Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Es ist Mitte Januar und ich bin meine Weihnachtspfunde immer noch nicht wieder los. Seit dem Jahresbeginn sage ich mir – jetzt muss ich aber mehr auf meine Figur achten und gesünder leben. Ich bin unzufrieden – ich habe drei Kilo zugenommen. Aber - sieht das außer mir überhaupt jemand?

In meinem Kopf ist es so drin: Es ist nicht in Ordnung, wenn ich schwerer bin, als gewöhnlich.

Dabei ist es doch so: Über die Weihnachtstage steht der Alltag still. Ich habe nicht gearbeitet, habe die Zeit bei Freunden und der Familie verbracht und dabei ganz gemütlich viel gegessen. Das heißt, ich habe auch keinen Sport gemacht. Da ist es doch klar, dass das seine Spuren hinterlässt. Aber ist das schlimm? Schließlich war das ja eine Ausnahme. Und ich hatte eine schöne und entspannte Zeit.

Ich finde es nach wie vor schwer, mich von dem Bild, wie „man“ als Frau aussehen sollte, zu distanzieren. Ich bin zwar selbstbewusst aber neige dazu, meinen Körper schnell als „hässlich“ zu klassifizieren.

Dabei könnte ich versuchen, meinen Körper auch anders zu sehen.

Mein Körper spiegelt mein Leben. So wie mein Körper jetzt die schöne, ganz entspannte Weihnachtszeit spiegelt – mit ein paar Kilos mehr auf der Waage.

Und er spiegelt auch ganz andere Phasen: Wenn ich viel Stress habe, dann schlafe ich schlecht, bekomme dunkle Augenränder und sehe kaputt aus. Da sagt mir mein Körper durch mein Aussehen: Versuch mal, weniger zu arbeiten.

Ich habe eine Narbe an meiner Schulter. Ich bin vor ein paar Jahren mit dem Fahrrad gestürzt und auf die Schulter gefallen. Die Schulter ist gebrochen gewesen und ich konnte mich lange nicht richtig bewegen. Die Narbe von der Schürfwunde ist geblieben. Sie erinnert mich heute daran, wie gut es ist, wenn ich mich uneingeschränkt bewegen kann. Und dass mein Körper so manche Verletzungen gut überstehen kann.

Narben, Schwangerschaftsstreifen, Pickel… Aber all das gehört dazu. Mein Körper erzählt meine ganz eigene Geschichte. Er spiegelt das, was ich erlebe. Die schönen Seiten, aber auch die schwierigen Seiten, wie eine Verletzung oder eine Krankheit…

Aber ich wäre ohne all diese Erfahrungen nicht der Mensch, der ich bin. Und ich würde nicht so aussehen, wie ich jetzt aussehe.

Ich kann es also positiv sehen: Mein Körper ist ein Geschenk, das mich gut durchs Leben trägt. Und dieses Leben hinterlässt zwangsläufig Spuren.

Ich habe keinen perfekten Körper und auch kein perfektes Leben. Aber alles zusammen macht mich aus. Und alles zusammen macht meine eigene, ganz persönliche Schönheit aus.

 

Anna Gold aus Mannheim, von der katholischen Kirche

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27950

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