Manuskripte

SWR3 Worte

Kann man zuviel hoffen? Der Autor und Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer meint:

In unserer gegenwärtigen Situation scheint mir beides gleich gefährlich: zu viel zu hoffen, zu wenig zu hoffen.
Zu viel wäre es, zu hoffen, dass wir in unserer Energie verzehrenden Konsumgesellschaft, für deren Stabilisierung wir drei oder mehr Erden bräuchten, so weiterleben können wie bisher. Zuwenig wäre es, nicht zu hoffen, dass die Menschheit in der Lage ist, einen selbst inszenierten Untergang aufzuhalten.

Wolfgang Schmidbauer, Hoffen - nicht zu wenig, nicht zu viel, in: Hoffnung - Was Menschen bewegt, Gabriele Hartlieb, Kreuz-Verlag 2010.

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Martin Buber schildert die Geschichte von Rabbi Schmelke, der seine Arbeit auch nachts nicht loslassen konnte und daher im Sitzen schlief, zwischen den Fingern eine brennende Kerze, deren Flamme ihn wecken sollte, wenn er zu lange schlief. Rabbi Elimelech bereitete ihm ein Ruhebett und überredete Rabbi Schmelke, sich darauf auszustrecken. Dann verhüllte er das Fenster. Rabbi Schmelke erwachte erst am hellen Morgen - ohne Reue. Er empfand eine ungekannte Klarheit. Er predigte wie nie zuvor. Später sagte Schmelke zu Elimelech: „Jetzt erst habe ich erfahren, dass man Gott auch mit dem Schlafe dienen kann."

Gefunden in: Evangelischer Lebensbegleiter, Norbert Dennerlein und Martin Rothgangel (Hrsg.), Gütersloher Verlagshaus, Güthersloh 2008.

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Hast Du schon mal Gott erlebt? Lena, 16 Jahre alt, meint:

Ich weiß nicht, ob er's war, aber ich war mit meinen Freundinnen beim Zelten und ich hab dann abends, als wir schon fast eingeschlafen waren, an Gott gedacht und ihm für den schönen Tag und den Spaß und meine Freundinnen gedankt. Dann wurde es plötzlich voll komisch: Das Zelt hat sich so aufgebläht durch einen Windstoß, und die Luft war plötzlich warm. Im Mondlicht sah alles im Zelt so leicht orange aus. Ich hatte voll Gänsehaut, aber überhaupt keine Angst. Ich glaub, da hab ich Gott gespürt. Das Ganze ging nur eine halbe Minute oder so und danach war alles wieder ganz normal. Aber irgendwie voll friedlich.

Aus: if god is a dj, Projektgruppe Jugend und Religion, Religiöse Vorstellungen von Jugendlichen, Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, Berlin in Zusammenarbeit mit dem Verlag Thomas Tilsner

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Mann und Frau haben ihre Rolle gefunden und möchten sie nicht leichtfertig aufgeben. „Ich bin doch nicht verrückt!" Warum eigentlich nicht? Es ist wunderbar, ab und zu von sich selber abzurücken. Einfach mal nachzugeben. Dir zuliebe. Früher zum Flughafen fahren, weil sie es nicht leiden kann, wenn man auf die letzte Sekunde angekeucht kommt. Zum Radfahren feste Schuhe statt Schlappen anziehen, weil er Sorge hat, dass sie sich verletzt. Einen Film anschauen, den man selber nie ausgesucht hätte - einfach weil der andere ihn sehen will und glücklich ist, wenn man an seiner Seite sitzt.

Die Theologin Susanne Breit-Keßler
Chrismon-Magazin 9/2011

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Die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, wurde für ein paar Monate aus der DDR ausgewiesen, obwohl sie es nicht wollte. Über ihren Aufenthalt 1988 im Westen schreibt sie in ihr Tagebuch:

Zum ersten Mal im Kaufhaus. [...] Obwohl alles besser aussieht als in der DDR, ist es für die Müllkippe gemacht. Kurzlebig. Dieser Geist schwebt über allem. Im Café bekommen wir sofort einen Platz. Ich sehe mir die Menschen an und denke, dass ein Film realistischer ist. Diese hier tragen fast alle die Maske des Nicht-mehr-Erschütterbaren. Ganz selten ein richtiges Gesicht. Fast immer sitzt es auf der Erde und hält eine Hand auf.

Bärbel Bohley, Englisches Tagebuch 1988, Basisdruck Verlag, Berlin 2011

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Dagmar Reim Intendantin von Radio Berlin Brandenburg vertraut auf Gott. Sie sagt:

Als sich ein Freund umgebracht hat. Das hat (damals) eine tiefe Verzweiflung in mir ausgelöst. Ich hatte den Eindruck ins Bodenlose zu fallen. Ich habe Gott vorgeworfen, dass er sich abgewendet und das zugelassen hat. Ich habe gehadert, ich habe mir eine Auszeit von ihm genommen. Irgendwann jedoch kam Gott wieder ins Spiel. [...] und ich habe gelernt, meinen Frieden zu machen. Niemand konnte diesen Freund halten, aber ich habe die Zuversicht gewonnen, dass doch einer da ist, der ihn hält. Ich habe Gott in Haftung genommen, ich habe gesagt: „Du muss dich jetzt um ihn kümmern. Ich kann es nicht mehr[...]" Ich glaube, dass Gott das tut. Ich würde es ihm auch raten.

Chrismon-Magazin 9/2011

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