Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Die Welt ist aus den Fugen! Jeden Tag gibt es neue Nachrichten, die dieses Empfinden in mir stark machen und mich unruhig werden lassen. Etwas, das aus den Fugen ist, ist nicht mehr in der vertrauten Position. Ist in Unordnung, ja in Auflösung geraten. Und wenn’s die ganze Welt betrifft, dann heißt das doch: Die Welt hat ihre innere Stabilität verloren hat und ihr bisher tragendes Ordnungsgefüge eingebüßt.

Mir geht derzeit immer wieder ein Satz aus einem Brief des Apostels Paulus durch den Kopf. Aus zwei Teilen besteht dieser Satz: Zunächst: „Gott ist kein Gott der Unordnung.“ (1. Korinther 14,33) Gott will nicht, dass alles in sich zusammenfällt. Eigentlich versteht sich das doch von selbst. Das aus den Fugen, das außer Rand und Band Geratene – das ist doch ein Widerspruch zu dem, was ich mit Gott in Verbindung bringe. Gott ist doch eher das Gegenteil. Aber was ist dieses Gegenteil? Nein, eben nicht einfach irgendeine Ordnung. Zumindest nicht nach dem Satz aus der Bibel. Denn der geht überraschenderweise ganz anders weiter. Da heißt es: „Gott ist ein Gott des Friedens.“ Frieden also statt Ordnung? Ja, wenn Ordnung nicht ein stabiles Rechtsgefüge, eine Rechtsordnung meint, die Gerechtigkeit garantiert. Sondern in dem Sinn zu verstehen ist, wie bei denen, die sich eine Welt mit Law and order, mit Recht und Ordnung herbeisehnen und genau deshalb die Freiheit ihrer Mitmenschen unterdrücken. 

Politisch haben das schon viele probiert im Verlauf der Weltgeschichte. Aber diese starren Ordnungen haben meist nicht lange gehalten. Frieden, das ist für mich eher ein Zustand, der Spannungen nicht einfach wegdrückt, sondern aushält. Der einen Zustand ermöglicht, der das Zusammenleben dennoch gelingen lässt.

Was die Welt, die aus den Fugen ist und deshalb so viele in Unruhe stürzt, nötig hat, ist nicht ein starres inneres Gefüge. Um zu mehr Stabilität und auch zu mehr Frieden zurückzufinden, sind neue Wege des Miteinanders nötig, die gewagt und ausprobiert werden müssen. Gut, dass Gott nicht ein Gott ist, der irgendwelche Ordnungen mit Macht durchsetzt. Die Welt ist aus den Fugen. Aber Gott ist ein Gott des Friedens, der Menschen befähigt mitzuhelfen, die aufgetretenen Verwerfungen und Fugen von Neuem zu schließen. Das lässt mich dann doch immer wieder zuversichtlich in die Zukunft schauen.

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