Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Wolf-Dieter Steinmann trifft Martin LampeitlMartin Lampeitl, evangelischer Seelsorger im Europapark Rust

Flirt mit der Kirche
Man kann ihn treffen, wo die meisten Menschen ‘Kirche’ nicht vermuten: Im Europapark in Rust. Mit seinem katholischen Kollegen ist Martin Lampeitl als evangelischer Seelsorger für Besucher*innen da. Kirche soll auch da sein, wo Menschen sich gut tun, auch ihrer Seele, sagt er. Er fühlt sich im Park auch wohl. Besonders im „irischen“ Kinderland.

Ich bin ja irischer Fan und spiel immer noch in einer irischen Band. Irland ist zwar das Kinderland im Park, aber das zeigt auch, was für Kinder gut ist, ist für Erwachsene gut.

Beruflich ist er meistens in der „Norwegischen Stabkirche“. Vor 12 Jahren hat es angefangen: Die Inhaber, Familie Mack, wollten, dass Menschen auch im Park heiraten können: „ordentlich kirchlich.“

So habe ich mit meinem Kollegen ungefähr 50 Hochzeiten im Jahr. Und da wir das nachhaltig betreiben, haben wir auch immer mehr Taufen.

Heißt: Paare, die er getraut hat, lassen ihre Kinder taufen. Und die Gottesdienste sind echt, genau wie die Kirche und wie er. Auch wenn das Besucher manchmal wundert.

Wenn ich dann grade ne Taufe hatte oder ne Hochzeit in meinem Talar, dann kommt die Frage von den Kindern: ’Ist der echt, oder ist das ein Schauspieler oder haben so die Wikinger ausgesehen?’ Und da kann man dann wunderbar anknüpfen.

Martin Lampeitl weiß, die Menschen kommen wegen der Unterhaltung. Nicht wegen der Kirche. Darum ist die Einstellung wichtig mit denen man auf Menschen zugeht: Echt christlich sind für ihn zB. die 4 ‚M‘s.

‘Man muss Menschen mögen’, egal wie sie sind. Und wenn wir lernen, dass sie wichtig sind, dann springt auch der Funke über. Und grade in so einer entspannten Atmosphäre sind sie dann auch bereit, mal über den Tellerrand rauszugucken.

Die Seelsorger im Park bieten kleine Programme an, Ausstellungen oder er gibt ein kleines Konzert in der Kirche auf der Gitarre. Dann erlebt er, wie viele Menschen eine Vergangenheit mit der „Kirche“ herumtragen.

Gerade Menschen, die auf der Suche nach Glück sind, begegnen dann in dieser Suche auch in einem Freizeitpark ihrer Sinnfrage. Fangen an, mit ihrer Kirche zu flirten. Und aus diesen Begegnungen gibt es so etwas wie ein kleines Pflänzchen „Freizeitgemeinde.“

Martin Lampeitl ist auch Seelsorger für Mitarbeitende. Spannend wie er zum Beispiel interkulturell übersetzt, was ihm Gott bedeutet und dass Jesus, sein Sohn, sein Leben gegeben hat. Für Menschen aus Asien erzählt er da von Gott, dem Gärtner, seinem Garten und dem Baum, den er liebt wie seinen Sohn.

 „Eines Tages wird der Garten eine Wüste und nur noch der Baum überlebt. Und da kommt er eines Morgens und sagt: ‘lieber Lieblingsbaum, ich muss dich opfern, ich säg Dich ab jetzt. Aber was macht er mit den Bambusröhren? Er baut ne lange Wasserleitung zu einer Quelle und bald wachsen wieder viele junge Bambusse in seinem Garten.“ Wir haben ja auch Künstler aus Vietnam und so, die verstehen sofort was ich meine.

Beeindruckend, wie offen er an einem „kirchenfernen“ Ort von seinem Glauben redet. Martin Lampeitl ist sicher, das müssen wir als Christen lernen.

„Freizeitkirche“ leben
Stabkirche im Europapark, Foto: badische LandeskircheMan kann den 64jährigen öfter in der Stabkirche treffen. Im 14 Uhr-Loch, wenn viele ausruhen vom „Unterhaltungs-Stress.“ Oder bei einer Trauung. Oder wenn Besucher und Mitarbeitende ihre Kinder taufen lassen. Und reden kann man mit ihm. Im Park ist das für manche leichter.

‚Wie könnt ich denn wieder anfangen zu glauben. Wenn nicht für mich, dann für meine Kinder. Mit dieser Zukunft die nicht mehr ganz so sicher oder rosig für mich aussieht.‘ Und dann haben wir einen wunderbaren Zugang. Und das verspricht sich auch der Europapark von uns ein bisschen, weil er sagt: ‘Wir stehen auch für Inhalte.’

Er lebt damit, dass Besucher nicht seinetwegen in den Park kommen. „Kirche nebenbei“ so ist das heute für viele. Ihm gibt das Freiheit. Er kann experimentieren. Er jongliert beim Predigen mit Bällen und die Menschen hören aufmerksam zu, was er sagt. Das kommt an.

Was man als Rückmeldung wiederbekommt, das stärkt einen einfach und lässt einen durchhalten. Die bauen mich immer auf, die Begegnungen mit Menschen. Da ruft einer an und sagt bei meiner Sekretärin: ‘Hallo, ich hätte gern eine Taufe’ und die fragt: ‘evangelisch oder katholisch?’ Und er sagt: ‘das ist doch egal, der wo Zeit hat.’

Wie geht er damit um, wenn jemand kirchliche „Ordnung“ so locker nimmt? Hinhören, menschenfreundlich darauf eingehen und kreative Lösungen finden. Ich muss an Jesus denken, wie menschenfreundlich der von Gott erzählt hat.

Für uns als Christen wird es immer wichtiger, in einem nichtkirchlichen Raum sich als Christen zu beweisen. Auch in der Geschäftswelt. Wir müssen ja raus aus unseren Kirchen auch in Bereiche wo Kirche zunächst gar nicht so üblich ist, dass man da als Christ arbeitet.

Martin Lampeitl findet, man muss bei uns Christen ein Feuer spüren. Egal ob man ehrenamtlich mitarbeitet oder beruflich. Die Mitarbeitenden im Park sind für ihn da Vorbilder.

Alles was wir machen, müssen wir mit Herzblut machen, sich ganz drauf einzulassen. So schaffen Künstler und so schaffen Unternehmer. Und immer positiv nach vorne zu gucken.

Ich spüre, er schätzt die Unternehmenskultur im Park. Hat selbst erfahren, wie dort der christliche Gedanke gelebt wird: Ein Mensch ist mehr wert, als das was er leistet.

Da wird immer - und das ist ganz biblisch - die Tat vom Täter getrennt: ‘Jetzt hast Du Blödsinn gemacht, aber wir brauchen Dich und morgen wirds anders, bitteschön.’ Und das hat mir immer geholfen und gut getan.

Martin Lampeitl ist gern „Seelsorger nebenbei“. Aber ich versteh gut, dass er sich auch auf das Erntedankfest freut. Eine ganze Woche geht es dann um Gottes Schöpfung. Mit Ausstellungen, Gottesdienst und viele machen mit und feiern mit.

Da können wir dann auch wirklich Kirche sein und leben. Das ist der Familie Mack ganz wichtig, dass ich nicht die 101. Show mache - und drunterschreibe, übrigens ich bin dann zufällig Kirche - sondern dass ich ganz Kirche lebe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26880

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