Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

We are marching in the light of God – eigentlich kann man dieses Lied gar nicht einfach nur singen. Eigentlich muss man sich dazu bewegen – wie der Text es schon nahelegt: Wir marschieren in Gottes Licht. Wobei das „marschieren“ zu dieser Melodie eher an Tanzen erinnert.

Das südafrikanische Volkslied wurde ursprünglich auf Zulu gesungen. Es entwickelte sich Ende des 20. Jahrhunderts zu einem der Freiheitslieder der Anti-Apartheidsbewegung in Südafrika. In den 1980er Jahren wurde es schnell auch in Europa und den USA bekannt – oft mit dem traditionellen Zulu-Text: Siyahamba.

Mich fasziniert die ganz physische Wirkung, die die Musik auf mich hat. Sie bringt mich in Bewegung – innerlich und äußerlich, gibt Energie, macht fröhlich. Gottes Licht, von dem der Text spricht, und seine Kraft werden da ganz körperlich spürbar.

Gleichzeitig berührt mich die Zuversicht, die der einfache Text ausdrückt: Wir gehen in Gottes Licht. Das ist nicht als Hoffnung oder Bitte formuliert, sondern als Tatsache. Und ich glaube, wer das so singen und glauben kann, lebt anders. In unserer Gesellschaft, so habe ich den Eindruck, ist es üblich, mehr auf die Schattenseiten des Lebens zu schauen – obwohl objektiv gesehen viele von uns eher auf der Sonnenseite leben.

We are marching in the light of God – die Menschen, die in Südafrika für Freiheit und Gerechtigkeit demonstriert haben, hätten genug Grund gehabt, schwarz zu sehen. Sie aber waren zuversichtlich. Weil sie darauf vertraut haben, dass Gottes Licht scheint – auch und vielleicht sogar besonders, wo die Aussichten düster sind.

Vielleicht hat diese Zuversicht auch mit dem „Wir“ zu tun. Wir gehen in Gottes Licht. Nicht jeder für sich, sondern miteinander. Und zwar durch Raum und Zeit hindurch. Auch das drückt das Lied für mich aus: In Gottes Licht bin ich auch verbunden mit Menschen, die gerade nicht bei mir sein können. Sogar mit denen, die schon gestorben sind.

We are marching in the light of God. Mich auf jeden Fall steckt das Lied an mit seiner Zuversicht und Fröhlichkeit – und es gibt mir Energie für die hellen und, wenn es sein muss, auch für die dunkleren Stunden des Sonntags heute.

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