Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Janine Knoop-Bauer trifft: Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Glaube persönlich – Auferstehung mitten im Leben

Ich treffe den 61jährigen in Düsseldorf. Seit sechs Jahren leitet der in Polen geborene Pfarrer die Evangelische Kirche im Rheinland. Es ist eine große Gemeinschaft, der er da vorsteht: 2,5 Millionen Christinnen und Christen gehören dazu. Und heute, am Ostersonntag, da fängt sein Tag genauso an, wie bei unzähligen anderen Familie auch – nicht nur im Rheinland:

Also da ist für uns schon sehr wichtig (…) Ostern mit einem gemeinsamen Frühstück zu beginnen. Unsere Wohnung ist immer sehr schön österlich dekoriert. (…) Also es gibt dann Osterglocken und Ähnliches. Frühlingsblüten in der Wohnung. Das sind für mich so Symbole, die das Leben dokumentieren. 1.52 Und das Leben setzt sich nach dem Winter durch, das finde ich ist ein wunderschönes Zeichen.

Ostern ist das Fest des Lebens. Überall auf der Welt feiern Christinnen und Christen heute die Auferstehung Jesu. Damals, vor fast zweitausend Jahren, haben es die Menschen so erlebt: Das Leben siegt über den Tod. Für mich bedeutet das heute: Gott erweist sich als Freund des Lebens. Überall wo Menschen mit dem Tod konfrontiert sind, da ist das ein starkes Zeichen. Vor allem für die, deren Leben bedroht ist - die am Leben verzweifeln. Für den Seelsorger Rekowski ist das ein ganz wichtiger Aspekt des Glaubens.

Also für mich ist der christliche Glaube immer auch Lebenshilfe. Er ist nicht nur Lebenshilfe, aber er ist immer auch Lebenshilfe.

Er hat das vor allem als Gemeindepfarrer erlebt. Wenn Menschen fast zerbrechen an dem, was das Leben ihnen aufbürdet. Da kann der Glaube eine Kraftquelle sein – überlebenswichtig.

Ich erinnere mich an so eine Situation auf der Intensivstation eines Kinderkrankenhauses – wo ein neugeborenes Kind die Prognose hatte, dass es eben nicht überleben würde. Das war eine schreckliche Situation. Aber da nicht nur auf das Nichts zu schauen, sondern auch zu wissen: die Eltern in dieser furchtbaren Situation, aber auch das Kind ist aufgehoben bei Gott. Und auch unsere Fragen  und das Rätsel dieses Leidens ist aufgehoben bei Gott 9.54 Das hat mir die Kraft gegeben das auszuhalten, was man eigentlich auch von der Begleitung her fast nicht aushalten konnte. Und ich habe gehofft und gewünscht und auch gebetet, dass die Eltern das vielleicht auch ähnlich erfahren können.

Aushalten weil es Hoffnung gibt. Das ist für Manfred Rekowski keine Vertröstung. Er glaubt fest daran: Gott lässt die Menschen nicht im Stich

Es gibt für uns Christenmenschen keine Garantie auf ein sorgenfreies Leben. Auf ein Leben frei von Leid oder Leiderfahrungen. Aber dieses: Ich verlass mich darauf – ich bin im Leben und im Sterben gehalten und getragen und ich habe von Gott immer noch was Gutes zu erwarten. Das ist für mich so ein Doppelpunkt auf den ich blicke und der mir oft viel Gelassenheit gibt und auch Mut und Entschlossenheit.

  Glaube öffentlich: als Anwalt des Lebens leben

Manfred Rekowski ist Pfarrer und Präses der Rheinischen Landeskirche. In seiner Funktion steht der 61jährige viel in der Öffentlichkeit. Am Schnittpunkt zwischen Kirche und Gesellschaft. Und er meint: gerade an Ostern hat die Kirche was zu sagen:

Ostern ist auch als Fest des Lebens ein Ausrufezeichen in die Gesellschaft hinein. Der Tod wird nicht das letzte Wort haben. Und wir spüren ja vielfach auch die Macht des Todes. Ob man an Waffenexporte denkt, an Kriege, an Terror denkt. Und dass das alles – der Tod und seine Helfershelfer sich nicht durchsetzen werden, sondern das Leben siegen wird, das finde ich ist das Zeichen von Ostern, was in die Gesellschaft hineinwirkt und auch nicht verstummen darf.

Wenn Menschen aufstehen gegen die Mächte des Todes – dann ist das Auferstehung. Mitten im Leben. Für mich ist auch die Angst eine solche Todesmacht. Z.B. da  wo mit Angst Politik gemacht wird. Bedrohungen inszeniert werden, um Gewalt zu rechtfertigen. Gewalt gegen Andersdenkende, Andersglaubende, Andersliebende. Leben wird gegeneinander abgewogen. Als ob es da einen Maßstab gäbe – wertes und unwertes Leben. Auch im privaten passiert es immer wieder, dass das Leben nicht wertgeschätzt wird. Manfred Rekowski meint: Da muss Kirche mutig sein und sich erheben:

Also ich finde die Kirche ist Anwalt des Lebens (…) und unsere Aufgabe ist, zu protestieren wo das Leben bedroht, gefährdet oder mit Füßen getreten wird. Also da müssen wir hemmungslose Lobbyisten für das Leben sein. Und ich glaube da ist die Auftragslage für unsere Kirche enorm groß. Die Themen gehen uns nicht aus.

Ostern als Aufgabe. Für alle, die an die Auferstehung glauben. Daran, dass jedes Leben zählt – bewahrt und geschützt werden sollte. Weil Gott ein Freund des Lebens ist. So gilt die Aufgabe auch für mich. Mutig sein und Vertrauen haben. Ja, das wäre gut. Aber es ist auch schwer. Gerade die Auferstehung – viele zweifeln da: kann das wirklich sein? Ist das so gewesen damals? Manfred Rekowski hat ein Gegenmittel – gegen die Angst. Gegen den Zweifel. Er traut darauf, dass Auferstehung in der Zukunft erlebt werden kann.

Ich finde Auferstehung kann man ja nicht beweisen, aber Auferstehung wird sich erweisen. Das ist meine persönliche Haltung – und mein Glaube.    

Und weil die Auftragslage so groß ist, hat Manfred Rekowski einen Wunsch an seine Christen und Christinnen  

es wäre gut wenn wir nicht nur verstünden Ostern sonntags im Gottesdienst zu feiern, sondern wenn wir auch im Alltag Anwalt des Lebens wären.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28546

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