr, alles blickt, blickt, blickt: Was haben denn dieses Leute für Kinder? Schmieren alles voll. Sitzen nicht still. Spielen mit dem Besteck. Geh mit drei Kindern in ein deutsches Lokal, und du weißt, warum es in diesem Land so wenig Kindergärten gibt. Man sieht das in den Blicken. Oder wenn du schon gehen musst, nimm dir einen Kerl wie den kleinen Max mit. Der ist mal zum Nebentisch gegangen, hat sich vor einer Frau aufgebaut, die immerzu zu uns herübergeguckt hatte, und hat gerufen: „Man isst nicht mit vollem Mund!“

Axel Hacke, Der kleine Erziehnungsberater
Verlag Antje Kunstmann, München 1992

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Das ist übrigens das Wichtigste: Zuhören können, den anderen einfach mal alles erklären lassen. [...] Ich lasse mir oft von Leuten ihren Beruf haarklein erklären, obwohl ich gar nichts davon verstehe. Aber der andere erzählt mir dabei sein ganzes Leben. Und ich sehe, wie er immer leidenschaftlicher wird. Vor einer halben Stunde war er noch apathisch und verbittert und seine kleine Frau saß ganz klein und schüchtern neben ihm.
Und jetzt sind beide nicht mehr zu bremsen und sie erzählen und erklären und beschreiben und machen und tun, bloß, weil jemand sie gefragt hat: „Wie geht's Ihnen?“ und „Was machen Sie? Erzählen sie doch mal!“

Hanns Dieter Hüsch, Zuhören
in: Ein gütiges Machtwort, S. 165. tvd-Verlag Düsseldorf, 2006


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Bono Vox Sänger von U2 engagiert sich gegen die Armut in der dritten Welt. Hier ein Statement von ihm:

„Neil Armstrong ging 1969 auf dem Mond spazieren und sagte „Seht, wie weit wir es gebracht haben, was wir erreichen können“. Er definierte in diesem Moment die finanzielle Feuerkraft, den technologischen Fortschritt einer ganzen Nation. Das haben wir – also meine Generation – bisher nicht getan. Wir haben so viel Macht und Wohlstand angehäuft und noch nicht gezeigt, was man damit erreichen kann – und zwar nicht für einige wenige Menschen, sondern für möglichst viele. Das Leid auf der Welt ist nicht notwendig.“

Bono Vox Das Nichtwissen löst die große Panik aus.
Galore, Volume 24, dialog GmbH, Dortmund

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Wissen kann man mitteilen, Weisheit aber nicht.
Man kann sie finden, man kann sie leben,
man kann von ihr getragen werden,
man kann mit ihr Wunder tun,
aber sagen und lehren kann man sie nicht.

Hermann Hesse, Wissen und Weisheit
in Geheimnis der Seele, Herder Verlag 1998

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Fünf Vorsätze für jeden Tag von Mahatma Gandhi
Ich will bei der Wahrheit bleiben.
Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen.
Ich will frei sein vor Furcht.
Ich will keine Gewalt anwenden.
Ich will in jedem zuerst das Gute sehen.

Mahatma Gandhi, Fünf Vorsätze,
Beim Wort genommen, Hans-Martin Lübking/Günter Törner (Hg.) Gütersloher Verlagshaus, 2002

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Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar.
So will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsere Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unseren aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das du uns bereitet hast.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten wunderbar geborgen
Gesangbuchverlag, Stuttgart

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