Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Großeltern sind ein Segen. Das habe ich schon als Kind gespürt, wenn ich bei meiner Oma sein konnte. Und das merke ich an unseren eigenen Kindern.

Aber was macht die Großeltern für ihre Enkelkinder so besonders? Warum tut es Kindern so gut, Zeit mit Oma und Opa zu verbringen? Das Wichtigste ist sicher schon einmal, dass sie – oft im Gegensatz zu den Eltern – Zeit haben und sie sich nehmen. Aber ich glaube, es ist noch mehr.

Die amerikanische Ärztin und Autorin Rachel Naomi Remen erzählt, wie sie als Kind die Freitagnachmittage bei ihrem jüdischen Großvater verbracht hat. Wenn die beiden ihren Tee getrunken hatten, zündete der Großvater Kerzen an und sprach ein Gebet. „Ich wartete geduldig“, schreibt Remen, „denn ich wusste, jetzt würde gleich der beste Teil der Woche kommen“. Der Großvater legte dem Mädchen die Hände auf den Scheitel. „Dann“, so Remen weiter, „begann er stets, Gott dafür zu danken, dass es mich gab und dass Er ihn zum Großvater gemacht hatte. Er sprach dann immer irgendwelche Dinge an, mit denen ich mich im Verlauf der Woche herumgeschlagen hatte, und erzählte Gott etwas Echtes über mich. […] Wenn ich während der Woche irgendetwas angestellt hatte, dann lobte er meine Ehrlichkeit, darüber die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn mir etwas misslungen war, dann brachte er seine Anerkennung dafür zum Ausdruck, wie sehr ich mich bemüht hatte. […] Und dann gab er mir seinen Segen […].“

In dieser Erzählung wird wunderbar deutlich, was für mich das Geheimnis der Großeltern ist: Großeltern freuen sich an ihren Enkelkindern – so wie sie sind. Sie haben nicht den Druck der Eltern, sie zu erziehen, zu fördern, fit fürs Leben zu machen. Großeltern haben Geduld mit den Enkeln, geben ihnen Raum und Zeit, lassen sie einfach sein. Und so geben sie ihnen auf ihre Weise ihren Segen. Meist nicht so direkt wie der Großvater in der Erzählung. Aber auch da, wo es nicht ausgesprochen wird, spüren Kinder: Hier darf ich sein, wie ich bin. Hier werde ich geliebt – nicht für mein vorbildliches Verhalten oder für meine guten Leistungen, sondern einfach um meinetwillen.

Und ich glaube: Das ist es, was segnen bedeutet. Und das ist es, was in unzähligen biblischen Geschichten auch von Gott erzählt wird. Großeltern sind ein Segen. Weil sie ihren Enkeln – ausgesprochen oder unausgesprochen – ihren Segen geben. Das habe ich als Kind gespürt: Ich merke es als Mutter. Und ich bin dankbar dafür.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26497

Netiquette

Anregungen, Lob, Kritik - hier können Sie sich zu unseren Sendungen im SWR äußern.

Ihre Kommentare werden moderiert und dann so bald wie möglich freigeschaltet.

Wir bitten Sie aber, bei Ihren Beiträgen folgendes zu beachten:
Ein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars besteht grundsätzlich nicht.
Ihre Kommentare sollten fair und sachlich gehalten sein. Wir bitten Sie die folgende Richtlinien bei Ihren Kommentaren zu kirche-im-SWR.de zu beachten.

Kommentare dürfen nicht

  • strafbar oder die Rechte Dritter verletzend
  • gegen die guten Sitten verstoßend
  • beleidigend oder ehrverletzend
  • politisch oder religiös extrem
  • Religionen, Weltanschauungen, Menschen pauschal verurteilend
  • fremdsprachlich
  • pornographisch, obszön oder jugendgefährdend
  • unsinnig oder anderweitig inakzeptabel sein.
  • Kommentare sollen sich auf Sendungen der Kirchen im SWR Programm beziehen.
  • Es dürfen keine Beiträge mit gewerblichem und/oder werbendem Charakter eingestellt werden.
  • Eine kommerzielle Nutzung durch z.B. das Anbieten von Waren oder Dienstleistungen ist nicht erlaubt.
  • Die Beiträge dürfen keine Links enthalten.
  • Zitate müssen durch die Angabe einer Quelle bzw. des Urhebers belegt sein.
  • offensichtlichen Missbrauch von Klarnamen enthalten

Wir behalten uns vor, Beiträge nicht zu veröffentlichen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir anonyme Beiträge nicht freischalten, melden Sie sich daher bitte mit Ihrem Namen an. Geben Sie am besten auch Ihre E-Mail- Adresse an, damit wir Ihnen gegebenenfalls individuell antworten können.

Durch das Abschicken Ihres Beitrags räumen Sie kirche-im-SWR.de das Recht ein, Ihre Beiträge dauerhaft zu präsentieren, in Beiträge einzuarbeiten (ohne Namensnennung) oder sie nach redaktionellem Ermessen zu löschen. Wir behalten uns vor, diese Richtlinien ggf. zu ändern bzw. zu ergänzen.

Wenn Sie Anmerkungen haben, die Sie uns direkt zukommen lassen möchten, die aber nicht veröffentlicht werden sollen, schicken Sie uns bitte eine Mail an: ev.rundfunkpfarramt.bw@kirche-im-swr.de

Schließen