Manuskripte

SWR4 Feiertagsgedanken

Steiger:
Was für ein imposantes Motto haben sich die Kirchen für das neue Jahr da ausgesucht. So lautet nämlich die Jahreslosung für 2019: Suche Frieden ... und jage ihm nach.
Leider passt das Thema FRIEDEN ja immer. Weil es irgendwo immer Krieg und Gewalt gibt. Es hat aber in der letzten Zeit eine zunehmende Bedeutung bekommen. Es ist, wie ich finde, leider, ungeheuer aktuell. Manchmal fühle ich mich in meine Jugendjahre zurückversetzt, als Atomwaffen auf deutschem Boden stationiert wurden, als das Wettrüsten der Supermächte mich bedrückt hat.

Panzer:
Da, wo ich wohne, beten wir seit fast vier Jahren für den Frieden. Evangelische und katholische Christen treffen sich an jedem Montagabend um sieben für eine halbe Stunde. Jedesmal erzählt eine oder einer, wie es steht mit dem Frieden in der Welt. Wir hören von Krieg und Leid und  Flüchtlingen, von hungernden Kindern, vergewaltigten Frauen und Soldaten, die sinnlos sterben müssen, statt  für ihre Familien zu sorgen. Es ist erschreckend, das alles zu hören und manchmal denken wir: hört das denn nie auf. Trotzdem beten wir für den Frieden. Manchmal fragt einer: Warum machen wir das eigentlich? Es ändert sich doch nichts. Warum beten wir für den Frieden? Eine Frau hat gesagt: Weil es mir gut tut, andere zu treffen, die auch Frieden wollen. Und ein Mann hat gesagt: Ich will mich jede Woche daran  erinnern, dass Gott Frieden will. Und dass Gott bei denen ist, die sich für den Frieden einsetzen.

Steiger:
Einen Vater hat es schier unglaubliche Überwindung gekostet, das zu tun. Sein Sohn ist brutal zusammen geschlagen worden. Ohne Grund. Der Vater ist unglaublich wütend geworden. Wer tut seinem Sohn so was an? Und er hat gespürt, wie der Hass in ihm hochkocht. Lange hat er gedacht: „Dem zahl ich’s heim! Wenn ich den in die Finger krieg!“ Aber es kam ganz anders. Der brutale Schläger ist schon wiederholt aufgefallen und musste noch wegen anderer Delikte vor Gericht. Dann kam er in eine Anstalt der Jugendgerichtshilfe. Und hat tatsächlich eine Verwandlung durchgemacht, zum Guten. Er hat einen Brief an den geschrieben, den er so zusammen geschlagen hat. Hat sich entschuldigt. Und das hat auch dem Vater gut getan und Frieden gebracht. Seinem so schwer verletzten Sohn geht es inzwischen wieder gut. Gottlob.

Panzer:
Wie schön wäre es, wenn wir in Frieden miteinander leben könnten. Und Frieden ist mehr, als der Verzicht auf Gewalt. Eigentlich wissen wir Menschen das ja auch. Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? fragt einer in einem Gebet in der Bibel (Psalm 34). Und eigentlich weiß er genau, was zu tun ist: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“ Ohne Frieden kann das Leben nicht gedeihen. Frieden wächst da, wo die Starken Rücksicht nehmen auf die Schwachen. Dann muss niemand mehr mit Gewalt sein Recht verteidigen. Frieden wächst da, wo Menschen gerecht verteilen, was die Erde an Gütern bereit hält. Wenn nicht die einen sich alles nehmen, was sie kriegen können und den anderen bleibt nicht genug zum Leben. Wo alle Menschen die gleichen Rechte haben, egal ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß, arm oder reich. Da kann Frieden wachsen.

Steiger:
Interessant ist, dass hier nicht davon ausgegangen wird, dass der Frieden schon irgendwie entsteht. Er ist eben kein Selbstläufer. Wer ihn haben will, muss etwas dafür tun, muss aufmerksam und findig sein. Besonders wichtig scheint mir zu sein, dass ich in die hinteren Winkel meiner Seele vordringe. Dorthin, wo die Charaktermarkmale lauern, die dem Frieden in die Quere kommen. Dort, wo ich auf einen anderen neidisch bin, wo ich meine, die erste Geige spielen zu müssen und damit andere in ihren Chancen beschneide. Dort muss ich suchen, ob es nicht doch eine andere Möglichkeit gibt, und ich auf meinen Egoismus verzichte. Das schafft nämlich Frieden.

Panzer:
Dem Frieden muss man nachjagen. Wie die Kinder bei einer Schnitzeljagd, wie die Menschen, die ein großes Ziel haben. Ein Ziel für das sie alles geben.
Wer ans Ziel gelangen will, der muss genau hinschauen, dass er den Weg nicht verfehlt. Man muss aufmerksam sein für die Zeichen unterwegs. Aufmerksam auch, damit man die nicht übersieht, die mithelfen können. Man muss Ausdauer haben, wenn man einem Ziel nachjagt, man darf nicht aufgeben.
So wie Denis Mukwege zum Beispiel, der als Arzt im Kongo Frauen operiert, die bei Vergewaltigungen schwer verletzt worden sind. Er versucht, die Folgen des Krieges zu lindern. Und seine Hoffnung ist, dass die Menschen einsehen: Nur so, nur wenn einer sich um andere kümmert, nur so kommt man dem Frieden näher.

Steiger:
Es sind nicht immer die großen Gesten und Versprechen, die den Frieden schaffen. Oft sind es die kleinen Dinge. Wenn Menschen darauf verzichten können, das letzte Wort zu haben. Wenn sie teilen, was sie im Überfluss haben. Wenn sie beten statt einander zu beschimpfen. Damit kann jeder anfangen. Mit meinem Nachbarn, meinem Kollegen, mit meinem Partner. Und glaube bloß keiner, das bleibe ohne Wirkung. Im Gegenteil: Der Friede kommt immer von innen. Aus dem Herzen des Menschen.

„Suche den Frieden und jage ihm nach“ – Lassen sie uns das versuchen im neuen Jahr. Ich wünsche Ihnen und uns Segen dazu!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27790

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