Manuskripte

SWR3 Worte

Götz Werner, Inhaber der Drogeriemarktkette dm, in einem Interview:
Die meisten Menschen tragen seltsamerweise zwei Menschenbilder in sich - eines von sich und eines von den Mitmenschen. In dem ersten, spirituellen Bild ist der Mensch ein mit Vernunft und Freiheit begabtes Wesen. In dem zweiten, materialistischen Bild gleicht der Mensch eher einem Tier, da erscheint er als determiniertes Reizreaktionswesen. Diese Vorstellung spiegelt sich in dem Satz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Aus: „Die Tageszeitung“ vom 27.11.06, S. 5 (Nettozeit: 28,68)

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Götz Werner, Inhaber der Drogeriemarktkette dm, in einem Interview:
Wir haben ein kulturelles Problem. Zum ersten Mal nach über 5.000 Jahren Menschheitsgeschichte leben wir im Überfluss. Aber wir kommen mit dieser neuen Wirklichkeit nicht klar. Wir schaffen es nicht, dass alle Menschen davon profitieren und daran teilhaben.

Aus: „Die Tageszeitung“ vom 27.11.06, S. 4 (Nettozeit: 15,81)


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Ihr wisst, dass es heißt: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die linke hin. Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm auch den Mantel dazu. Und wenn jemand dich zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm zwei. Wenn jemand dich um etwas bittet, gib es ihm; wenn jemand etwas von dir borgen möchte, sag nicht nein.

Evangelium nach Matthäus, aus: Gute Nachricht Bibel, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2000 (Nettozeit: 30,88)

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Was geschieht, wenn sich in einer großen Menge Menschen unvermittelt zwei Augen-Blicke treffen. Warum gerade dieser Augenblick und kein anderer? Was solche Blicke zuweilen auslösen, wenn sie uns wirklich treffen, verstecken wir in der Gefrierkammer der Konventionen. Was wäre, wenn dich so der Blick Gottes träfe? Könntest du ihm standhalten?

Michael Albus, Gezeiten. Vom Vorkommen und Verschwinden Gottes, Düsseldorf: Patmos 1993, 133 (Nettozeit: 21,36)

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Eine jüdische Geschichte erzählt von einem Rabbi, dem seine Schüler die Nachricht brachten: „Der Messias ist gekommen!“ – Der Rabbi stand auf, ging ans Fenster, blickte auf die Straße, kam zurück und setzte sich wieder hin. „Was ist nun? Was sollen wir tun?“ fragten die Schüler. „Nichts sollt ihr tun, weiterlernen sollt ihr“, sagte der Rabbi. „ Wie kann der Messias gekommen sein, wenn nichts in der Welt sich verändert hat?“

nach: Michael Albus, Gezeiten. Vom Vorkommen und Verschwinden Gottes, Düsseldorf: Patmos 1993, 90 (Nettozeit: 28,24)

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Nächstenliebe ist Liebe zwischen Gleichen. Aber selbst die, die uns gleichen, sind nicht einfach uns „gleich“. Insofern wir Menschen sind, sind wir auf Hilfe angewiesen – heute ich, morgen du. Aber dieses Angewiesensein auf Hilfe heißt nicht, dass der eine hilflos, der andere mächtig ist. Hilflosigkeit ist ein vorübergehender Zustand; die Fähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen und zu laufen, ist dagegen der bleibende, allen gemeinsame Zustand.
Demnach ist die Liebe zum Hilflosen, die Liebe zum Armen und zum Fremden der Anfang der Nächstenliebe ... Erst in der Liebe zu denen, die für uns keinen Zweck erfüllen, beginnt die Liebe sich zu entfalten.

Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, Frankfurt/Berlin/Wien: Ullstein 1980, 59f
(Nettozeit: 45,55)

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Die fundamentalste Art von Liebe, die allen anderen Arten zugrunde liegt, ist die Nächstenliebe. Damit meine ich ein Gespür für Verantwortlichkeit, Fürsorge, Achtung und Erkenntnis, das jedem anderen Wesen gilt, sowie den Wunsch, dessen Leben zu fördern. Es ist jene Art der Liebe, von der die Bibel spricht, wenn sie sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, Frankfurt/Berlin/Wien: Ullstein 1980, 58
(Nettozeit: 24,50)

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