Manuskripte

SWR3 Worte

Der bekannte Komponist Karlheinz Stockhausen sagte einmal:
Ich bin ein Gottsucher und ein Gotteskind.
Denn für mich ist nichts denkbar ohne den universalen Geist,
der das Ganze lenkt – und ich bin ein Teil dieses Ganzen.
Ich bete täglich mehrmals, denn ich lebe in und mit der Natur.
Aber mein Interesse gilt auch der Welt der Technik und der Forschung,
denn ich spüre, dass auch die moderne Welt
geheimnisvoll und phantastisch ist.
Der Grundton meines Gebets
ist daher die Bewunderung der genialen Schöpfung.

Karlheinz Stockhausen im Gespräch mit Felix Schmidt, Hat man Töne? Portraits bedeutender Musiker unserer Zeit, Kindler-Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=88
Der berühmte Geiger Yehudi Menuhin sagte einmal:
Meditation muss nicht allein im Namen Jesu,
Buddhas oder eines anderen geübt werden.
Sie kann auch für sich allein sein. Einfach sein. Namenlos.
Auch Musik ist eine Form der Meditation.
Es existiert vermutlich bereits im Kind dieses Gefühl
für Unendlichkeit, Leid, Freude, Kampf und Träume.
Das sind die eigentlichen Elemente des Lebens,
die dann ergründet, erfahren und durchlebt werden.
Insgeheim sind sie gewiss in jeder lebendigen Zelle vorhanden
und ebenso gewiss schon im Kind kurz vor der Geburt.

Yehudi Menuhin, Kunst als Hoffnung für die Menschheit – Reden und Schriften, Piper-Taschenbuch
https://www.kirche-im-swr.de/?m=87
In den meisten Kulturen hat die Musik mit Religion zu tun – auch bei uns.
Die Musik ist ein unerklärbares Geschenk aus einer anderen Welt,
eine Sprache des Unsagbaren,
die aber manchen letzten Wahrheiten und geheimnisvollen Erlebnissen
näher kommt als die Sprache der Worte.
Denn Worte sind oft so schrecklich einfach
mit ihrer unmenschlichen Klarheit
und ihrem oft tödlichen Ja oder Nein.

Nikolaus Harnoncourt, Die Macht der Musik – zwei Reden Residenz-Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=86
Die russische Komponistin Sofia Gubaidulina sagt:
„Religion ist das Wichtigste im Leben der Menschen überhaupt.
Heute existiert die Gefahr, die Religion zu verlieren.
Sogar in Ländern, wo Religionsfreiheit herrscht, habe ich bemerkt,
dass Menschen wissentlich unreligiös sind.
Bei uns ist das anders:
Wenn Menschen bei uns in die Kirche gehen,
dann gehen sie nicht nur aus Überzeugung.
Sie gehen aus innerer Notwendigkeit.“

Sofia Gubaidulina im Gespräch mit Michael Kurtz, Annäherung an sieben Komponistinnen, hg. v. Brunhilde Sonntag u.a., Furore-Verlag

https://www.kirche-im-swr.de/?m=85
Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder sagt über das Beten:
Ich bete vor den Spielen.
Aber nur, damit ich und meine Familie gesund bleiben.
Ich würde nie für einen Sieg beten –
außerdem wäre in der anderen Mannschaft doch schon einer,
der auch um den Sieg betet.
Aber nach großen Erfolgen ist es mir schon wichtig,
eine Kerze anzuzünden und Danke zu sagen für die Chance,
die man im Leben bekommen hat. “

Christoph Metzelder im Gespräch mit Michael Horeni, Gott zeigt sich nicht in neunzig Minuten, FAZ 20. Mai 2006
https://www.kirche-im-swr.de/?m=84
Ein alter Mann sitzt in einem Bus.
In seinem Arm hält er einen wundervollen Blumenstrauß.
Eine junge Frau kann ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen.
Immer wieder schaut sie zu den bunten Blüten.
Kurz vor der nächsten Haltestelle erhebt sich der Mann
und geht zu der Frau: „Gefällt Ihnen der Strauß?“
Er reicht ihr die Blumen und sagt: „Die sind eigentlich für meine Frau.
Aber ich denke, sie wäre einverstanden, wenn Sie die Blumen bekommen.
Ich gehe jetzt zu ihr und erzähle ihr,
dass ich ihnen die Blumen geschenkt habe.“
Erstaunt nimmt die Frau den Strauß.
Als der alte Mann aussteigt, sieht sie ihm nach.
Er geht durch ein Tor, das auf den Friedhof führt.

zitiert nach „Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten“ Fußspur Gottes Andere Zeiten e.V., Hamburg
https://www.kirche-im-swr.de/?m=83
Die Schauspielerin Penélope Cruz sagt:
„Ich kenne den Tod.
Im letzten Jahr wäre ich beinahe mit dem Flugzeug abgestürzt.
Aber in diesem Moment dachte ich weniger an mich selbst,
sondern an meine Angehörigen und Freunde.
Ich fragte mich, wie sie damit umgehen würden
und ob ich ihnen gegenüber immer ehrlich war.
Für mich selbst dagegen hatte ich keine Angst.
Ich sehe im Tod nur eine andere Stufe unseres Daseins.“

Penélope Cruz im Gespräch mit Rüdiger Sturm, Schöne Pendlerin; in: Treffpunkt Kino 8/2006, S. 27
https://www.kirche-im-swr.de/?m=82