Manuskripte

SWR3 Worte

29SEP2020
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Die Journalistin Valerie Schönian meint, dass Gott uns von allem Schlechten befreien könnte. Er tut es aber nicht. Sie schreibt:

 

Wenn es Gott gibt, dann hat er uns die Freiheit geschenkt; und dann ist sie absolut. Dann endet sie auch nicht, wenn wir leiden. Auch dann nicht, wenn wir anderen Leid zufügen. (…) Egal, wie grausam es ist. Egal, wie (…) ungerecht. Aber: Gott ist dann trotzdem einer von uns. Er (…) verändert nicht die Welt. Weil das sein Geschenk an uns war: dass das nur wir können.

 

Aber er kann uns verändern. Er kann uns Kraft geben, zu ändern; die Stärke, auszuhalten. (…) Wenn er uns alles Schlechte nehmen würde, dann würde er unserem Leben die Tiefen nehmen, und damit auch die Höhen. Dann nimmt er uns auch (…) das Verlieren, das Gewinnen. Das Zusammenbrechen aus Angst, das Schreien vor Glück. Wenn es Gott gibt, könnte er uns von allem Schlechten befreien, aber er würde uns dann doch das Menschsein nehmen.

 

Quelle:
Valerie Schönian: Halleluja, Piper-Verlag München 2018, Pos 3254

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31759
28SEP2020
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Die Religionswissenschaftlerin und Autorin Esther Maria Magnis schreibt:

 

Wer beginnt, „Ich“ zu sagen, der hat (…) die unsichtbare Welt betreten. Der meint nicht allein seine DNA, nicht allein die kindliche Prägung, nicht das Lächeln, nicht die Augen, nicht die Haut, sondern das Dahinter, was geliebt werden kann, was durchdringt oder sich versteckt, was man ahnen kann. Wer beginnt „Ich“ zu sagen, der meint das bisschen Freiheit, das der Mensch vielleicht hat, was uns ermöglicht, einen Namen zu tragen und keine Nummer.

 

Quelle:

Esther Maria Magnis: Gott braucht dich nicht, Rohwolt Verlag, Reinbek 2012, Pos. 1736 ff

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31758
27SEP2020
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Der Theologe und Schriftsteller Jörg Zink hat Folgendes beobachtet:

Als ich neulich in der Stadt unterwegs war, sah ich, dass einige Kinder auf einem großen Platz miteinander spielten. Sie zielten mit Stöcken aufeinander und riefen laut: „Peng, peng“. Auch die Kleinsten spielten mit. Auf einer Parkbank saß ein alter Mann. Eine Zeit lang schaute er sich das Spiel an, dann ging er entschlossen zu ihnen und sagt: „Spielt doch nicht Krieg, Kinder!“ Es klang nach einer Bitte und machte die Kinder irgendwie betroffen. Kurz zogen sie sich an eine Mauer zurück und flüsterten miteinander. Dann gingen sie zurück zu dem Mann, der immer noch dort stand, und eines der Kinder fragte ihn: „Wie spielt man Frieden?“

 

Quelle:

Bistum Essen (Hg): Essener Adventskalender 2019 „Friedenszeichen“, Essen 2019, Seite: 1. Dezember

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31757