Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Mona SaroinsongAnnette Bassler trifft Mona Saroinsong, Humanitarian Worker, Manado- Nordsulawesi

Evangelisch dort, wo der Pfeffer wächst
Geboren und aufgewachsen ist sie dort, wo der Pfeffer wächst. Und dort haben wir uns auch getroffen: Auf der Insel Sulawesi. Die gehört zu Indonesien und liegt zwischen Borneo und Papua- Neuguinea. Mona Saroinsong ist in Bürgerkrieg und Hunger hineingeboren worden.

Meines Vaters Dorf das eigentlich war islamisches Dorf, aber mein Großvater kam und hat eine Schule dort gebaut und er hat Reisfelder geplant und die ganzen Leute waren Islam. Ich war nicht dort geboren, ich war in anderem islamischen Dorf geboren, weil mein Vater ein Lehrer war. Er war immer irgendwo weg und wir waren umgezogen.

Umgezogen. Das macht Mona Saroinsong bis heute. So hat sie in Holland Pädagogik studiert, war im Rahmen von kirchlichen Austauschprogrammen in der Schweiz und in Deutschland. Und jetzt arbeitet sie für eine kanadisch- amerikanische NGO in Indonesien, Nepal und den Philippinen. Mühelos wechselt sie zwischen indonesisch, englisch und deutsch, als wir uns treffen. Sie als Übersetzerin und Mitglied der evangelischen Kirche von Sulawesi, ich als Mitglied einer Delegation von Pfarrerinnen und Pfarrern der evangelischen Kirche von Hessen und Nassau. Und immer, wenn sie für uns übersetzt hat, konnte ich ihn spüren: den Geist evangelischer Freiheit, den sie so sehr liebt.

Die Freiheit! Und alle sind gleich! Und es gibt so viele Treffen, Kindergottesdienst, Jugendliche, Frauen Männer und ich studierte auch in christlicher Schule. GMIM Schule.

Bei unseren Treffen mit der GMIM- die evangelische Kirche von Sulawesi- übersetzt und vermittelt sie so selbstverständlich, als wäre sie in beiden Kulturen zu Hause.

Ich war in islamische Umgebung geboren, aber wir hatten eine Kirche dort, so wir gingen in die Kirche dort. So für mich Islam und andere Religionen sind nicht fremd. Niemals sagen wir: Ah, du bist Islam, du kannst nicht mit uns! Nein! Nur sagen wir: Ej, das ist Schwein, du kannst nicht essen!  Aber wenn die möchten essen, kein Problem.

Und ich lerne: Freiheit ist, wenn man tolerant sein kann in Geschmacksfragen und Traditionen der Kultur. Aber Freiheit ist auch, sich umso entschiedener aufs Wesentliche zu  konzentrieren.

Meine Mission ist, dass alle Leute können Haus haben und Wasser und Essen und in die Schule, mindestens die Grundschule, oder secondary Schule.

Und dafür ist sie überall in der Welt unterwegs. Sie lässt sich auf Begegnungen mit fremden Menschen ein. Redet mit mir deutsch, auch wenn sie es nicht perfekt beherrscht. Für ihren Einsatz wurde sie im Jahr 2008 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Frieden schaffen ist mühsam, aber ganz einfach
Selten habe ich eine Frau getroffen, die so frei und entschieden ihren Weg geht wie Mona Saroinsong. Aufgewachsen auf der indonesischen Insel Sulawesi, hätte die studierte Pädagogin Karriere machen können.

Als Lehrerin und Dozentin an der Uni in Manado. Und seit 2005 hab ich wie heißt das in deutsch? Resigned. Und dann jetzt – ein humanitarian worker. Von einer Kirche in Nordamerika und Kanada.

Für ihre Arbeit als „Humanitarian Worker“- also als Koordinatorin eines Projektes in Zentralsulawesi wurde sie vor 9 Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert. Weil sie es geschafft hat, dass Christen und Muslime zusammengearbeitet haben beim Wiederaufbau nach Krieg und Zerstörung. Dabei hat sie auch radikale Muslime kennen- und schätzen gelernt.

Wenn die wissen, was machen wir, dann die verstehen, was passiert und dann wir können zusammenarbeiten, die sind ganz, ganz, ganz nett. Sind Muslime. Mein Stuff war mehr als einhundert, vielleicht nur sieben Christen. Wir können zusammenarbeiten 4 ½ Jahre, kein Problem.

Über 1000 Häuser hat sie mit ihrem Mitarbeiterstab gebaut. Aber sie macht nicht nur und geht weg. Sie kommt wieder und schaut, ob die Leute weitermachen. Oder woran es liegt, wenn es nicht weitergeht.

Das ist gut für die Organisation, eine long-term evaluation.

Nachhaltigkeit ist ihr ganz wichtig. Deshalb ist sie nach unserem Treffen noch einmal in die Provinz Banda Aceh geflogen. Dort leben fast nur Muslime. Und alle haben durch den Tsunami von 2004 ihre Existenz und Familie verloren. Viele sind noch immer traumatisiert. Fast 13 Millionen US- Dollar hat ihre NGO für das Projekt bereitgestellt.

Eigentlich mein Kontrakt nur für ein Jahr, aber dann noch kommt Geld, und dann zwei Jahre und dann noch kommt Geld, dritte Jahr… sie kommen und gucken „oh, du hast gut gemacht, wir haben noch Geld!“

Erstaunlich, wie leicht sie nimmt, was das Schicksal ihr vor die Füße legt. Arbeit, Einkommen, eine Mission. Dabei wird sie nächstes Jahr schon 60 und ist- ganz ungewöhnlich für eine indonesische Frau- noch immer nicht verheiratet. Vielleicht mit 70- sagt sie und lacht. Als ich unsere Angst vor islamistischem Terror anspreche, wird sie nachdenklich..

Ich denke, es gibt eine Angst vor dem Islam eigentlich nach dem September 11 in Amerika, es gab auch ein sehr radikaler Islam. Aber das ist klein eigentlich, ganz ganz klein.

Vielleicht hat Mona Saroinsong recht. Vielleicht sind die, vor denen man Angst haben muss, viel weniger als es den Anschein hat. Und vielleicht kann man das so sehen, wenn man wie sie- mit denen auch den Kontakt sucht. Und dabei entdeckt: Frieden ist garnicht so kompliziert. Friede ist, wenn jeder ein Dach über dem Kopf hat, genug zu essen und eine Perspektive fürs Leben. Und ist nicht dafür auch Gott Mensch geworden? In Bethlehem? Damals, am Ende der Welt?

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