Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

19JUL2020
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ORGELINTONATION 

Als Lied zu Sonntag stelle ich Ihnen heute den 122. Psalm vor. Psalmen sind gedichtete Lieder, die ältesten, die bis heute im christlichen Gottesdienst vorkommen. In der katholischen Liturgie werden sie als gesungene Lesung im Wortgottesdienst der Messfeier vorgetragen. Wie hier im Rottenburger Dom vor ein paar Wochen.

 

KEHRVERS UND VERSE 1-2

Friede sei in deinen Mauern,

Geborgenheit in deinen Häusern.

 

Ich freute mich, als mir sagte:

Zum Haus des Herrn wollen wir gehen.

Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem,

Jerusalem, du starke Stadt,

dicht gebaut und fest gefügt.

  

Psalm 122 ist ein sogenannter Wallfahrtspsalm. Ein Lied, das die Pilger auf ihrem Weg miteinander gesungen haben. Ihr Ziel ist in diesem Fall die Stadt Jerusalem. Ein Ort der Sehnsucht bis heute. Dort, wo sich in der Geschichte schon so viel ereignet hat. Wo die Fundamente von König Salomons Tempel stehen, an dessen Westmauer die Juden bis heute beten. Darauf der Felsendom als eine der bedeutendsten Moscheen des Islam. Unweit die Grabeskirche, wo die Christenheit ihren auferstandenen Heiland verehrt.

Und doch war und ist an diesem Ort so viel Unfriede. Gerade hier, wo die Glaubenden Gott suchen, wo sie den EINEN als Gott der Liebe und Barmherzigkeit und, ja, als Friedensbringer anbeten, dort wird gestritten und getötet. Was für eine Schande!

Was wäre das für ein starkes Zeichen, wenn von Jerusalem ein Signal des Friedens ausginge. Von dem Ort, wo der Glaube an den einen Gott seine Wurzeln hat. Die Bitte, die im Psalm 122 so eindringlich ausgesprochen wird, ist aktueller denn je: Erbittet für Jerusalem Frieden!

 

VERSE 5-7

Erbittet Frieden für Jerusalem,

geborgen seien, die dich lieben.

Friede sei in deinen Mauern

Geborgenheit in deinen Häusern.

Wegen meiner Brüder und meiner Freunde

will ich sagen: In Dir sei Friede!

   

Die heilige Stadt Jerusalem steht hier für die vielen anderen Orte, an denen Gott angebetet wird. Solange die, die an IHN glauben, sich bekämpfen und das Existenzrecht streitig machen, solange wird alles umsonst sein. Wer vom Frieden spricht und andere bedroht, wer anderen ihrenLebensraum nimmt, ist unglaubwürdig. Wer Nächstenliebe predigt und Kinder missbraucht, dem nimmt man auch sonst nicht ab, was er sagt. Und sei es noch so klug.

Insofern ist die Botschaft des heutigen Lieds eindeutig: Wo Gott zuhause sein soll, muss es friedlich zugehen. Das gilt für jede Kirche, jede Religion, es gilt aber auch für jedes Haus, in dem gläubige Menschen wohnen. In dir sei Friede- heißt es in Psalm 122. Das muss unser Markenzeichen als Christen sein. Dass andere es nicht übersehen können. Damit eine Signalwirkung von uns ausgeht.

Jerusalem, die heilige Stadt, hat viele unheilvolle Zeiten erlebt. Bis heute. Die Vision bleibt:

 

Jerusalem, du neue Stadt,

gib deinen Liedern neuen Klang,

in reiner Freude darfst du jetzt

des Ostern hohes Fest begehn.

  

 

DIE TONAUFNAHMEN SIND EIGENPRODUKTIONEN FÜR DIESEN BEITRAG.

ALLE RECHTE LIEGEN BEI DEN KÜNSTLERN.

 

Gesang: Antonia Löffler | Prof. Dr. Inga Behrendt, Rottenburg.

Orgel: Prof. Ruben Sturm, Domorganist, Rottenburg.

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