Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wenn ich diese Musik höre, sehe ich einen Wanderer in herrlicher Natur vor mir, milde Hügel und satte Wiesen. Er genießt seine Freiheit. Mit großem Rucksack und schweren Wanderschuhen ist er unterwegs. Das Lied von heute passt dazu. Es ist wie ein musikalischer Reisesegen mit vielen guten Wünschen:

Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein, sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein."

"Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand."

                                               (Singkreis Rammingen)

Es sind schöne Worte in diesem irischen Segenslied. Schöne Worte und gute Wünsche. Ich singe sie gern für diejenigen, die ich mag. Für die, mit denen ich ein Stück Lebensweg geteilt habe und die jetzt ohne mich weitergehen. Das Lied von heute passt, wenn zum Beispiel mein Kollege seine Stelle wechselt und umzieht. Oder wenn ich mich als Lehrerin von Schülern verabschiede, die mit der Schule fertig sind und jetzt losziehen in die weite Welt.

Markus Pytlik hat den Text und die Musik vom heutigen Lied zum Sonntag geschrieben. Er ist Lehrer und sicher kennt er diese Erfahrung: dass es Zeit ist sich zu verabschieden. Eben zum Beispiel von Schülern und Kollegen. Mir hilft es dann immer, wenn gute Wünsche den Abschied begleiten. Sie tun denen gut, die geht, aber auch denen, die bleiben. Ich habe gefühlt tausend Wünsche im Herzen, wenn jemand fortgeht, den ich so gern in meiner Nähe hatte, mit dem ich einfach vertraut war. Im Lied sind auch gefühlt tausend Wünsche formuliert:

"Führe die Straße, die du gehst, immer nur zu deinem Ziel bergab, hab, wenn es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht. Und bis wir uns Wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand."(Singkreis Remmingen)

Ich bin Organistin und spiele dieses Lied immer wieder bei Beerdigungen. Ich spiele es, wenn der Abschied sehr schwer ist, wenn die Atmosphäre beklemmend ist, weil da einer weggegangen ist, den keiner so leicht gehen lassen kann. Dieses Lied bringt dann oft eine Weite mit. Jedenfalls kann ich durch dieses Lied manchmal ein bisschen aufatmen. Weil seine Melodie mich irgendwie beruhigt oder sogar tröstet, fast wie ein Wiegenlied. Die einzelnen Liedzeilen klingen alle ähnlich und so schwingt sich das, was das Lied aussagt, allmählich in mein Herz. Vor allem der Refrain:

Bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand.

So eine Geborgenheit, wie wenn jemand mich fest und sicher an die Hand nimmt, wünsche ich denen, die aus meinem Leben gehen. Sie sind wie Wanderer, die gerade in ein anderes, fremdes Land wandern. Mit dem Lied bete ich darum, dass sie besonders geschützt sind

Bei Gott geht beides: dass ich mich geschützt und geborgen fühle, aber trotzdem auch frei. So heißt es am Schluss:

„Er halte dich in seinen Händen, doch drücke deine Hand dich nie zu fest."

Wenn ich das für jemand anderen herbei-singe, dann wirkt dieser Wunsch auch in mir selbst: Mögest du und ich bei Gott geborgen sein und mit ihm gleichzeitig frei.

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. (Vocalissimo)

 

Musiken:      

1) Singkreis Rammingen M0094774.015

2) Privataufnahem im Dom St. Eberhard in Stuttgart am 13.7.2019 mit Lukas Grimm (Orgel)

3) Vocalissimo M0314552.001

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