Manuskripte

SWR3 Worte

Ich habe zum Essen eingeladen....
In aller Frühe habe ich mit der Zubereitung von „Bœuf bourguignon“ begonnen. Feinste Zutaten, Gemüse, Kräuter, Gewürze haben nach all der Schnibbelei drei Stunden in Burgunder sanft geköchelt. Dann ein letztes Abschmecken [...] eine kleine Prise Salz fehlt noch.
Vor meinen entsetzen Augen löst sich der Deckel des Salzfässchens und verschwindet mit dem gesamten Inhalt in der köchelnden Masse. Herausheben läst sich nicht mehr viel. Hoffnungslos versalzen. [...]
Hektisch sage ich allen Gästen am Telefon ab.
Die Tränen sitzen locker. All die guten Zutaten weggekippt, die Arbeit umsonst, ein Abend allein. [...]
Da klingelt es an der Tür. Und da sind meine Gäste! Wir stehen zusammen in der Küche und machen aus allen, was sie aus ihren Vorräten mitgebracht haben, ein bunt zusammengewürfeltes Menü. Dabei erzählen sie fröhlich, was ihnen schon alles im Leben misslungen ist.
Es dauert nicht lange, bis ich mich von ihrem Lachen anstecken lasse.

Karin Ulrich, Mitarbeiterin der Redaktion „Der andere Advent“
Hoffnungslos?
In: Der andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 27. November 2005 bis 6. Januar 2005, Hamburg 2005, Text vom 19.12.05.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=264
Alle gewöhnliche Gewalt in dieser Welt schafft sich selber ein Grenze,
denn Gewalt erzeugt eine Gegengewalt, die ihr früher oder später ebenbürtig oder überlegen sein wird.
Die Gütigkeit aber wirkt einfach und stetig. Sie erzeugt keine Spannungen, durch die sie sich selbst aufhebt.
Güte entspannt bestehende Spannungen. Sie beseitigt Misstrauen und Missverständnisse. Indem sie wiederum Gütigkeit weckt, verstärkt sie sich selber.
Deshalb ist sie die zweckmäßigste und intensivste Kraft. Was ein Mensch an Gütigkeit in die Welt hinausgibt, das arbeitet an den Herzen der Menschen und an ihrem Denken. [...] Eine unermessliche Wahrheit liegt in dem Worte Jesu: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

Albert Einstein
Ehrfurcht vor dem Leben. Geschenk der Stille. Hrsg. v. Hedwig-Maria Winkler und Erwin Brandes. Brunnquell-Verlag Metzingen 1977

https://www.kirche-im-swr.de/?m=263
Du darfst nicht erwarten, dass sich alle freuen,
wenn Du sagst, was Du fühlst und denkst.
Du darfst nicht erwarten, dass alle applaudieren,
wenn du machst, was Dir letztlich richtig scheint.
Du darfst nicht erwarten, dass es keinen Widerstand gibt,
wenn Du [...] Deinen Weg konsequent gehst.
Und doch:
Es ist die einzige Möglichkeit
Dir selbst treu zu bleiben und glücklich zu werden.

Max Feigenwinter
In: Dem Glück auf der Spur. Inspirationen zur Bergpredigt. Eschbach (Verlag am Eschbach der Schwaben Verlag AG) 2004



https://www.kirche-im-swr.de/?m=262
Heute am Nikolaustag vor 16 Jahren demonstrierten auf Deutschlands Straßen viele Hunderttausende Menschen:

Rostock, Hoyerswerda, Mölln, Solingen: Das waren die Orte, von denen die Schreckensmeldungen ... über Angriffe auf Aussiedler, Übersiedler, Asylsuchende oder ausländische Studenten ausgingen. ... In vielen Städten scharten sich damals die Bürgerinnen und Bürger zu Lichterketten zusammen, um ihre Abscheu gegen die mit den Ausschreitungen zutage tretende Ausländerfeindlichkeit zu demonstrieren...
Die größte Menschenmenge fand sich ... in München zusammen: 400.000 sollen es gewesen sein. ...
Im ... Rundfunk hieß es damals: Als Münchens Glocken läuteten, war die Demonstration vieler, die noch nie demonstriert hatten, geglückt. Dicht an dicht standen die Menschen mit Laternen, Kerzen, Taschenlampen und Fackeln. Sie setzten ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass.

Otto Busch
Internet: www.kalenderblatt.de, DW-World.de Deutsche Welle. Kalenderblatt, Mi. 6. Dezember 2006, Themen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=261
Auf die Frage, was ein guter Mensch sei, antwortet Peter Maffay:

Ein guter Mensch ist jemand, der zulässt, hin und wieder Kind zu sein,
der zulässt, dass die kindlichen Anlagen rauskommen, die in jedem von uns stecken.
Ein Mensch, der die Ernsthaftigkeit oder Verbogenheit, die wir alle irgendwann im Lauf der Zeit erfahren, auch mal zu ignorieren versucht, der sein kann wie die Kleinen: neugierig, frech, positiv und ohne Angst.

Peter Maffay
Es gibt keine andere Alternative, als an das Gute zu glauben.
In: Hanno Gerwin: Was Deutschlands Prominente glauben. Gespräche mit Franziska van Almsick und vielen weiteren Stars. Gütersloh 2005

https://www.kirche-im-swr.de/?m=260
Eine Zeitungsausträgerin über ihre Erfahrungen mit der frühen Morgenstunde:

Das Wesentliche ist das Leben mit dem Morgen. Diese Stille – nur meine Schritte sind zu hören und hin und wieder ein Radgeräusch von meinem Zeitungskarren.
Ich habe vorher gar nicht gewusst, wie schön der Morgen ist. Es ist richtig spannend, denn jeder Tagesanfang ist anders:
Im Frühling, wenn die Sonne schon aufgegangen ist – was für ein Fest, und wie die Vögel singen; ach, singen ist eigentlich gar kein Ausdruck dafür! ...
Oder im Herbst, wenn die Straßen voll Nebel sind und vor mir ein fallendes Blatt auf die Straße rieselt. Oder die ersten Sonnenstrahlen auf dem ersten Schnee im Dezember! ...
Es ist für mich ein Abenteurer, zu erleben, dass die Sonne an jedem Tag völlig verschieden aufgeht, dass jeder Anfang des Tages ein Wunder ist.

Christa Meves
Gemütlich leben – oder leben aus dem Gemüt?
Geschenk der Stille. Brunnquell-Verlag Metzingen 1977

https://www.kirche-im-swr.de/?m=259
Das Volk, das noch im Finstern wandelt,
bald sieht es ein großes Licht.
Heb in den Himmel Dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
Die Liebe geht nicht mehr verloren.
Das Unrecht stürzt in vollem Lauf.
Der Tod ist tot.
Das Volk jauchzt auf und ruft: „Uns ist ein Kind geboren.“

Jürgen Henkys in Anlehnung an Jes 9,1-5.
Evangelisches Kirchengesangbuch. Ausgabe für die Landeskirche in Württemberg. Stuttgart 1996, S.83f


https://www.kirche-im-swr.de/?m=258