Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„I’am singing in the rain.” Wie ich finde ein wunderschönes Lied. Und das liegt nicht nur an seiner eingehenden Melodie und dem swingenden Rhythmus. Es liegt auch an dem einfachen Text und der Botschaft, die darin steckt. „I am singing in the rain“ – ich singe im Regen. Ich bin so gut drauf, dass ich mir durch das Wetter nicht meine Stimmung verderben lasse. Berühmt wurde das Lied durch das gleichnamige Filmmusical, das heute vor 65 Jahren Premiere hatte. Gene Kelly spielt darin einen Mann, der so verliebt ist, dass auch der dickste Regen ihn nicht davon abhält, zu singen und zu tanzen. Wie es im Text heißt: Ich lache die dunklen Regenwolken aus, weil ich die Sonne im Herzen habe.  

Ich erinnere mich an meine Zeit als Pfadfinder. Jedes Jahr waren wir im Zeltlager und oft hatten wir kein gutes Wetter. Manchmal tagelang nichts als Regen. Da hatte man nur zwei Möglichkeiten: Entweder den Lagerkoller bekommen und sich gegenseitig anmotzen oder „I’am singing in the rain“ singen und trotz Dauerregens Spaß miteinander haben. Singen, tanzen, lachen, Karten spielen, Geschichten erzählen und sich einfach nicht daran stören, dass die Klamotten langsam nass und der Schlafsack klamm wurde. Mit „I’am singing in the rain“ haben wir dem Regen getrotzt und die Stimmung hoch gehalten.

Sicherlich viele meiner Probleme, die ich heute habe, sind größer als der Dauerregen damals im Pfadfinderzeltlager. Aber was meine Stimmung betrifft, so hilft es mir manchmal auch heute noch einfach mal „I’am singing in the rain“ zu singen. Und dabei mit den Fingern zu schnipsen und mit den Füßen zu tanzen. Das löst natürlich meine Probleme nicht, aber es hilft mir mich für einige Minuten mal von meinen Problemen zu lösen. Und das tut einfach nur gut. 

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Es gibt Leute, die haben über 3000 Freunde. Im Internet, auf Facebook zum Beispiel. 3000 Freunde!
Wann immer sie etwas auf ihre Facebookseite schreiben, wenn immer sie ihr Mittagessen fotografieren und das Foto auf ihre Seite stellen, dann sehen das ihre 3000 Freunde. Ich kenne welche mit so einem großen Freundeskreis und weiß, das sind tatsächlich unglaublich kommunikative und rührige Leute.

Aber sie haben trotzdem keine 3000 Freunde, also „friends“, sondern 3000 „follower“.  Also Leute, die ihnen folgen, wenn sie was auf ihre Seite  schreiben. Sie haben sozusagen 3000 „Gefolgsleute“.
Freunde und Gefolgsleute. Das ist ein Unterschied. Gefolgsleute folgen einem, solang man gut drauf ist und was zu sagen hat. Sie folgen einem nicht, wenn man sich zurückzieht oder einfach mal nichts zu sagen hat.

Was ein Freund ist, hat Jesus mal in einem Gleichnis beschrieben. Das ist einer, der sich nach einem harten Arbeitstag mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln lässt. Von seinem Freund. Nicht etwa wegen Lebensgefahr, nein! Weil der Besuch gekriegt und nichts im Haus hat. Und jetzt will er sich bei seinem Freund Essen ausleihen. Da fragt man sich schon: Hallo? Wie unverschämt ist das denn?! Und was macht der Freund? Vermutlich schimpft er wie ein Rohrspatz, wirft die Decke zur Seite, steht auf, beruhigt die Kinder, schickt seine Frau wieder ins Bett und holt dem Freund aus der Vorratskammer, was der braucht. Trotz Ärger. Weil er ihn lieb hat. Weil er alles tun würde, damit es ihm gut geht.

Das ist ein Freund, meint Jesus. Davon hat man nicht viele. Manchmal ist der Ehemann so ein Freund. Oder die Schwester oder die Schulfreundin. Gott will uns auch ein Freund sein. Einer, den man um alles bitten kann. Auch wenn es einem unverschämt vorkommt. Ich wüsste nicht, wie ich ohne Freund oder Freundin leben könnte.
Ohne meine Gefolgsleute auf Facebook könnte ich gut leben. Und erwarte auch nicht, dass sie mir folgen, wenn es mir schlecht geht. Aber mich mit ihnen auszutauschen, das ist trotzdem ganz schön.

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