Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Der 50. Geburtstag von Sabine, einer guten Freundin. Ab nachmittags trudeln die Gäste spontan zu Sekt und Kaffe ein. Es gibt auch kleine Geschenke, über die sich Sabine mehr oder weniger freut. Bei einem Geschenk wird Sabine etwas nachdenklich. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie ab da den ganzen Nachmittag etwas einsilbiger ist als sonst. Muss wohl an dem Buch liegen, das sie eben ausgepackt hat. 

Neugierig werfe ich einen Blick auf den Titel. Er heißt: „1000 Orte, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt“. Das Buch war mal Bestseller in den USA und beschreibt die angesagtesten Orte der Welt. Vom Ayers Rock in Australien über eine Berghütte in den Schweizer Alpen bis hin zu einem Hotdog-Stand in Chicago. 

Ich kann mir schon denken, warum Sabine auf einmal so nachdenklich geworden ist. Wahrscheinlich ist ihr bewusst geworden, dass es noch so viele Dinge zu sehen gibt auf dieser Welt – das Buch macht ja mit tollen Bildern Appetit drauf. Und dass die Zeit dafür immer kürzer wird, egal ob man erst 50 ist. 

Ich habe mich richtig über das Buch geärgert. Irgendwie baut es ja ganz schön Druck auf, dass ich die vielen schönen Orte auch besuchen soll. Ich finde aber nicht, dass das Leben dann besser ist, wenn ich möglichst viele und schöne Orte gesehen habe. Lebensqualität entscheidet sich doch nicht an der Anzahl meiner Urlaubsfotos! 

Ein paar Tage nach dem Geburtstag von Sabine sticht mir ein Kalenderblatt ins Auge. Es hat die Überschrift „Einmal im Leben sollte man...“. „Oh nein, nicht schon wieder...“, denke ich. Aber was dann folgt hat nichts mit der Angst zu tun, im Leben etwas zu verpassen, nichts mit Torschlusspanik. 

Da stehen einfach ein paar schöne Ideen, wie man das Leben bewusster wahrnehmen und genießen kann. Zum Beispiel: „... Feuer machen ohne Streichhölzer.“ oder „...sich in einem Schrank verstecken und lauschen, was draußen passiert.“ oder „...eine ganze Tafel Schokolade essen ohne schlechtes Gewissen.“ oder „… auf einen Baum klettern und eine Weile in der Astgabel hocken.“ 

Bevor ich das Kalenderblatt bei Sabine in den Briefkasten werfe, schreibe ich schnell noch einen Spruch von Astrid Lindgren drunter und muss selbst ein bisschen dabei grinsen, als ich ihn nochmal durchlese: „Es gibt kein Verbot für alte Weiber, in Bäume zu klettern.“

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