Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL 520)

Einspieler – gregorianische Fassung 30 sec.

Ave, maris stella,
Dei mater alma
atque semper virgo,
felix coeli porta.

Dieses Lied ist ein alter lateinischer Hymnus aus dem 8. Jahrhundert, der an Marienfesten  zum Abendgebet in der Katholischen Kirche gesungen wird.

Meerstern, sei gegrüßet,
Gottes hohe Mutter,
allzeit reine Jungfrau,
selig Tor zum Himmel!

Das erinnert an viele Marienlieder, in denen Maria als „Meerstern“  angerufen wird. Aber wie kam man eigentlich dazu ?

Letztlich geht es auf den Kirchenvater Hieronymus  zurück, der die Bibel aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzt hat.  Im Hebräischen heißt Maria „Mirjam“ – die beiden Silben „mir“  und „jam“ bedeuten  „Tropfen „ und „Meer“. Hieronimus übersetzte dies korrekt mit „stilla maris“ und später wurde aus dem „i“ ein „e“, also aus „stilla“ ein „stella“ und  so wurde Maria zur „stella maris“ – zum Stern der Meere.

Auch wenn es auf einen Buchstabendreher zurückgeht: dieser Ausdruck für Maria hat viele Menschen angesprochen. Ein Stern, der in der Nacht aufleuchtet und an dem man sich orientieren kann. Auf dem Meer war dies besonders wichtig, und so wurde Maria als die Patronin der Seefahrer verehrt. schon immer wurde die Seefahrt auch als Bild für das Leben verstanden, wo die Menschen eine Orientierung brauchen, um nicht verloren zu gehen.

Maria verbindet beides miteinander – den Stern, der für das Himmlische steht und das Meer, aus dem alles irdische Leben kommt.  Da passt es gut, dass ihr Name  Maria zugleich die Mehrzahl des lateinischen Wortes für Meer – „mare –  ist und daher „die Meere“ bedeutet.  Maria war empfänglich für Gott. Sie hat sich auf die Botschaft des Engels eingelassen: Als er ihr verkündet, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen soll, da ist sie einverstanden.  Man könnte sagen, durch Maria haben Gott und Mensch zusammengefunden. Vielleicht so, wie sich das Licht eines Sterns im Wasser spiegeln kann. Maria ist daher wie ein Tor zum Himmel.

Ave Maris Stella – in dieser Anrufung kann viel Hoffnung und Sehnsucht mitschwingen; dass ich nicht verloren gehe im Dunkel des Lebens. Dass es da jemanden gibt: gütig und mütterlich, vertraut mit allem Irdischen, an die ich mich immer wenden kann.

Es wundert mich nicht, dass aus  dem alten Hymnus immer neue Lieder entstanden sind. So hat der norwegische Komponist  Edvard Grieg vor etwa 100 Jahren den Text mit einer Melodie von schlichter Schönheit vertont -  wie ein Stern am Nachthimmel. Zugleich changieren und modulieren die  Harmonien vielschichtig wie die Weite und Unergründlichkeit des Meeres.

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Komponisten:                   Hymnus, Ambrosius Autpertus zugeschrieben 8.Jhd. 

Quellen                           

1. Ave maris stella Singphoniker Leitung: Godehard Joppich

2. Edvard Grieg: Ave maris stella, Motette in der Fassung für gemischten Chor a cappella

SWR Vokalensemble Stuttgart Leitung: Marcus Creed

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27371